Von Freunden, Feinden und Parteifreunden

Attacke gegen „Dr. Schubeus“: Grünen-Stadtverordneter Dirk Gleba. Foto:Stefan Kuhn
Attacke gegen „Dr. Schubeus“: Grünen-Stadtverordneter Dirk Gleba. Foto:Stefan Kuhn
Foto: Stefan Kuhn / press image

Herne.. 

In der CDU, aber auch in der SPD geht es derzeit nicht gerade harmonisch zu. Und: Ein Verdi-Chef und ein Grünen-Ratsherr strafen ab.

Wer bisher auch nur den Hauch eines Zweifels an der Steigerung „Freund, Feind, Parteifreund“ gehegt haben sollte, dürfte in dieser Woche von der Herner CDU endgültig eines Besseren belehrt worden sein. Mit gleich drei Paukenschlägen trat die Union den Beweis an, dass die Vorstandswahl im April alles andere als ein Neuanfang für die zerstrittene Partei war. Zunächst ging die Kreisvorsitzende Renate Sommer in die Bütt, als sie den nicht gerade billigen städtischen Empfang für den scheidenden Dezernenten Jan Terhoeven als unangemessen kritisierte. Das kann man so sehen, muss man aber nicht. Eindeutig ist dagegen, dass die Europaabgeordnete es nicht hätte versäumen sollen, sich vor ihrer Attacke parteiintern abzustimmen. Und zwar: mit der CDU-Ratsfraktion, die ebenfalls beim Empfang vertreten war. Von der WAZ mit der Sommerschen Schelte konfrontiert, bemühte sich Ratsfraktions-Chef Markus Schlüter dann auch erst gar nicht um Diplomatie und distanzierte sich von seiner Vorsitzenden. Das wiederum rief die CDU-Arbeitnehmer (CDA) auf den Plan, die Schlüter wegen dessen Haltung zum Empfang öffentlich abwatschte. Der CDA-Hinweis auf Schlüters „Abkehr vom sozialen Flügel“ ließ vermuten, dass hinter der Abrechnung noch mehr steckt. Und in der Tat: Markus Schlüter war vor Monaten aus der CDA ausgetreten, weil er auch Mitglied des CDU-Wirtschaftsrates ist und die Positionen beider Vereinigungen nicht länger für miteinander vereinbar hielt. Durch die Grabenkämpfe in der CDU trat fast in den Hintergrund, dass es auch in der SPD Misstöne gab. Die Jusos rückten in einer Pressemitteilung von der erstaunlich unkritischen Position der SPD-Ratsfraktion zur KiK-Stiftung „help and hope“ ab - und sprachen damit wohl auch einigen älteren Genossen aus der Seele.

Eine Art Abrechnung gab es in dieser Woche auch bei der Zehn-Jahres-Feier von Verdi. Werner Fiedler, Vorsitzender im Verdi-Ortsvorstand, widmete sich in seiner Laudatio intensiv dem kürzlich nach neun Jahren als Herner FDP-Chef abgetretenen Klaus Füßmann. Fiedler erinnerte daran, dass der (Neo-)Liberale den Vollkasko-Sozialismus der Dienstleistungsgewerkschaft gegeißelt und behauptet habe, Verdi treibe die Volkswirtschaft in den Ruin. Dafür habe dann jedoch der ungezügelte, verantwortungslose Finanzmarktkapitalismus gesorgt, so Fiedler genüsslich in Richtung Füßmann. Schon jetzt steht fest: Wenn Verdi 20. Geburtstag feiert, dürfte sich Füßmanns Nachfolger Thomas Bloch weniger großer „Zuwendung“ erfreuen. Denn: Der Partei- und Fraktionsvorsitzende vertrat in dieser Woche im Rat Positionen, die man eher bei einem Gewerkschafter als bei einem Liberalen vermuten würde. So begrüßte Bloch nicht nur den Atomausstieg, sondern stimmte auch für die Übernahme des Logistikunternehmens WHE durch die Stadtwerke - garniert mit der Bemerkung, dass er ja eigentlich zu einer Partei gehöre, „die privat vor Staat bisher wie eine Monstranz vor sich hergetragen hat“.

Und dann war da noch Arnd Schubeus. Der nach der Kommunalwahl vom Republikaner zum „Unabhängigen Bürger“ mutierte Stadtverordnete hatte zum Thema „Kastration von Katzen“ im Rat einen Antrag mit mehrseitiger Begründung gestellt. In der Diskussion betonte er dann, dass man sich „lange und intensiv“ mit dem Thema befasst habe. Das wiederum rief Dirk Gleba (Grüne) auf den Plan, der Schubeus kurzerhand den Doktortitel „verlieh“. Damit wollte Gleba den Ex-REP jedoch nicht in die Nähe eines Tierarztes rücken, sondern eine Parallele zu „Dr. Guttenberg“ ziehen. Denn: „Dr. Schubeus“ habe den Text des Kastrations-Antrags fast 1:1 von der Stadt Paderborn geklaut, entlarvte der Grüne.

 
 

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