„Von einem Bulldozer überrollt“

Die Firma Vulkan will ihre Hauptverwaltung in Crange  (li.) abreißen und durch einen modernen Bau ersetzen. FDafür müssten aber vier Mietshäuser hinter der Zentrale weichen. Foto Thomas Schild
Die Firma Vulkan will ihre Hauptverwaltung in Crange (li.) abreißen und durch einen modernen Bau ersetzen. FDafür müssten aber vier Mietshäuser hinter der Zentrale weichen. Foto Thomas Schild
Foto: WAZ FotoPool
Herne. Das Cranger Unternehmer Vulkan will seine Verwaltung an der Heerstraße abreißen und durch einen Neubau direkt neben der bisherigen Zentrale ersetzen. Diesen Plänen würden jedoch vier Mietshäuser zum Opfer fallen.

Die Vulkan-Gruppe hat große Pläne: Der weltweit agierende Kupplungs- und Getriebebauer will sein Verwaltungsgebäude an der Heerstraße 66 in Crange abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Für die Firma, die rund 450 Herner Mitarbeiter und auch die Stadt ist das eine gute Nachricht – für 23 Mietparteien dagegen eine Hiobsbotschaft: Sie haben die Kündigung erhalten, weil ihre direkt ans Vulkan-Gelände grenzenden Wohnungen dem Neubau weichen sollen.

Am Samstag flatterte allen Mietern der von Vulkan-Gebäuden umschlossenen Häuser Heerstraße 54, 56, 56a und 58 wie aus heiterem Himmel das Kündigungsschreiben ihres Vermieters ins Haus. Der heißt Bernd Hackforth und ist auch Chef der Vulkan-Gruppe. „Wir fühlen uns, als hätte uns ein Bulldozer überrollt“, bringt eine langjährige Mieterin (Name der Redaktion bekannt) ihre Gefühle auf den Punkt. Von einem „Schock“ spricht ihr Nachbar, der bereits seit 22 Jahren an der Heerstraße wohnt.

Auf § 573 BGB beruft sich Hackforth in seiner der WAZ vorliegenden schriftlichen Kündigung und macht ein „berechtigtes Interesse“ geltend. Nämlich: Durch die Fortsetzung des Mieterverhältnisses würde er „an einer angemessenen wirtschaftlichen Verwertung des Grundstücks gehindert“ und „dadurch erhebliche Nachteile erleiden“. Das jetzige Gebäude aus den 70er Jahren sei technisch veraltet, zu klein und genüge nicht den Ansprüchen des international aufgestellten Unternehmens. Außerdem könnten durch einen Neubau verschiedene Sparten vereint werden. Eine Prüfung habe ergeben, dass es auf dem Areal zu dieser Planung keine Alternative gebe.

Der Neubau sei auch unter dem Aspekt „Standortsicherung“ zu sehen, betont Bernd Hackforth, der zurzeit auf Dienstreise ist, auf Anfrage. „Ich bin in Wanne-Eickel geboren und würde hier niemals weggehen.“

Die Stadt habe die Bauvoranfrage positiv beschieden, so Hackforth. Baubeginn könnte frühestens Mitte 2012 sein. Viel mehr gebe es aus seiner Sicht über das Vorhaben zurzeit nicht zu sagen. Für die Gefühle insbesondere der langjährigen Mieter habe er großes Verständnis. Er habe allen Betroffenen angeboten, in persönlichen Gesprächen über die Beendigung des jeweiligen Mietverhältnisses zu reden. Und es bestehe auch die Möglichkeit, so Hackforth, eine seiner anderen Herner Wohnungen anzumieten. Aber: „Dass sich Mieter an die WAZ wenden, ist eine Unverschämtheit.“

Das sehen einige Betroffene anders. An der „Art und Weise“ der Kündigung nehmen sie Anstoß. In ihr Schicksal fügen wollen sich nicht alle. Mieter kündigten an, sich zunächst einmal bei einem Anwalt und/oder dem Mieterverein beraten zu lassen.

Und die Mieterlobby sieht hier durchaus Chancen: Die Kündigung sei „nicht unproblematisch“, so Vereinsanwältin Tanja Falke zur WAZ. Sie bezieht sich damit nicht nur auf das den Mietern bei besonderen Härten gesetzlich eingeräumte Widerspruchsrecht, sondern auch auf einen formalen Aspekt des Kündigungsschreibens: Absender ist nicht Vulkan, sondern der Privatmann Bernd Hackforth.

 
 

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