Vermieter zahlt nicht – 30 Herner Familien ohne Wasser

Der einzige Wasseranschluss weit und breit liegt im Nachbarkeller: Anastasios Malini mit seiner Familie.
Der einzige Wasseranschluss weit und breit liegt im Nachbarkeller: Anastasios Malini mit seiner Familie.
Foto: MARTIN KERSTAN FOTOGRAFIE / FUNK
Weil ihr Vermieter seine Schulden bei den Stadtwerken nicht bezahlt, leben Dutzende Familien in üblen hygienischen Verhältnissen. Die Not wächst.

Herne.. Die Szenerie erinnert an ein Flüchtlingslager im Krisengebiet, dabei spielt diese Geschichte mitten in Wanne-Eickel. In den Hauptrollen: ein dubioser, abgetauchter Vermieter, der offenbar pleite ist. Die Stadtwerke, die angesichts seit Monaten ausstehender Forderungen ernst machen. Und knapp 30 Familien, die seit fast zwei Wochen ohne Wasser auskommen müssen.

Anastasios Malini (33) hockt in seinem grauen Innenhof und lässt Wasser aus einem gelben Schlauch in Plastikflaschen laufen. Den Schlauch hat er selbst gelegt, aus dem Nachbarkeller hoch durch ein kaputtes Fenster. Für ihn, seine Frau, die drei Kinder (7, 5 und 3) und all die anderen Familien in den Häusern ist der Kelleranschluss seit Donnerstag vorvergangener Woche die einzige Möglichkeit, überhaupt an Wasser zu kommen. „Wir können uns nicht waschen, nicht kochen, nicht richtig auf Toilette. Keiner hilft uns“, klagt Malini.

Keine Klospülung – es riecht nach Fäkalien

Die Probleme am Eickeler Bruch 76 und 78 sowie an der Röhlinghauser Straße 34 und 36 begannen vor einem Jahr. Im Juli 2014 wechselten die Gebäude den Eigentümer. Schon vorher waren die Häuser nicht gerade gut in Schuss, langjährige Mieter beschreiben eine hohe Fluktuation, sprechen von einem „Rein und Raus“, der Zustand der Wohnungen sei „Bruch und Dallas“, Schimmel überall.

Doch mit dem neuen Vermieter ging es richtig bergab. Seitdem wuchert das Unkraut in den Vorgärten. Im Januar und Februar fiel sechs Wochen die Heizung aus. Nun das Wasser. Der Vermieter hat „einen hohen Deckel bei uns offen“, sagt Stadtwerke-Sprecherin Angelika Kur­zawa. Für die Verzweiflung der Bewohner hat sie Verständnis: „Es sind immer die Mieter, die darunter leiden müssen.“

Immobilienverwalter ist nicht ansprechbar

Nur: Durch Verständnis allein kommen die Betroffenen nicht zu ihrem Wasser. Sie sind verzweifelt. Der Vermieter ist nicht greifbar, bei Problemen sollen sie sich an einen Gelsenkirchener Immobilienverwalter wenden. „Aber da geht nie jemand ans Telefon“, sagt Jörg Mathisczik (53). Auch für die WAZ war zunächst niemand zu sprechen.

Mathisczik – tätowierte Unterarme, Schalke-Shirt – ist der einzige deutsche Bewohner am Eickeler Bruch 78. In den Gebäuden wohnen ein paar Griechen und viele Bulgaren, nicht alle können Deutsch. „Ich würde ja die Miete kürzen, aber die wird vom Amt überwiesen“, so Mathisczik, der seit neun Jahren im Haus wohnt. Am ersten Tag nach der Wassersperrung stank es in den Treppenhäusern nach Urin und Fäkalien, weil manche nicht wussten, wie sie die Toilettenspülungen auffüllen sollten.

Aufhebung der Wassersperrung ist nicht in Sicht

Eine Aufhebung der Wassersperrung ist nicht in Sicht, solange der Vermieter seine Schulden nicht begleicht. Mieter wie Anna Papadopoulou (53) müssen sich auf eine lange Durststrecke einstellen. „Wir wohnen seit 20 Jahren hier, ich will nicht wegziehen“, sagt sie. „Aber mein Mann ist krank. So kann es nicht weitergehen.“

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