Verbände in Herne fordern mehr Geld für Sterbebegleitung

Hand in Hand: Pflegekräfte und Sterbende verbindet oftmals ein sehr intensives Verhältnis.
Hand in Hand: Pflegekräfte und Sterbende verbindet oftmals ein sehr intensives Verhältnis.
Foto: dpa
Die AG Freie Wohlfahrtspflege Herne fordert Kassen und Politik auf, mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Ehrenamtliche schließen derzeit die Lücken.

Die Arbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege fordert von den Pflegekassen, mehr Mittel für die Sterbebegleitung und Palliativ-Pflege bereitzustellen. „Es wird nur der medizinische Bedarf gedeckt, aber die intensive Betreuung wird nicht refinanziert. Das kommt alles noch einmal oben drauf“, sagt Ansgar Montag, Vorstand des Caritasverbandes Herne. Das Problem betreffe sowohl ambulante als auch stationäre Dienste, betont die Arbeitsgemeinschaft.

Es fehle es an Personal, das mit zusätzlichen Mitteln bezahlt werden könne. Aufgefangen werde das derzeit mit der Hilfe von Ehrenamtlichen, die sich im Palliativ-Netzwerk der Städte Herne, Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel engagieren. „Aber wir finden, es ist ein Problem, wenn solche Tätigkeiten einfach auf die Ehrenamtlichen abgewälzt werden“, sagen die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft in Richtung der Politik.

Es werde nicht berücksichtigt, wie viel Zeit Pflegefachkräfte bei der Palliativ-Versorgung aufbringen müssten. Dazu gehörten Aufnahme- und Fallgespräche, die Arbeit mit den Angehörigen genauso wie Teambesprechungen. „Das hat zur Folge, dass die Fachkräfte uns ausbrennen. Die müssen das ausbaden, in dem sie doppelt und dreifach arbeiten“, sagt Heike Strauss, die die Awo-Seniorenheime Else-Drenseck in Börnig und Willi-Pohlmann in Constantin leitet.

Psychische Belastung

Man stelle sich vor, eine Altenpflegerin sitzt am Bett eines Sterbenden und merkt, wie die Atmung des Bewohners immer schwächer wird. „Gleichzeitig hört man, dass schon wieder drei andere Bewohner klingeln. Aber man verlässt den Sterbenden dann nicht – nicht ohne schlechtes Gewissen und Magenschmerzen“, sagt Strauss. Gewissenskonflikte seien fester Bestandteil der täglichen Arbeit. Die psychische Belastung, der die Pflegefachkräfte ausgesetzt seien, sei nicht zu unterschätzen. „Die Angst, Sterbende allein zu lassen, schwingt immer mit.“

Schätzungen zufolge sterben etwa 30 Prozent der Menschen in Deutschland in Pflegeeinrichtungen. Die Arbeitsgemeinschaft sagt: „Wir wollen für alle eine würdevolle Begleitung bis zuletzt, aber dafür brauchen wir endlich die entsprechenden Rahmenbedingungen, die das ermöglichen.“ Und diese Bedingungen müsse letztlich die Politik erfüllen. „Sterben ist für jeden Menschen ganz individuell. Jeder hat seine Vorstellungen und Wünsche. Um diesen Wünschen gerecht zu werden, brauchen die Pflegekräfte viel Zeit und Feingefühl.“

Diese Individualität bedeute auch, dass man es den Menschen, die es wollen, ermöglich müsse, in den eigenen vier Wänden zu sterben, betont Andrea Meier, Leiterin der Palliativ-Pflege beim Caritasverband in Herne. „Der Zeitaufwand, der gerade dabei betrieben wird, ist enorm. Aber immerhin haben wir mit dem Palliativ-Netzwerk Strukturen geschaffen, mit denen wir die Aufgaben irgendwie bewältigen können.“

 
 

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