Veranstalter sagt Sechs-Tage-Rennen ab und will Stadt Herne verklagen

Heiße Verfolgungsjagden auf der hölzernen Kreisbahn - wie hier beim 47. Bremer Sechs-Tage-Rennen - wird es auf dem Cranger Kirmesplatz nun doch nicht geben. Foto: dapd
Heiße Verfolgungsjagden auf der hölzernen Kreisbahn - wie hier beim 47. Bremer Sechs-Tage-Rennen - wird es auf dem Cranger Kirmesplatz nun doch nicht geben. Foto: dapd
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Herne.. Das Sechs-Tage-Rennen auf dem Cranger Kirmesplatz ist geplatzt. Veranstalter Michael Zurhausen zog am Dienstag, 1. März, die Reißleine. Der Gladbecker Rennsport-Veranstalter fühlt sich von der Stadt getäuscht und leitete juristische Schritte ein. Seine Anwaltskanzlei will Schadensersatz in einer vorläufigen Höhe von 1,2 Millionen Euro zuzüglich entgangenen Gewinn bei der Stadt geltend machen.

Das Aus für das Sport-Spektakel im April kam nicht überraschend. In den vergangenen Tagen hatten sich die Fronten zwischen Stadtmarketing und Stadt auf der einen sowie dem Veranstalter auf der anderen Seite verhärtet. Bei der Stadt hieß es, sie habe keine Informationen über die Veranstaltung und könne sie deshalb nicht genehmigen, der Veranstalter konterte, die Stadt wolle die Informationen nicht haben, poche aber plötzlich auf Schallschutz (die WAZ berichtete).

Schallschutz war Knackpunkt

Der Schallschutz war nun auch Grund für die Absage, so Michael Zurhausen von BZ Event (Gladbeck). Da die Verwaltung für das Gelände der Cranger Kirmes nur eine zehntägige Sondergenehmigung erteilen könne, die Lärm auch in den Abendstunden erlaube, drohe ihm im Falle eines Rennens eine Anwohner-Klage, sagt Zurhausen. Denn: Die zehntägige Sondernutzung sei durch die Cranger Kirmes bereits ausgereizt. Das Sechs-Tage-Rennen aber sollte mindestens bis Mitternacht stattfinden, was Stadt und Stadtmarketing bei der Vertragsunterzeichnung über die Anmietung des Geländes bekannt gewesen sei; später hätten sie dann die Einhaltung von Lärmschutzrichtlinien eingefordert. Deshalb sieht sich Zurhausen getäuscht und fordert Schadensersatz.

Holger Wennrich, Geschäftsführer von Stadtmarketing Herne, bedauert das Aus, zeigt sich zugleich aber irritiert. Weder liege ein Antrag auf Genehmigung des Sechs-Tage-Rennens vor, noch eine Absage. Den Vorwurf der Täuschung weist er entschieden zurück.

Stadtmarketing entgehen Miteinnahmen in fünfstelliger Höhe

Nachdem der Veranstalter das Sechs-Tage-Rennen bereits 2010 abgesagt hatte – Begründung damals: „aus organisatorischen Gründen“ – habe sich sein Haus für dieses Jahr zum zweiten Mal auf die Vermietung des Kirmensgeländes für das Rennen eingelassen. Vergeblich: Erneut muss die Gesellschaft mit dem Rückzug des Veranstalters leben. „Sehr schade“, kommentiert Wennrich. Seiner Gesellschaft entgehen durch die Absage Mieteinnahmen in fünfstelliger Höhe. Die Frage, ob auch Stadtmarketing Schadensersatzforderungen stellen werde, wollte der Geschäftsführer nicht beantworten.

Wennrich will nun schnellstens einen Strich unter das Sechs-Tage-Rennen machen und das Kirmesgelände weiter vermarkten. Dabei zeigt er sich optimistisch: Neue Projekte seien in der Pipeline, Gespräche mit Veranstaltern liefen.

Ob dabei auch das Vermietungsverfahren verbessert werden muss? Unabhängig vom Sechs-Tage-Rennen mache es Sinn, das bisherige „Verfahren auf Effizienz zu überprüfen“, so Wennrich zur WAZ. Konkret: Vor Vertragsabschluss zwischen Stadt beziehungsweise Stadtmarketing und Veranstalter sei es etwa denkbar, dass Letzterer künftig zunächst die Durchführbarkeit einer Veranstaltung sicherstellt, also auch Gutachten zur Sicherheit, zum Brandschutz oder der Lärmbelastung vorlegt. Stadt und Stadtmarketing würden den Veranstalter dabei unterstützen, und der Termin für eine geplante Veranstaltung würde bis zur Vertragsunterzeichnung geblockt, so Wennrichs Überlegungen weiter.

 
 

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