UPS testet in Herne Paketlieferung mit Elektrofahrzeugen

Auf den ersten Blick ist das UPS-Elektrofahrzeug, hier unterwegs auf der Luisenstraße, nicht von herkömmlichen Wagen zu unterscheiden.
Auf den ersten Blick ist das UPS-Elektrofahrzeug, hier unterwegs auf der Luisenstraße, nicht von herkömmlichen Wagen zu unterscheiden.
Foto: WAZ FotoPool
Die Herner UPS-Niederlassung testet seit etwa einem Jahr die Paketzustellung mit Elektrofahrzeugen. Dafür würden ältere Modelle komplett umgebaut. Bislang verlief der Versuch ohne nennenswerte Pannen.

Herne.  Früh morgens in der UPS-Niederlassung Herne: Die braunen Zustellfahrzeuge des Paketdienstleisters stehen dicht an dicht an der Laderampe. Hinter ihnen fahren wie Koffer auf einem Gepäckband Pakete verschiedenster Größe vorbei. Nach einem kaum zu durchschauenden System beladen die UPS-Mitarbeiter die Lkw.

Dass zwischen den etwa 110 Autos zwei besondere Lieferwagen stehen, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Nur ein dickes Kabel, das von der hohen Hallendecke hängt und in einer Steckdose am Fahrzeug steckt, verrät: Inmitten der großen Dieselflotte haben sich zwei Elektrofahrzeuge versteckt. „Der Wagen hier sieht zwar genauso aus wie alle anderen. Aber in der Bodenplatte stecken Batterien“, sagt Ralf Groß, stellvertretender Centerleiter bei UPS Herne. Er öffnet die Motorhaube und macht den Blick frei auf den eingebauten Elektromotor.

Ältere Modelle wurden umgebaut

Seit etwa einem Jahr sind die Elektrofahrzeuge in Herne im Einsatz. Bei diesen Modellen handelt es sich um ältere Lieferwagen, die eigentlich aussortiert worden wären. „Sie wurden komplett umgebaut, denn die Karosserie ist noch tiptop“, erklärt Groß.

Mittlerweile schmeißen die ersten Zustellfahrzeuge die Dieselmotoren an. Die Abfahrt der Elektrowagen verzögert sich. Ein Container mit Paketen hatte sich verspätet. Für Jakob Straßheim, den Fahrer des Wagens mit der Nummer 65001, bedeutet dies eine zusätzliche Straffung des ohnehin engen Zeitplans. Straßheim bleibt gelassen: „Ich fahre meine Tour einfach anders, um die Expresszeiten zu schaffen.“ Expresspakete müssen bis 10.30 Uhr beim Empfänger angekommen sein. „Ich plane meine Fahrt so effektiv wie möglich, mit wenig Hin- und Her. Jetzt müssen wir halt mehr Zickzack fahren“, erklärt der routinierte Fahrer.

Am Tor der UPS-Halle angekommen, zeigt sich der erste Unterschied vom Elektro- zum Dieselfahrzeug: Es ist viel leiser. „Ich muss besser aufpassen, weil jemand, der um die Ecke kommt, mich einfach nicht hört“, weiß der Fahrer. Vorsichtsmaßnahmen und Bedienung haben alle Elektro-Fahrer in einer Schulung gelernt.

Ansonsten unterscheidet sich die Auslieferung kaum von einer Tour mit einem normalen Zustellfahrzeug. „Manchmal werde ich angesprochen, weil der Wagen sehr leise ist und Elektrofahrzeug draufsteht“, so Straßheim. Bei Industriekunden wird er mal 30 Pakete auf einmal los, dann geht es weiter durch enge Straßen zu Privatkunden – 100 Adressen fährt er an, 230 Pakete liefert er aus.

Für etwa 80 Kilometer reicht der Akku seines Fahrzeugs. „Liegengeblieben bin ich noch nie“, sagt Straßheim. Allerdings: Ein Ersatzfahrzeug musste er schon einmal anfordern. „Wir sind ja noch in der Testphase. Bei niedrigem Akkustand ruf ich lieber an und mach mit einem Diesel weiter. Abschleppen wäre richtig teuer.“

 
 

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