Unser Fritz feiert ein Fest für ein Dach

Familienfest am Heimat- und Naturkunde-Museum. ganz rechts der Initiator, Horst Schröder.
Familienfest am Heimat- und Naturkunde-Museum. ganz rechts der Initiator, Horst Schröder.
Foto: WAZ FotoPool
Der Erlös soll für die Restaurierung einer historischen Seltersbude im Hof des Heimat- und Naturkundemuseums verwandt werden. „Graf Hotte“ Schröder hat das Fest organisiert.

Wanne-Eickel..  Rund um das Gelände des Heimat- und Naturkundemuseums auf der Unser-Fritz-Straße war am Sonntag einiges los. Auf der Wiese vor dem ehemaligen Schulgebäude tummelten sich viele Kinder. Es wurde gebastelt, gemalt und gespielt, die einen liefen auf Stelzen, die anderen bauten Türme aus Holzplättchen. Auf dem Hof des Museums sorgten zwischen den Waggons und Straßenbahnen Stände für das leibliche Wohl der Besucher, während diese der Musik lauschen konnten. Zur Belustigung der Gäste lief das Emscherpferd „Pferdinannt“ durch die Reihen. Mittendrin im Getümmel die Attraktion, für die die Menschen gekommen waren: eine Seltersbude aus dem Jahre 1890.

„Wie viele Menschen aus dem Ruhrgebiet bin ich mit solchen Buden groß geworden“, sagt Horst „Graf Hotte“ Schröder, der Organisator des Festes. „Ich fühle mich sehr heimatverbunden und versuche deshalb, vieles aus Wanne zu erhalten.“

THW transportierte Kiosk

Besonders das Dach stand bei der Feier im Vordergrund. „Die ganze Bude zu restaurieren, wäre ein Traum, doch zu allererst müsste das Dach mit historischem Material neu gedeckt werden, da es undicht ist“, erklärt Schröder.

Bevor die Trinkhalle ins Heimatmuseum nach Unser Fritz gebracht wurde, stand sie an der Gelsenkircher Straße. „Der Transport war damals sehr schwierig, da die Brücken so niedrig waren“, erzählt Heinrich Gößling, der seit 49 Jahren beim Technischen Hilfswerk (THW) Wanne-Eickel arbeitet und damals bei den Vorbereitungen für den Transport geholfen hat.

Seit dem Sommer 1971 steht der Kiosk nun auf dem Hof des Museums und vor einiger Zeit wurde festgestellt, dass er renovierungsbedürftig ist. „Hotte Schröder wollte uns vor eineinhalb Jahren etwas spenden und seitdem sind wir in Kontakt geblieben. Irgendwann kamen wir auf die Idee zu einem Spendenfest für diese Bude“, sagt Oliver Doetzer-Berweger, der seit fünf Jahren Museumsdirektor in Herne ist. Wieso die Trinkhallen auch Seltersbuden genannt wurden, kann er erklären: „Nach der Arbeit unter Tage konnten sich die Bergleute mit Selters erfrischen. Doch im Laufe der Jahre wurde daraus ein Kiosk oder auch eine Bude.“

Bereits im Vorfeld bemühte man sich um den Kiosk. So malte der Herner Künstler Berthold B. Knopp den Kiosk als Tuschzeichnung und versteigerte sie bei eBay. „Mir liegt es am Herzen, die Ruhrgebietsgeschichte zu erhalten. Vieles verschwindet heutzutage einfach, wie zum Beispiel der Krumme Hund“, bedauert Berthold Knopp. Das soll der Trinkhalle nicht passieren. Deshalb wurde das Programm mit Musik, Gesang, Museumsbesuch und einer Kinderbuchlesung für die Besucher organisiert.

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