Unberührte Idylle

Blick auf den Sommerbadteich hinter dem Südpool. Früher diente das Gewässer als Vorwärmbecken für ein Freibad. Foto: Thomas Schild / WAZ FotoPool
Blick auf den Sommerbadteich hinter dem Südpool. Früher diente das Gewässer als Vorwärmbecken für ein Freibad. Foto: Thomas Schild / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Eine Gruppe von WAZ-Lesern besuchte nun zusammen mit BUND-Sprecherin Hiltrud Buddemeier den Sommerbadteich hinter dem Südpool.

Kaum hat Hiltrud Buddemeier das große Vorhängeschloss am Bauzaun geöffnet, bahnt sich die Leserschar vorsichtig einen Weg über den dicht bewachsenen Boden. An dicken, glänzenden Nacktschnecken und den orangen Beeren des Aronstabs vorbei, sammeln sich die „Eindringlinge“ schließlich unter dem dichten Laubdach der Robinien um ihre Exkursionsleiterin. Das Gelände ist eingezäunt. „Geschützter Biotop“ steht auf dem grün umrahmten Schild am Eingang zum Landschaftsbestandteil, der der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich ist.

Staunend schauen sich die Besucher in der kleinen Wildnis um. „Da wohnt man 51 Jahre in Herne und hat keine Ahnung, was es hier alles gibt“, sagt einer der Leser kopfschüttelnd. Im Zwielicht unterm Blätterdach teilt Buddemeier Zettel mit Abbildungen der Tier- und Pflanzenwelt aus, die hier – von Menschen ungestört – ein Zuhause gefunden hat.

Geschichte des Sommerbadteichs

„Da, wo jetzt der Südpool steht, gab es früher ein Sommerbad“, erklärt die BUND-Sprecherin. 1928 wurde es eröffnet. Damals habe man praktisch gedacht. Das Wasser, das aus den Quellen am Düngelbruch den Berg herunter floss, wurde in einem Vorwärmbecken – dem jetzigen Sommerbadteich – gesammelt. Das von der Sonne erwärmte Wasser wurde anschließend ins Becken des Freibads geleitet. Auch die warmen Zechenwässer von Constantin 3/4 wurden zum Baden verwendet. „Vielleicht nicht gerade hygienisch, aber eine Ökobilanz, von der man sich heute eine Scheibe abschneiden kann“, sagt Buddemeier.

Etwa in den 70er Jahren wurde dann eine Ölheizung im Sommerbad eingebaut und das 6000 qm große Vorwärmbecken war überflüssig. „Glücklicherweise hatte der damalige Oberbürgermeister, Robert Brauner, was für diese Ecke übrig“, so die Exkursionsleiterin, „also wurde der Teich erhalten.“ Allerdings gibt es durch den Bergbau einige Senken in diesem Gebiet. Irgendwann kam das Quellwasser durch eine Bergsenkung nicht mehr im Teich an und blieb auf dem Gelände der heutigen Grundschule an der Bergstraße stehen. Eine Pumpe und ein Bassain wurden auf dem Schulhof errichtet und das Wasser konnte wieder in den Teich geleitet werden. „Die Pumpe stammt aus den 70er Jahren, deshalb müssen Ersatzteile jedes Mal aufwendig nachgeschmiedet werden“, erklärt Buddemeier. Nachdem die Stadt das Gelände an einen Angelverein vermietet hatte, „kippte“ der Teich mit kleiner Insel um. Die Fische, die der Verein hier aufzog, um sie später im Kanal auszusetzen, hatten alle Amphibien und Wasserinsekten verdrängt. „Der Teich hatte seinen ökologischen Wert verloren.“ Die Stadt löste die Pachtverträge auf, fing alle Fische und trocknete das Becken aus. Nach einem Jahr wurde wieder Wasser eingeleitet. Mit Landesförderung zog man 2003 einen Zaun um das ganze Gelände. Eine hohe Hecke sorgte dafür, dass kein Müll mehr vom angrenzenden Freibad aufs Gelände geworfen werden konnte.

Die BUND-Mitarbeiterin führt die Leser über einen mit Brombeeren und Efeu bewachsenen Wall, unter und über umgestürzte Bäume, hin zum Teichufer. Trauerweiden stehen am Rand und lassen ihre Zweige ins Wasser hängen. Seerosen und Wasserlinsen zeigen sich auf der Oberfläche, und Algen geben dem Teich seine grünliche Farbe. Buddemeier zeigt den Lesern eine quietschende Erdkröte mit glänzend gold-braunen Augen und einen Wasserfrosch, der – kaum aus dem Behälter geholt – auch schon das Weite sucht. Auch Libellenlarven, Teichmolche, grünfüßige Teichhühner, Blesshühnchen und der äußerst seltene Zwergtaucher haben sich hier angesiedelt. Die Artenvielfalt im „kleinen Urwald“, wie Buddemeier ihn nennt, wächst langsam aber stetig an.

 
 

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