Tickethändler Viagogo soll Westfalia Herne retten

Michael Muscheid
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Der klamme Fußball-Oberligist Westfalia Herne will Eintrittskarten der Ticketböse Viagogo überlassen. Die, so die Idee, soll dafür die Schulden des Clubs übernehmen und die Karten an die Fans verschenken. Das Unternehmen gratuliert schon mal zu dem PR-Coup.

Herne.  Westfalia Herne, der finanziell gebeutelte Fußball-Oberligist, plant einen neuen PR-Coup, der Geld in die leeren Kassen spülen soll: Der Verein will der Ticketbörse Viagogo alle Saisontickets überlassen, im Gegenzug soll das Unternehmen den Verein schuldenfrei machen. Damit auch die Fans etwas von diesem Deal haben, soll der Eintrittskarten-Vermarkter die Tickets verschenken – und dadurch sein Image aufpolieren. So weit die Idee.

Und die, sagt Bernd Faust (44), der Medienbeauftragte von Westfalia, sei durchaus „absurd“. Um anzufügen: „Dafür sind wir ja bekannt“. Besser sollte er sagen: Dafür ist er bekannt. Faust spielt auf die Aktion „Apokalypse Blau“ an, die er sich 2012 ausdachte, als die Blauen vom Schloß Strünkede für das letzte Heimspiel des Jahres alle Tickets verschenkten. „Apokalypse“ deshalb, weil laut Maya-Kalender der Welt-Untergang bevorstand. Land auf, Land ab wurde darüber berichtet. Und dann gab’s die Aktion mit dem Stadion-Kiosk, den der Verein nicht mehr wollte und öffentlich verschenkte. „Wir versuchen, immer wieder mit verrückten Ideen zu glänzen“, sagt auch Sascha Loch, der erste Vorsitzende.

Lob von Viagogo

Nun also Viagogo. Steve Roest, Unternehmenssprecher des Unternehmens, zeigt sich angetan. „Wir gratulieren Herrn Faust zu seinem sehr innovativen PR-Coup“, sagt er auf Anfrage der WAZ. Faust könne „jederzeit gerne auf uns zukommen, wenn er über eine Partnerschaft sprechen möchte“. Das hat Faust am Donnerstag umgehend getan. Nun heißt es: abwarten.

Der Fünftligist, begründet Faust die Aktion, liege am Boden, brauche Geld. 300 Besucher bei den Heimspielen im Schnitt, das sei viel zu wenig, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, das Stadion zu betreiben und zukunftsträchtige Spieler zu holen. Ein Viagogo-Deal sei deshalb die „Flucht nach vorn“, der „Rettungsanker“, den der Verein benötige. Bei einer Talk-Runde zum Thema Amateurfußball auf Zollverein in Essen hat Faust seine Idee nun öffentlich gemacht.

Der Tickets-Vermarkter und der Verein könnten sich „gegenseitig unterstützen“, wirbt auch Vereins-Chef Loch. Er will an das Unternehmen 170 000 Eintrittskarten pro Saison abtreten, im Gegenzug soll dieser die Schulden in sechsstelliger Höhe übernehmen. Und weil Viagogo zuletzt mehrfach negative Schlagzeilen machte – nach einem Aufstand von Schalke 04-Fans 2012 kündigte der Verein etwa seine Zusammenarbeit mit Viagogo – könne dieser durch ein Engagement im Amateur-Fußball seinen Ruf verbessern. „Das Ganze wäre eine Win-Win-Situation“, meint Loch.

Im Internet registrieren

Fußball-Fans, heimische wie auswärtige, müssten sich „nur“ bei Viagogo auf der Internetseite registrieren, am Stadion etwa könnten sie ihr kostenloses Ticket in Empfang nehmen, überlegt Loch weiter. Er hat keine Probleme, mit Viagogo ins Geschäft zu kommen. „Einen Verein, der am Boden liegt, wird man nicht treten“, glaubt er.