Taxis ignorieren Gehbehinderten auf Cranger Kirmes - Polizei hilft aus

Karl-Heinz Heim wartete nachts an seinem Stand vergeblich auf das bestellte Taxi.
Karl-Heinz Heim wartete nachts an seinem Stand vergeblich auf das bestellte Taxi.
Foto: WAZ FotoPool
Der gehbehinderte Schausteller Karl-Heinz Heim wollte nachts von seinem Stand an der Dorstener Straße mit dem Taxi abgeholt werden. Als das nach einer Stunde Wartezeit nicht kam und auch kein vorbeifahrendes Fahrzeug anhielt, musste die Polizei einspringen und den Betroffenen zu seinem Auto fahren.

Crange.. Zur Kirmes herrscht auf Crange Ausnahmezustand – auch verkehrstechnisch. Durch Straßensperrungen, Umleitungen und Sondergenehmigungen gestaltet sich der Weg vom und zum Kirmesgelände zuweilen kompliziert.

Das weiß auch Karl-Heinz Heim, der auf der Dorstener Straße einen Verkaufsstand betreibt. Der 54-Jährige ist zu 90 Prozent behindert und hat eine außergewöhnliche Gehbehinderung.

Abholen nach Kirmesschluss erlaubt

Samstagmorgen nach Kirmesschluss wollte er mit dem Taxi von seinem Stand zu seinem Auto am Behindertenparkplatz an der Heinitzstraße gebracht werden. „Ich wollte Freitag bei mehreren Unternehmen ein Taxi reservieren. Ich habe sogar im Kirmesbüro angerufen und erfahren, dass man mich ab zwei Uhr nachts direkt am Stand abholen darf“, sagt Heim.

Ein Taxiunternehmen habe ihm gesagt, er solle nachts direkt bestellen, sagt Heim. Ein anderer Anbieter erklärte ihm, dass die Dorstener Straße für Taxis gesperrt sei und man ihn ohne Sondererlaubnis nicht am Stand abholen könne.

Nach Feierabend gegen zwei Uhr rief Heim dennoch ein Taxi: „Ich habe auf meine Gehbehinderung hingewiesen und gesagt, ich nehme auch eine lange Wartezeit in Kauf, um zu meinem Auto zu kommen.“ Als um drei Uhr bereits zahlreiche Taxis verschiedener Unternehmen an ihm vorbeigefahren seien, habe er erneut zum Telefon gegriffen, aber niemanden mehr erreicht. „In meiner Not habe ich dann die Polizei angerufen.“

Polizei fährt Karl-Heinz Heim

Die Beamten halfen Karl-Heinz-Heim in seiner außergewöhnlichen Notsituation und fuhren ihn zu seinem Auto. „Es kann doch nicht sein, dass man mitten in der Nacht hilflos sich selbst überlassen wird“, klagt Heim.

Beim betreffenden Taxiunternehmen konnte man sich dagegen nicht an seinen Anruf in der Nacht erinnern. Man habe ihm ja bereits am Freitagmorgen gesagt, man könne ihn wegen der Sperrung der Dorstener Straße nicht an seinem Stand abholen.

Die Dorstener Straße ist jedoch gar nicht durchgehend für Taxis gesperrt, erklärt Karl-Wilhelm Schulte-Halm vom Ordnungsamt die komplexe Verkehrssituation: „Von der Kreuzung Recklinghauser Straße bis zur Heinitzstraße dürfen Taxis auch während der Kirmeszeiten Kunden abholen.“ Aus Sicherheitsgründen gelte von der Heinitzstraße bis zur A 42 eine Stunde vor Kirmesbeginn bis zum Kirmesende nachts ein Durchfahrverbot. Danach könnten Taxis die Dorstener Straße wieder befahren – auch bis zum Stand von Heim.

Auf ein Taxi will sich Karl-Heinz Heim aber nicht mehr verlassen. „Mein Neffe bringt mich nun zum Stand und holt mich wieder ab.“

 

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