Süße Frucht der Selbstständigkeit

Aufmerksam verfolgten die Schüler die Schilderungen der Unternehmer.
Aufmerksam verfolgten die Schüler die Schilderungen der Unternehmer.
Foto: WAZ FotoPool
Vor wenigen Tagen starteten die Schüler der Fachoberschule-Klasse 13 in den Wettbewerb „Start up at School“. Beim Gründungstalk hörten sie von drei Unternehmen, welche Chancen und Risiken eine Unternehmensgründung birgt.

Herne.  Eine Plattform im Internet, auf der Freunde Neuigkeiten austauschen können oder neue Freundschaften schließen können. Die Idee ist eigentlich simpel - doch Mark Zuckerberg hat sie zum schwerreichen Mann gemacht. Sein soziales Netzwerk Facebook ist ein Milliarden Dollar teures Unternehmen, das seit dem Frühjahr an der New Yorker Börse notiert ist.

Zuckerberg ist als Vorbild natürlich riesig, ja geradezu unerreichbar. Die Schüler der Fachoberschulklasse 13 des Herner Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung sind zurzeit auf der Suche nach einer Idee, mit der sich überhaupt ein Unternehmen aufbauen ließe. Vor wenigen Tagen starteten sie in den Wettbewerb „Start-up at School“, in dessen Rahmen sie in den kommenden drei Monaten realitätsnah eine Existenzgründung durchspielen.

Wie hart diese Realität sein kann, offenbarte bereits die Ideen-Findung. Detlef Dülfer, einer der betreuenden Lehrer am Berufskolleg, kennt die Vorschläge der vier Gründer-Gruppen. Sie tendieren recht stark Richtung Dienstleistung. „Doch schon jetzt sehen die Schüler, wie schwer es ist, eine Marktlücke zu entdecken. Noch sind die Ideen nicht ausgereift, in den kommenden Tagen wird man sehen, was sich am Ende davon umsetzen lässt“, sagt Dülfer.

Dass es Raum für Existenzgründungen gibt, erfuhren die Schüler beim Gründertalk im Starter-Center NRW. Andrea Darwiche sowie Jan Füssel und Kay Diekötter schilderten ihren - sehr unterschiedlichen - Weg in die Selbstständigkeit.

Darwiche bietet mit ihrer Firma Medicumordo Veranstaltungsorganisation und Projektkoordination für Kliniken an. Nachdem sie den Auftrag erhielt, eine Internetseite zu gestalten - was sie zuvor nie gemacht hatte -, reagierte sie und erweiterte ihr Angebot: Nun produziert sie Imagefilme für Krankenhäuser, Apps - und eben auch Internetseiten. Ihr Tipp: Immer spontan und flexibel bleiben. Da ihre Eltern und Großeltern selbstständig gewesen seien, habe sie die Kundenorientierung „mit der Muttermilch“ erhalten. Als Betriebswirtin habe es ihr wenig Probleme bereitet, einen Geschäftsplan für den Sprung in die Selbstständigkeit zu schreiben - eine Aufgabe, die auf die Schüler noch wartet.

Der Plan muss Hand und Fuß haben

Jan Füssel und Kay Diekötter waren das, was man „abhängig beschäftigt“ nennt. Sie hatten zwar ihren Elektromeisterbrief, doch weil sie mit ihrem Chef nicht mehr richtig klar gekommen seien, hätten sie entschieden, ihr eigener Chef zu werden. „Doch ihr müsst eine Idee haben, euer Plan muss Hand und Fuß haben, sonst könnt ihr der Bank kein Geld aus der Tasche leiern“, impften sie den Schülern ein.

Mit einer Zahl sorgten die Handwerker für großes Erstaunen bei den Nachwuchs-Gründern: 43 Euro koste bei ihnen eine Arbeitsstunde- zuzüglich Mehrwertsteuer. Miete, Anschaffung der Ausrüstung, die Rechnungen für die Mobiltelefone - die Schüler bekamen ziemlich schnell einen Eindruck davon, an welche Fixkosten sie bei ihrer Gründung denken müssen und welches Risiko die Selbstständigkeit bedeutet. Doch Darwiche, Füssel und Diekötter machten auch Mut:

Sie würden den Schritt immer wieder wagen und „die süße Frucht der Selbstständigkeit“ kosten.

 
 

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