Suche nach einer Entdeckung

Er holte den Kubo-Preis: David Uessems fotorealistische Malerei gefiel Jury und Publikum. Foto: Monika Kirsch / WAZ FotoPool
Er holte den Kubo-Preis: David Uessems fotorealistische Malerei gefiel Jury und Publikum. Foto: Monika Kirsch / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Der Gummersbacher David Uessem war einer der drei Träger des Kubo-Kunstpreises. Auf Platz 2 und 3 wählten Jury und Publikum Lars Gressmann (Malerei) und die Holzbildhauerin Anja Weinberg.

Herne. Wenn im Herbst die Blätter fallen, kommt die Zeit der Kuboshow in den Flottmann-Hallen: Eine der ersten Kunstmessen für junge Kunst im Ruhrgebiet. Und eine Möglichkeit, Kunst abseits der üblichen Ausstellungen kennen zu lernen und vielleicht auch für wenig Geld zu kaufen.

Seit einigen Jahren ist sie auch Anlass, einen Kunstpreis zu vergeben. Eine Jury und das Publikum können über ihren Lieblingskünstler abstimmen. Und das fällt nicht immer leicht, denn das Angebot an Kunst ist vielfältig und sehr unterschiedlich. Gezeigt wird alles von der Fotografie, über Malerei und Grafik, ganz traditionelle Skulpturen bis zu Objekten aller Art. Dieses Mal hat sich sogar ein Video in die Flottmann-Hallen verirrt.

Der Weg durch das Labyrinth der Stellwände beginnt. Mal sind die Arbeiten ganz dicht gehängt, mal mit mehr Luft zwischen den Arbeiten. „Ich versuche schon immer beim Hängen, dass alle Arbeiten gut zur Geltung kommen. Aber es ist schwierig, einige Künstler reichen sehr große Bilder ein, andere viele kleine“, erklärt Organisator Holger Wennrich sein Hängeprinzip.

Zuerst entdecke ich eine Arbeit des Japaners Yuto Yamamoto. Eine kleinteilige Ansammlung von Häusern, Wegen, Treppen. Penible aus kleinen Hölzchen gefertigt. Und mit wunderbaren und witzigen Details, die mir beim ersten Blick gar nicht aufgefallen sind.

Weiter. „Da ist dieses Mal auch viel Kitsch dabei“, höre ich eine Kunstfreundin sagen. Recht hat sie, aber auch viele gute Sachen. Die Fotoarbeiten von Thomas Seyffert fallen mir auf. Eine Reihe mit Portraits von Affen, alle so dargestellt als seien sie Menschen. Aber Thomas Seyffert belässt es nicht dabei. Es bearbeitet seine Fotos und löst in unzählige Bildpixel auf. Das Portrait verschwindet mehr und mehr und wird zu einer bunten Abfolge von Quadraten.

„Dieses Jahr ist alles ein wenig düster“, spricht mich ein Bekannter an. „Als ob die globalen Katastrophen sich ganz direkt in der Kunst widerspiegeln.“ Das war mir auch schon aufgefallen. „Der Absatz von dunklen Farben hat Hochkonjunktur“, witzeln wir.

Ich suche meinen Kandidaten für den Stimmzettel immer noch. Es könnte auch Robert Bischof sein. Er zeigt kleine Kästen aus Beton gegossen, in denen mit kleinen Püppchen witzig Szenen nachgestellt sind. Sie strotzen von Situationskomik, vor alltäglichen Katastrophen im Kleinen. Überhaupt fallen mir dieses Jahr besonders die Objekte und Plastiken auf. „Es sind nicht mehr als sonst“, versichert mir Holger Wennrich. Das mag sein, aber sie sind in diesem Jahr auffälliger.

Was an Malerei gezeigt wird, finde ich ein wenig langweilig. Vieles kennt man, anderes orientiert sich zu direkt an großen Künstlern der Kunstgeschichte. Eine Ausnahme ist für mich David Uessem. Große Bilder, die ganz naturalistisch gemalt sind und an einem bestimmten Punkt in bewegte Farben zerfließen. Sogar diese Bewegungen sind immer sehr exakt gemalt. Noch ein Kandidat für meine Auswahl.

Bleibt die Frage, für wenn ich mich am Ende entscheide. Es ist Yuto Yamanoto mit seinen Häuschen. Vielleicht reicht es ja für den Preis.

Der KUBO-Kunstpreis für junge Kunst wird seit 2001 von den Stadtwerken Herne ausgelobt. Alle Besucher können per Stimmkarte ihren Favoriten benennen. Dieses Votum fließt ein in die Entscheidung der Fachjury. Der Preis ist dotiert mit 2200 Euro. Am späten Sonntagnachmittag wurde die Entscheidung bekanntgegeben und die Sieger wurden geehrt. In diesem Jahr erhalten den Preis: 1. David Uessem aus Gummersbach (fotorealistische Malerei - 1000 Euro), 2. Lars Gressmann (Malerei - 700 Euro) aus Berlin, 3. Anja Weinberg aus Wesel (Holzbildhauerei - 500 Euro).

 
 

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