Stummfilm und Musik treten in ungewöhnlichen Dialog

Eröffnung des „Salon Fritz“ mit dem Stummfilm von Walter Ruttmann „Berlin - Die Sinfonie der Großstadt“ und Musik von Eckard Koltermann und Musikerfreunden in der Maschinenhalle der Künstlerzeche Unser Fritz.
Eröffnung des „Salon Fritz“ mit dem Stummfilm von Walter Ruttmann „Berlin - Die Sinfonie der Großstadt“ und Musik von Eckard Koltermann und Musikerfreunden in der Maschinenhalle der Künstlerzeche Unser Fritz.
Foto: WAZ FotoPool
Eckard Koltermann und Musikerfreunde gestalteten in der Künstlerzeche ein Klangereignis zu dem Berlinfilm von 1927.

Wanne-Eickel..  Klang- und Bildästhetik verwoben sich jetzt zu einem außergewöhnlichen Erlebnis in der Künstlerzeche Unser Fritz. Der schwarz-weiße Stummfilm „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ von Walter Ruttmann ließ seltene Einblicke sowohl in die ersten Collagetechniken als auch in das Berlin der 20er Jahre zu.

Aufstampfende Dampfmaschinen, frühe Automaten, geradlinige Formen und architektonische Muster bilden Reihen in dem frühen Experimentalfilm. „Ich habe diesen Film vor 13 Jahren zum ersten Mal gesehen und habe inspiriert von diesem Eindruck Musik geschrieben“, sagt der Herner Künstler Eckard Koltermann. In der neuen Veranstaltungsreihe „Salon Fritz“ spielte er vor der Leinwand gemeinsam mit Musikern aus der Szene der improvisierten Musik. „Die Musik ist abstrakt, wir haben auf der Bühne auf Eckards Handzeichen geachtet und konnten spontan reagieren,“ so die Sängerin und Bratschistin Katrin Mickiewicz. Der Free-Jazz-Schlagzeuger Paul Lovens brachte einen gewissen Geräuschanteil in die Musik, und verlieh etwa dem Produktionsvorgang von Glühbirnen oder Ausschnitten aus der Schwerindustrie einen neuen akustischen Aspekt.

„Diese Musik ist keine Illustration des Filmes. Ton und Film sind eigenständig“, so Koltermann. Im Dialog der Kunstformen tritt mal der Film, mal die Musik mehr in den Vordergrund.Schnittstellen zwischen Bild und Ton gab es besonders in der filmischen Skizzierung des Berliner Nachtlebens. Schnelle Schnitte trafen auf einen jazzigen „Walking Bass“ und ein eilendes Sax-Solo.Zu hektischen Straßenszenen erklangen kreischende E-Gitarrensounds (Christian Hammer). Vokalisen lieferten eine Art melancholischen Abgesang auf das damalige Berlin. Die perkussive Spielweise von Cellist Ludger Schmidt und Bassklarinettist Eckard Koltermann hatten eine diffuse Eigendynamik.

Ein Vortrag des Filmhistorikers Paul Hofmann über den Filmemacher Ruttmann und die Rezitation von Georg Heyms „Der Gott der Stadt“ durch den Herner Künstler Jürgen Grislawski rundeten den ersten „Salon Fritz“ ab.

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