Stephan Thome las in der Alten Druckerei in Herne

Der Autor Stephan Thome am Dienstag bei der Lesung aus seinem neuen Roman „Gegenspiel“ in der Alten Druckerei in Herne.
Der Autor Stephan Thome am Dienstag bei der Lesung aus seinem neuen Roman „Gegenspiel“ in der Alten Druckerei in Herne.
Foto: FUNKE Foto Services
Der Schriftsteller Stephan Thome las am Mittwoch in der Alten Druckerei in Herne aus seinem neuen Roman „Gegenspiel“ – und zwar fesselnd.

Herne..  „Gegenspiel“ heißt der neue Roman von Stephan Thome, aus dem der Autor am Dienstagabend im Werkstattgespräch mit Michael Geißler vom Suhrkamp-Verlag in der Alten Druckerei las und sich der Diskussion mit dem Publikum stellte.

„Das Buch ist ein Gegenbuch – keine Fortsetzung, sondern ein Komplementärbuch zu Stephan Thomes Roman ,Fliehkräfte’“, erläutert Michael Geißler. In „Gegenspiel“ steht die Ehefrau der Hauptfigur aus „Fliehkräfte“ im Mittelpunkt: Maria Antonia Pereira ist 18, als sich nach der „Nelkenrevolution“ 1974 mit dem Ende der Salazar-Diktatur in Portugal neue Lebensentwürfe wie Studium und Auslandsaufenthalt für die junge Frau aus Lissabon eröffnen und sie faszinieren, aber auch verunsichern. „Vorher gingen junge Frauen nirgendwo hin, sondern warteten, dass jemand kam und sie mitnahm.“

Stephan Thome liest schnell, mit leiser Stimme und sehr klarer Diktion. Sein fesselnder Vortrag nimmt die Zuhörer mit auf Marias Weg, der sie zum Studium nach West-Berlin führt, mitten in die Kreuzberger Hausbesetzerszene, die Thome in anschaulichen, fast filmisch detaillierten Sprachbildern schildert.

Auch Marias intensiv erlebte seelische Befindlichkeit während und nach ihrer ungewollten Schwangerschaft von ihrem Mann Hartmut, durch die sie sich selbst entfremdet fühlt, in einer westdeutschen Provinzstadt, die ihr „so fremd wie der Mond“ ist, beschreibt er so, dass man sich als Zuhörer regelrecht an Marias Seite fühlt, mit ihren Augen sieht. „Sie tut sich schwer, ihren Platz im Leben zu finden, weil sie in ganz verschiedenen Milieus lebt,“ charakterisiert Stephan Thome seine Protagonistin. „Meine Figuren sind fiktiv, basieren aber auf realen Beobachtungen. Und beim Schreiben finden sich viele Eindrücke zusammen. Wie das passiert, darüber bin ich mir selbst oft nicht im Klaren, aber ich versetze mich bei der Gestaltung in die Figur hinein, bis ich sie mir vorstellen kann.“

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel