Stadt Herne ringt mit RAG um Erhalt des Pluto-Fördergerüsts

Lars-Oliver Christoph
Das denkmalgeschützte Doppelbockgerüst der ehemaligen Zeche Pluto an der Wilhelmstraße in Bickern.
Das denkmalgeschützte Doppelbockgerüst der ehemaligen Zeche Pluto an der Wilhelmstraße in Bickern.
Foto: Ralph Bodemer, Archiv
Anfang Juli werde die Stadt mit der RAG über den Erhalt des Doppelbockgerüsts verhandeln, so OB Dudda. Er spricht von einer „schwierigen Gemengelage“.

OB Frank Dudda hat auf seiner Facebook-Seite für den Erhalt des denkmalgeschützten Zechenensembles mit dem Doppelbockgerüst auf Pluto plädiert. Er spricht jedoch von einer „schwierigen Gemengelage“.

Anfang Juli finde eine erste offizielle Verhandlungsrunde der Stadt mit der RAG statt, kündigt er an. Zuvor werde es noch eine Reihe „informeller Gespräche“ geben. Die RAG hat der Stadt derweil indirekt eine „Verzögerung“ des Verfahrens vorgeworfen.

RAG spricht von „Verzögerungen“

Erstmals vorstellig geworden bei der Stadt bzw. beim Fachbereich Bauordnung und Denkmalschutz ist die Ruhrkohle AG nach eigenen Angaben bereits am 11. September 2015. Kurz darauf sei in einem Gespräch mit der Stadt ein Gutachten vorgelegt worden. Von dem Schachtgerüst, der Schachthalle und dem westlichen Fördermaschinenhaus gingen erhebliche Gefahren aus, so die RAG-Warnung.

Ein verkehrssicherer Zustand sei nicht mehr gegeben. Die beiden Gebäude seien „einsturzgefährdet“. Und: Die Tränenblechbeläge des Fördergerüsts könnten bei Wind bzw. Sturmwetterlagen „jederzeit“ abgerissen oder abgelöst werden, was zu Schäden in der angrenzenden Wohnbebauung führen könnte. Auch sei zu berücksichtigen, so die RAG weiter, dass das Areal zwar abgesperrt worden sei, jedoch über die (auch der Forensik dienende) Hauptzuwegung zugänglich sei. Auch Unbefugte und insbesondere Kinder könnten sich Zutritt zu den gefährdeten Bereichen verschafften.

In einem der WAZ vorliegenden Brief an die Verwaltung weist die RAG „rein vorsorglich“ darauf hin, dass sie sich bei „weiteren Verzögerungen“ in einem eintretenden Schadensfall gezwungen sehe, Amtshaftungsansprüche gegen die Stadt geltend zu machen. Ohne denkmalrechtliche Erlaubnis sei ihr die Hände gebunden, so die RAG, da eine Durchführung von Maßnahmen ohne entsprechende Erlaubnis „strafbewährt“ sei.

Wie berichtet, haben sich Parteien, Initiativen und Bürger öffentlich für den Erhalt des Denkmals stark gemacht. SPD-Fraktions-Chef Udo Sobieski hat dabei in seiner Stellungnahme einem möglichen Kompromiss aufgezeigt. Und zwar: einen Abriss der Hallen und einen Erhalt des Gerüsts. Dafür müssten aber nicht nur die vom Turm ausgehenden Gefährdungen ausgeschlossen, sondern auch „die Kostenfrage“ geklärt werden, so der Sozialdemokrat.

Nicht dauerhaft gesichert ist auch die Zukunft des zweiten noch erhaltenen Fördergerüsts Hernes: Die Stadt hat zwar als Besitzerin den Teutoburgia-Turm in Börnig für 40 000 Euro sanieren lassen. Spätestens bis 2020 sei aber eine „große Sanierung“ mit einer zweifachen Beschichtung nötig, so die Botschaft im vergangenen Jahr. Geschätzte Kosten: rund 1,5 Millionen Euro.

Das Verfahren

Die Entscheidung über eine Abbrucherlaubnis liegt bei den Denkmalbehörden. Federführend ist die bei der Stadt angesiedelte Untere Denkmalbehörde, die der Aufsicht der Oberen Denkmalbehörde (Bezirksregierung Arnsberg) unterliegt.

Eine Entscheidung über einen Abbruch beziehungsweise eine Austragung aus der Denkmalliste muss aber „im Benehmen“ mit dem Denkmalamt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) hergestellt werden. Benehmen heißt aber nicht Einvernehmen: Die Denkmalbehörde kann von der Empfehlung des LWL abweichen.

In strittigen Fällen kann der Landschaftsverband jedoch die „Oberste Denkmalbehörde“, sprich: das Bauministerium des Landes einschalten, das dann eine endgültige Entscheidung treffen muss.