Stadt Herne macht Kauf des Hertie-Hauses perfekt

Michael Muscheid
Gehört ab 1. Januar 2015 der Stadt: das Hertie-Haus.
Gehört ab 1. Januar 2015 der Stadt: das Hertie-Haus.
Foto: WAZ FotoPool
Herne hat das Hertie-Haus in der Herner Innenstadt gekauft und sucht nun einen Investor. Stellt sich die Frage: Was passiert mit dem Denkmalschutz?

Herne.  Es ist vollbracht: Die Stadt hat das leer stehende Hertie-Haus in Herne-Mitte gekauft. Nach monatelangen Verhandlungen wurden am Montag die Verträge unterschrieben. Nach Informationen der WAZ liegt der Kaufpreis bei rund 800 000 Euro. Nun will die Stadt einen Investor finden, der das marode und denkmalgeschützte Gebäude übernimmt.

„Wir nehmen das Heft des Handelns in die Hand“, sagt ein erleichterter Rainer Overath, Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) zur WAZ. Die städtische Tochter ist es, die das Kaufhaus dem Insolvenzverwalter abgekauft hat. Was Overath meint: Finanzinvestoren haben es seit dem Hertie-Aus 2009 nicht geschafft, das Haus mit neuem Leben zu füllen – nun übernimmt die Stadt. Die Kaufsumme will Overath nicht bestätigen. Nur so viel: „Es war ein guter Preis.“ Auch deshalb, weil die offenen Forderungen der Stadt an die Alt-Besitzer in Höhe von rund 400 000 Euro für nicht gezahlte Grundbesitzabgaben nun in einem Rutsch beglichen würden und in den Stadtsäckel flössen. Dieser Betrag werde vom Kaufpreis abgezogen.

Und wie geht’s weiter? Nach dem Besitzer-Wechsel zum 1. Januar will die Stadt den Dialog mit potenziellen Investoren vertiefen, sagt Rainer Overath. Es gebe Interessenten, die mit der denkmalgeschützten Fassade planten, aber auch jene, die den Abriss wollten, um am Robert-Brauner-Platz neu zu bauen.

Gutachten nötig

Bei Letzterem müsste der Denkmalschutz fallen, dafür wären unter Umständen mehrere Gutachten, möglicherweise sogar ein Ministerentscheid erforderlich. „Dafür, sagt Overath, „würden Monate ins Land gehen.“ Die SEG gehe offen in den Prozess: „Wir sind keine Denkmalvernichter, wollen aber eine vernünftige, wirtschaftliche Lösung.“ Ob die aber mit Denkmalschutz möglich ist, bezweifelt er.

Joachim Grollmann, Chef der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Herne (WFG), begrüßt den Kauf: „Ich bin sehr optimistisch, dass der Knoten nun endlich geplatzt ist“, sagt er zur WAZ. Das leer stehende Hertie-Haus lähme die City und wirke sich negativ gerade auch auf die untere Bahnhofstraße aus. Nun sei die Chance da, dass sich ein Investor finde, der neu baue und so der Innenstadt neuen Schwung gebe. Allein: „Was nun folgt, ist ein zäher Prozess“, sagt Grollmann mit Verweis auf den Denkmalschutz.

Lob kommt auch aus der Politik. SPD-Fraktionschef Frank Dudda spricht von einer „tollen Geschichte“. Nun gebe es „die neue Herausforderung, das Gebäude schnellstmöglich einer richtungsweisenden Nutzung zuzuführen“, kommentiert er den Kauf.