Stadt Herne lässt Fragen zu Heimunterbringung unbeantwortet

Das katholische Kinderheim St. Josef steht im Fokus des Jugendamtsskandals in Gelsenkirchen.
Das katholische Kinderheim St. Josef steht im Fokus des Jugendamtsskandals in Gelsenkirchen.
Foto: Funke Foto Services
In Gelsenkirchen läuft zurzeit die Untersuchung des Jugendamtsskandals. Doch auch in Herne ist das Thema Heimunterbringung noch nicht vom Tisch.

Herne..  Die Aufklärung des vom WDR-Magazin „Monitor“ aufgedeckten Jugendamtsskandals in Gelsenkirchen – Stichwort: „Mit Kindern Kasse machen“ – ist in vollem Gange. Eine große Rolle spielt das katholische Jugendheim St. Josef in Gelsenkirchen. Im Zuge der Berichterstattung hat die WAZ Hinweise erhalten, die auch Fragen ans Herner Jugendamt aufwerfen. Fragen, auf die die Stadt zum Teil keine konkreten Antworten gibt.

Wie berichtet, hatten der Leiter und der Vize des Gelsenkirchener Jugendamtes über die von ihnen gegründete Gesellschaft „Neustart kft“ ein Heim in Ungarn geführt, in dem Kinder und Jugendliche intensivpädagogisch betreut wurden. Der im Raum stehende Vorwurf: Die Jugendamtsspitze soll mit dem Heim St. Josef zum wirtschaftlichen Nutzen beider Seiten eng zusammengearbeitet haben. So soll die inzwischen von ihren Ämtern enthobene Jugendamtsspitze u.a. das Heim gezielt überbelegt haben.

Streik und Softwareprobleme

Aus Kreisen des Herner Jugendamtes erhielt die WAZ Hinweise, dass die Stadt ab etwa 2013 anders als zuvor sehr häufig Kinder und Jugendliche im St. Josef-Heim untergebracht habe. Dies soll zeitlich einher gegangen sein mit dem Wechsel einer Mitarbeiterin des Gelsenkirchener Jugendamtes in den Herner Fachbereich Kinder, Jugend und Familie. Diese Mitarbeiterin hatte enge Verbindungen zur früheren Führungsspitze des Gelsenkirchener Jugendamtes.

Auf WAZ-Anfrage bestätigte die Stadt Herne, dass sie in den vergangen zwei, drei Jahren verstärkt Kinder und Jugendliche im St. Josef-Heim untergebracht habe. Das sei aber auch für Heime aus anderen Nachbarkommunen der Fall gewesen, weil der Jugendhilfeausschuss 2013 die Verwaltung beauftragt habe, Trägervielfalt herzustellen.

Mit den von der WAZ angefragten Zahlen für die Belegung von St. Josef in den Jahren 2009 bis 2013 konnte die Stadt allerdings nicht dienen. „Insbesondere aufgrund des Streiks“ in dem für die Heimunterbringung zuständigen Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) sei dies nicht möglich, erklärte ein Stadtsprecher. Auch nach Beendigung des Streiks blieb die Stadt Zahlen schuldig und verwies auf „anhaltende Softwareprobleme“. Es sei auch nicht möglich, alle Akten händisch zu prüfen.

Immerhin lieferte die Stadt auf eine weitere Nachfrage eine aktuelle Zahl: Insgesamt sieben Kinder aus Herne wohnten zurzeit im St. Josef-Heim. Nicht liefern wollte die Stadt dagegen eine Aufschlüsselung darüber, in welchen der drei Herner ASD-Bezirken Herne-Mitte, Sodingen und Wanne-Eickel diese sieben aktuellen Belegungen des St. Josef-Heims konkret veranlasst worden sind. Eine solche Aufschlüsselung würde „Rückschlüsse auf einzelne Fälle ermöglichen“, so Stadtsprecher Horst Martens. Damit würden „die Prinzipien des Sozialdatenschutzes“ verletzt.

Und nach wie vor gelte: Bis zur Aufklärung der im Raum stehenden Vorwürfe schließe die Stadt mit St. Josef (und der Bochumer Life Jugendhilfe) keine neuen Verträge ab, so die Stadt.

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