Stadt Herne ist mit der Integration von Zuwanderern überfordert

Mitte August hat die Stadt das damals von EU-Bürgern aus Rumänien bewohnte Haus an der Horsthauser Straße aufgrund katastrophaler Zustände für „unbewohnbar“ erklärt. Seitdem steht das Gebäude leer.
Mitte August hat die Stadt das damals von EU-Bürgern aus Rumänien bewohnte Haus an der Horsthauser Straße aufgrund katastrophaler Zustände für „unbewohnbar“ erklärt. Seitdem steht das Gebäude leer.
Foto: Ralph Bodemer
Die Folgen der Zuwanderung von EU-Bürgern aus Südosteuropa setzen auch Herne immer mehr zu: Die Verwaltung will sich von der Herner Politik zusätzliche Haushaltsmittel von 440.000 Euro bewilligen lassen. Auch die Forderung nach Unterstützung aus Land, Bund und EU wird laut.

Herne. Die Folgen der auch in Herne seit Januar 2014 stetig wachsenden Armutszuwanderung von EU-Bürgern aus Südosteuropa überfordert die Stadt zunehmend. Am Mittwoch funkte die Verwaltung S.O.S.: Ohne zusätzliche Mittel könnten die „großen Herausforderungen“ nicht mehr bewältigt werden, so das Signal von Sozialdezernent Johannes Chudziak und Bildungsdezernentin Gudrun Thierhoff.

Der Hauptausschuss soll in der Sitzung am 30. September 440.000 Euro an zusätzlichen Haushaltsmitteln für 2015 zur Verfügung stellen. Damit nicht genug: Ohne Unterstützung von Land, Bund und EU sei die Lage nicht in den Griff zu bekommen, so der Appell der Verwaltungsspitze in Richtung Düsseldorf, Berlin und Brüssel.

Eine Vielzahl an Problemen

1500 Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien leben zurzeit in Herne, davon ein Drittel Kinder unter 18 Jahren. Die Stadt geht von einer hohen Dunkelziffer aus.

Viele dieser Menschen seien nach Deutschland ausgewandert, weil sie im Herkunftsland ausgegrenzt würden und so gut wie keinen Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt hätten: „Sie wollen nicht zurück“, so Chudziak.

Die Integration stelle die Stadt vor riesige Aufgaben. „Viele dieser Menschen sind nicht vertraut mit unserer Lebensweise“, sagt der Sozialdezernent. Erschwerend komme hinzu, dass oftmals ein Abhängigkeitsverhältnis zu Schlepperbanden bestünde, was die Kontaktaufnahme und Beratung durch die Verwaltung erheblich erschwere.

Und: Einige Vermieter nutzten die Situation aus und verlangten horrende Mieten. So würden sogar „Matratzenmieten“ erhoben, so Chudziak. Die Stadt habe Kenntnis darüber, dass in einigen Fällen im Schnitt 300 Euro pro Matratze kassiert würden. Wegen unhaltbarer Zustände hat die von der Stadt eingerichtete Task-Force „Problemimmobilien“ ein Haus an der Horsthauser Straße für unbewohnbar erklärt.

Wichtigkeit von Bildung näher bringen

Die Lebensumstände sind längst nicht das einzige Problem. „Es ist sehr schwierig, den Menschen nahe zu bringen, wie wichtig Bildung ist“, so Gudrun Thierhoff. Um einen besseren Zugang zu den Familien zu erhalten, will die Verwaltung „Integrationslotsen“ ausbilden. Auf die Bewilligung dafür benötigter Fördermittel durchs Land wartet die Stadt seit Juli.

Mit einem Bündel an weiteren Maßnahmen - u.a. Einrichtung eines Verfügungsfonds, Gründung von Arbeitsgruppen etc. - hat die Stadt auf die Situation reagiert. Das reiche aber längst nicht aus, um den zusätzlichen Aufwand zu bewältigen, so die Botschaft.

 
 

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