Stadt beerdigt Waldfriedhof

Auslaufmodell? Der Wanne-Eickeler Waldfriedhof, der auf dem Hertener Stadtgebiet liegt. Foto: WAZ
Auslaufmodell? Der Wanne-Eickeler Waldfriedhof, der auf dem Hertener Stadtgebiet liegt. Foto: WAZ
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Herne. Der Wanne-Eickeler Waldfriedhof soll geschlossen werden. Das hat die Verwaltung dem Rat vorgeschlagen. Die Entscheidung fällt am 13. Dezember.

Die Stadt will den Wanne-Eickeler Waldfriedhof schließen. Über einen entsprechenden Vorschlag soll der Rat am 13. Dezember entscheiden. In der Politik wird bereits Kritik laut: Ihm erschließe sich nicht auf Anhieb, so CDU-Fraktions-Chef Markus Schlüter auf WAZ-Anfrage, warum ausgerechnet dieser städtische Friedhof vor dem Aus stehe.

Mehrere Gründe macht die Stadt für die Schließung geltend, die wegen der Nutzungsrechte für Wahlgrabstätten jedoch erst 2063 vollzogen werden könnte. Gemessen an der geringen Zahl der Bestattungen (40 im Jahr 2009, 35 in 2010) verursache der Waldfriedhof „sehr hohe Infrastrukturkosten“, erklärt Stadtgrün in einer Vorlage für die Politik. Mit der Schließung dieser Ruhestätte bestünde die Möglichkeit, die Kosten aus der Bedarfsrechnung herauszulösen. Dadurch müssten die Gebühren 2012 nur „moderat“ angehoben werden - so wie es das 2005 im Rat beschlossene Gesamtkonzept vorgibt.

Mit einer Schließung bestünde die Möglichkeit, die Friedhofsplanung dem „tatsächlichen Flächenbedarf“ anzupassen, so Stadtgrün. Durch den Trend hin zu „pflegearmen Bestattungen“ – Stichwort: Kolumbarien auf dem Südfriedhof – sei der Bedarf erheblich zurückgegangen.

Ähnliche Gründe führten 2006 dazu, dass der Rat die Schließung der städtischen Friedhöfe Röhlinghausen und Horsthausen besiegelte, ebenfalls auf lange Sicht. „Eine Entscheidung für die Nach-, Nach-, Nach-Kommen“, so formulierte Stadtgrün damals.

Für diese Schließungsbeschlüsse gab es vor fünf Jahren einen breiten politischen Konsens, der aus Sicht der CDU nicht zuletzt auf die vorherige Einberufung einer interfraktionellen Arbeitsgruppe zurückzuführen war. Umso erboster ist Markus Schlüter darüber, dass die Stadt diesmal im Vorfeld nicht auf die Politik zugegangen sei: „Ich habe den Eindruck, dass diese Entscheidung durchgepeitscht werden soll“, sagt er. Das Vorgehen sei für ihn nicht nachvollziehbar. Um am 13. Dezember im Rat einen neue Friedhofssatzung inklusive der Schließung Waldfriedhof beschließen zu können, musste für den 1. Dezember sogar eine Sondersitzung des Planungsausschusses einberufen werden.

Stadtsprecherin Silke Bender weist die Vorwürfe zurück. Die Verwaltung arbeite kontinuierlich daran, die zurzeit sieben städtischen Friedhofsflächen an den Bedarf anzupassen – so wie es vor fünf Jahren im Gesamtkonzept vereinbart worden sei. „Wir haben nur unsere Hausaufgaben gemacht“, so Bender zur WAZ. Nun sei die Politik am Zug.

Mit einem Beschluss über die Schließung des Waldfriedhofs erlischt das Recht auf weitere Bestattungen und Beisetzungen, mit Ausnahme von bereis erworbenen Nutzungsrechten auf Wahlgrabstätten. Diese Verfahrensweise ist vor fünf Jahren auch für Röhlinghausen und Horsthausen (Ostfriedhof) vereinbart worden.

Nach 2063 könne dann mit dem Eigentümer der Friedhofsfläche, der Gräflichen Nesselrodeschen Verwaltung, über eine neue Nutzung verhandelt werden, so die Stadt. Der Eigentümer habe es abgelehnt, vor dem Ablauf des Erbbaupachtvertrags in 2063 nicht genutzte Teile in Grünflächen umzuwidmen bzw. sei nur dazu bereit gewesen, wenn die Stadt die Flächen im Gegenzug kaufe. Die finanziellen Forderungen seien jedoch zu hoch gewesen.

 
 

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