Spiel dient der „Völkerverständigung“

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Die Linkspartei in Herne lud am Wochenende zu ihrem ersten Schnellschachturnier in ihre Geschäftsstelle. Der Spaß am Spiel stand im Vordergrund – und die „Völkerverständigung“ zwischen Herne und Wanne-Eickel.

Wanne-Eickel.. Eine Veranstaltung der Partei Die Linke ohne Frauen, das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Eigentlich. Am Samstag aber ist genau das passiert.

In der Geschäftsstelle an der Hauptstraße in Wanne-Eickel fand das erste Schnellschachturnier der Herner Linkspartei statt. Frauen wollten anscheinend nicht mitspielen, die 14 Schachspieler also waren alle männlich und die gesamte Herrlichkeit an den Tischen ungestört. Der Herner Internist Nikolaus von Blumenthal war einer der Turnierteilnehmer, ist selber aber kein Mitglied der Linkspartei. Er beschreibt die Frauenabstinenz so: „Frauen sind hier gerne gesehen, aber offenbar keine Konkurrenz für Männer.“ Veronika Buszewski, Stadtverordnete der Linkspartei, relativiert diese Aussage sofort: „Wir hatten sogar eine Anmeldung einer linken Bundestagsabgeordneten aus Rheinland-Pfalz. Sie musste aber leider absagen, aus terminlichen Gründen.“

Wegen des unerwarteten Wahlkampfs in NRW habe es Absagen am Stück gehagelt, erzählt Buszewski weiter. „Unser Turnier findet ja an einem Samstag statt. Das ist aber der traditionelle Tag, an dem wir mit unseren Infoständen in die Innenstädte gehen.“ Aus diesem Grund hätten viele Politiker der Linkspartei abgesagt. Sie mussten an die Tapeziertische und unter die Sonnenschirme mit Partei-Logo, um Wahlkampf zu machen.

Trotzdem kamen immerhin 14 Spieler zusammen. Sie kämpften in dem Schnellschach-Turnier um den Fritz-Constantin-Gedächtnispreis. Wer denn dieser Fritz Constantin sei, wurden die Herner Linken immer wieder gefragt. „Die Antwort wollen wir schuldig bleiben. Nur so viel: es handelt sich um einen Preis, der die Völkerverständigung in Herne und Wanne-Eickel nach vorne bringen soll.“ Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Kleiner Tipp: Es handelt sich um Stadtteile.

In der Geschäftsstelle, am Samstag gleichsam Turnierort, war das gleichzeitig stattfindende Revierderby Schalke gegen Dortmund übrigens kein Thema. Erste Regel hier: Die Turnierruhe ist heilig. Gesprochen wird nur draußen.

Die Idee zum Schachturnier hat keinen politischen Hintergrund, sagt Buszewski. „Nach einer Sitzung kam uns die Idee: Lasst uns doch einfach mal was machen, das uns einfach nur Spaß macht.“

Die Lösung: Schach. Mit Hilfe des Schachvereins SV Unser Fritz Wanne-Eickel 1955 e.V wurde das Turnier organisiert. Der Verein stellte die Spielutensilien, die Herner Linken bewarben das Turnier seit Januar innerhalb der gesamten Partei.

Sieger des Turnieres wurde dann Klaus Rüdiger. Er ist Sprecher der Linken in Engelskirchen. Er durfte den Fritz-Constantin-Gedächtnispreis mit nach Hause nehmen. Inwieweit er über die Thematik des Preises, Völkerverständigung in Herne und Wanne-Eickel, informiert ist, bleibt bis auf Weiteres ein Partei-internes Geheimnis. Das Turnier soll übrigens wiederholt werden, ein Termin für eine Neu-Auflage steht aber noch nicht fest. Sicher ist: Nicht im Wahlkampf.

Eine normale Schachpartie kann bis zu sieben Stunden dauern. Beim Schnellschach ist die Zeit auf insgesamt 30 Minuten beschränkt, jeder Spieler hat eine Viertelstunde Bedenkzeit für seine Züge. Beim Blitzschach geht es sogar noch schneller, hier dauert eine Partie dann maximal fünf Minuten.

 
 

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