Sodinger Denkmäler per Rad entdecken

Jonas Erlenkämper
Vor der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul.
Vor der katholischen Pfarrkirche St. Peter und Paul.
Foto: Stadt

Herne.  Die Untere Denkmalbehörde hat einen kleinen, kostenlosen Fahrradführer mit Tipps für eine Tour durch den Herner Osten veröffentlicht. Mitglieder der Stadtverwaltung testeten die Strecke vorab.

Bei Nummer zehn zahlt sich der Elektroantrieb des Baudezernenten endlich aus. Nummer zehn auf der Liste ist der Kaiser-Wilhelm-Turm, und der liegt auf einem kleinen Hügel. Karlheinz Friedrichs tritt also in die Pedale, der kleine Motor unter seinem E-Fahrrad springt an – und Friedrichs schiebt sich an Denkmalschützer Heinz Munck vorbei. Ein triumphierendes Lächeln noch für den Kollegen aus der Stadtverwaltung, dann zieht Friedrichs davon. Knappe zwei Minuten später steht er an sein Rad gelehnt vor dem Turm, als Munck den Waldweg hochjuckelt. Er hechelt, seine Zunge hängt fast auf dem Lenker. Munck witzelt: „Hier kommt der Typ mit der roten Krawatte.“

Bergbau und Mittelalter

Dabei war der 58-Jährige so fleißig in den letzten Monaten. Seine Untere Denkmalbehörde arbeitet bereits seit letztem Jahr daran, Radtouren durch alle vier Stadtbezirke zu organisieren. Nun widmet sich die Behörde dem Herner Osten und gibt einen kleinen feinen Fahrradführer heraus, der Tipps bietet für eine familienfreundliche Rundreise durch Sodingen, Börnig und Holthausen. Einer kleinen Gruppe von Verwaltungsmitgliedern hat Munck die 18 ausgewählten Denkmäler gestern vorab vorgestellt.

Viele hat der Bergbau hinterlassen. Allein in der Teutoburgia-Siedlung tragen sechs Gebäude den Denkmal-Stempel, auch als Gesamtkunstwerk ist die Kolonie geschützt. Während Teutoburgia als eines der schönsten Arbeiterquartiere im Ruhrgebiet gilt und über Herne hinaus bekannt ist, steht die Kolonie Constantin weniger im Fokus. Trotzdem nennt der Radführer zwei Gebäude: Das eine ein Zwölffamilienhaus mit Stall an der Mülhauser Straße, das andere ein ehemaliges Viererhaus an der Pieperstraße.

An Denkmal Nummer vier gönnt sich Karlheinz Friedrichs einen ersten tiefen Schluck aus seiner Apfelschorlenflasche. Das Grüppchen hat die Räder auf dem Holunderweg abgestellt. Rundherum lauter Einfamilienhäuser, leichter Wind weht durch das nahe Maisfeld. Nur ein Grundstück ist unbebaut. Unter einer Linde ein hölzernes Kreuz, darauf die Aufschrift „Vor Pest, Hungersnot und Krieg bewahre uns o Herr“. Das Pestdenkmal gehört zu den Herner Kleinoden, nur wenige kennen die Geschichte dieses Ortes.

Im Mittelalter errichteten Überlebende der Pestepidemien hier ein Kreuz, um von der Krankheit verschont zu bleiben. „An der Stelle befand sich früher eine Weggabelung zwischen Castrop und Börnig“, so Munck. „Damals sind ganze Ortschaften durch die Pest ausgestorben.“ Also trafen sich die Menschen an jenem verkehrsgünstig gelegenen Platz jährlich zur Prozession. Es gab mal die Überlegung, das Denkmal an einer anderen Stelle neu aufzustellen, denn die Wiese ist begehrtes Bauland. „Aber“, sagt Friedrichs, „man kann doch einen historischen Ort nicht einfach versetzen.“

Idyllisches Börnig

Wie idyllisch Börnig einst war, zeigt Nummer fünf. An der Dorfstraße haben sich Menschen mit Sinn für Wohnambiente die Gebäude eines ehemaligen Bauernhofs von 1744 hergerichtet. Der Radführer, kostenlos erhältlich in den Rathäusern und Bürgerlokalen, hebt das „fast gänzlich erhaltene bäuerliche Anwesen“ hervor. Berthold Knopp lebt mit seiner Familie seit zwei Jahren im alten Torhaus. Der 52-Jährige führt die Stadtverwalter über das 5000 Quadratmeter große Grundstück, vorbei an Back- und Dörrhaus, Brunnen, Stall und Streuobstwiese. Denkmalschützer Munck denkt an früher: „So sah es bis zur Industrialisierung im 19. Jahrhundert überall in Börnig aus.“