Seniorenpark Koppenbergs Hof hat Haltestelle für Demente

Sven Heidrich, Leiter des „Seniorenpark Koppenbergs Hof“ (li.), mit Bewohner Hans Seitz und Sozialarbeiterin Manuela Teilhöfer (re.) mit Wilhelm Urban an der Bushaltestelle für Demenzkranke.
Sven Heidrich, Leiter des „Seniorenpark Koppenbergs Hof“ (li.), mit Bewohner Hans Seitz und Sozialarbeiterin Manuela Teilhöfer (re.) mit Wilhelm Urban an der Bushaltestelle für Demenzkranke.
Foto: FUNKE Foto Services / Olaf Ziegler
Der Seniorenwohnpark Koppenbergs Hof hat seit wenigen Tagen eine Bushaltestelle für Demenzkranke. Sie erinnert die Kranken an frühere Tage.

Herne..  Er soll laut Plan Richtung Bochumer Hustadt fahren, alle zehn Minuten, am Wochenende in 20-minütigen Abständen. So steht es jedenfalls auf dem Plan geschrieben. Doch die Senioren, die hier stehen, sie können lange warten. Diese Bushaltestelle führt nach Nirgendwo, ein Transportfahrzeug wird wohl niemals im Hof der Einrichtung am Seniorenwohnpark Koppenbergs Hof halten. Dennoch setzen sich die Bewohner zwischendurch gerne auf die Parkbank und warten, oftmals in Begleitung. Manche halten vor Ort ein Pläuschchen, andere ziehen an ihrer Zigarette und blicken ins Grün, entspannen. Und genau hier liegt der Sinn dieser besonderen Errungenschaft.

„Die Bushaltestelle soll ein Begegnungsort für Demenzkranke sein – halt nur ohne Bus,“ freut sich Einrichtungsleiter Sven Heidrich über die neue Errungenschaft, gespendet von der HCR.

Und wann kommt der Bus?

„Sicherlich fragt hin und wieder ein Bewohner nach einiger Zeit mal nach, wann endlich der Bus eintrudeln mag. Dann müssen wir uns halt etwas einfallen lassen“, sagt er. Manuela Teilhöfer vom sozialen Dienst nickt zustimmend. „Der Bus ist schon weg oder kommt morgen, antworten wir dann“, sagt sie schmunzelnd. Dennoch hat dieser Ort eine beruhigende Wirkung auf den Großteil der 121 Senioren, von denen über die Hälfte, wie Sven Heidrich betont, bereits „demenziell verändert sind.“ Die Haltestelle schenkt ihnen eine gewisse Sicherheit, erinnert sie an frühere Tage, als sie noch mobil waren. „Damals sind die meisten Bewohner viel mit dem Bus gefahren. Die wenigsten hatten ein Auto. Somit gibt ihnen die Haltestelle ein Stück Normalität wieder“, so der Einrichtungsleiter. „Es ist ein schöner Treffpunkt, ein Ort, der sie beruhigt“, weiß Manuela Teilhöfer aus Erfahrung.

Immer wieder ist der Einrichtungsleiter auf der Suche nach neuen Idee für das 10 000 Quadratmeter große Areal. Jüngst konnte er fünf Kamerun-Schafe (wir berichteten) für den Wohnpark gewinnen. Genutzt werden sie zur Tier-Therapie mit den Senioren. Im Sommer sollen sie nicht nur für eine gepflegte Grünanlage sorgen, sondern auch die Senioren erfreuen. Gleichwohl wird in diesem Seniorenheim nicht nur gesessen. Für den Sommer ist ein Sinnesgarten mit Klangspielen sowie ein Barfuß-Pfad geplant. Die Materialien sind bereits im Haus vorhanden. „Wir lassen uns halt immer wieder etwas Neues einfallen“, so Heidrich. Für neue Ideen und Anregungen ist die Einrichtung sehr dankbar.

Die Bushaltestelle, sie wird sicherlich in Zukunft großen Anklang finden, bei den Damen und Herren der Anlage. Ein echter Bus, der fährt übrigens ab der Wiescher­straße – ganz sicherlich nach Irgendwo.

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