Schwitzen mit und ohne Kopftuch

Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool

Wanne-Eickel. Ein Fitness-Studio in Wanne bietet Kurse für muslimische Frauen an. Die Vermittlung zwischen den Kulturen ist nicht ganz leicht.

Aus den Lautsprecherboxen dröhnt Technomusik. 20 Füße stampfen gleichzeitig zum Takt auf den Boden. Fitnesstrainerin Ömriye Wandt-Kopitz schreit die nächsten Anweisungen. Verstehen kann man sie und die Musik nur, wenn man Türkisch spricht.

Impuls-Fitness in Wanne bietet Kurse speziell für muslimische Frauen an, viermal in der Woche. Angefangen hat alles mit einer Zeitungsanzeige, auf der eine Frau mit Kopftuch abgebildet war. „In nur acht Wochen zehn Kilogramm abnehmen“, stand in deutscher und türkischer Sprache darunter. „Ich hatte unter der Annonce extra nur eine Handynummer angegeben, nichts weiter“, erinnert sich Wandt-Kopitz. Nach kurzer Zeit riefen türkische Frauen an, die gerne einen Schnupperkurs machen würden, aber beim Training unter sich bleiben wollten. Im Juli 2009 startete die erste Gruppe mit zehn Türkinnen. Der Erfolg sprach sich schnell herum, nach kurzer Zeit brachten die Frauen immer mehr Freundinnen mit zu den Kursen.

Große Nachfrage

Derzeit trainieren viermal wöchentlich rund 70 muslimische Frauen bei Impuls-Fitness. Inzwischen sei die Nachfrage so groß, dass die räumlichen und personellen Kapazitäten des Studios ausgeschöpft sind. Der Umzug in ein neues Center ist bereits geplant. „Dort wird es einen Extrabereich nur für die muslimischen Kundinnen geben“, kündigt Wandt-Kopitz an. Kundin Öztürk ist begeistert von dem Kursangebot. „Man kann unter sich sein, sich besser unterhalten. Auf Deutsch zu reden ist anstrengend“, sagt sie, „und ich habe auch Angst, wenn ich laut lache, dass die Deutschen denken, dass über sie gelacht wird.“

Öztürk profitiert nicht nur vom Spaß in der Gemeinschaft. Innerhalb von vier Monaten habe sie aufgrund des Fitness-Trainings 30 Kilogramm an Gewicht verloren. Noch entscheidender: Ihre Zuckerwerte seien dank des neuen Ernährungsplans erheblich gesunken.

Mangelhafte Bewegung und ungesunde Ernährung

Ungesunde Ernährung und mangelhafte Bewegung beobachte Wandt-Kopitz häufig bei muslimischen Frauen. „Viele essen kaum Gemüse oder Obst und bleiben den ganzen Tag in der Wohnung“, bemängelt die Fitnesstrainerin. Inzwischen halte sie Vorträge in Moscheen, um für eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung zu werben. Für die Deutsch-Türkin sind die Kurse auch ein emanzipatorischer Erfolg. „Die muslimischen Frauen werden selbstbewusster durch das Training“, sagt sie, „sie schaffen es jetzt zu Hause, auch ‘mal ihre eigenen Interessen durchzusetzen.“ Schwieriger falle ihr die Vermittlung zwischen den Kulturen in ihrem Fitness-Studio. „Letztens hatten wir hier eine Auseinandersetzung, weil ich durchgesetzt habe, dass in der Umkleide aus Rücksichtnahme auf die anderen Kundinnen Deutsch gesprochen werden muss“, so die Chefin. Eine türkische Kundin, die sich weigerte, habe sie vom Training ausgeschlossen. Beim zehnjährigen Geburtstag des Fitnessstudios sei jedoch ein entscheidender Schritt zur Integration gelungen. „Bei der Feier ist endlich das Eis ein bisschen gebrochen“, erinnert sich Kundin Wilma Wieschhaus, „man muss einfach mal zusammen feiern, dann kommt man sich auch näher“, stellt die gebürtige Holländerin fest.

 
 

EURE FAVORITEN