„Schwing ist immer noch ganz weit vorne“

Mit festem Schritt in die Zukunft: Thomas Ostermann
Mit festem Schritt in die Zukunft: Thomas Ostermann
Foto: WAZ FotoPool
Fast zwei Jahre ist es her, dass der chinesische Konzern XCMG beim Cranger Betonpumpenproduzenten Schwing die Mehrheit übernommen hat. Im WAZ-Interview spricht der neue GeschäftsführerThomas Ostermannerstmals über die aktuelle Situation.

Herne.  Fast zwei Jahre ist es mittlerweile her, dass der chinesische Baumaschinenkonzern XCMG beim Cranger Betonpumpenproduzenten Schwing die Mehrheit übernommen hat. Seitdem drang fast nichts über das angeschlagene Unternehmen an die Öffentlichkeit. Im Gespräch mit WAZ-Redakteur Tobias Bolsmann spricht der neue Geschäftsführer Thomas Ostermann erstmals über die aktuelle Situation und die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Anteilseigner.

Man hat lange keine Nachrichten von Schwing gehört. Deshalb drängt sich die Frage auf, wie es dem Unternehmen geht.

Ostermann: Die Lage hat sich seit der Übernahme stabilisiert. Die Umsätze steigen leicht an, und auch das Ergebnis beginnt sich zu verbessern. In einigen Märkten wie den USA sieht es ganz gut aus, etwas Sorge bereitet uns Brasilien. Insgesamt zeigt die Entwicklung nach oben, allerdings werden wir so schnell nicht mehr die Umsätze erreichen wie vor der Weltwirtschaftskrise. Aber wir wachsen lieber stetig als boomartig.

Schwing hat aber auch einiges nachzuholen. 2009 waren die Umsätze um 50 Prozent eingebrochen. Wie konnte es zu diesem dramatischen Rückgang kommen? Waren das hausgemachte Probleme?

Nein, keinesfalls. Der Baumaschinenmarkt unterliegt sehr stark Zyklen, in guten Jahren kann ein Unternehmen seinen Umsatz leicht verdoppeln. Vor der Wirtschaftskrise hatten wir ein geradezu unnatürliches Wachstum. In der Krise hat es dann die ganze Branche erwischt, da hat Schwing keine Ausnahme gemacht.

Im Zuge der Krise wurde auch kräftig Personal abgebaut. Erst gab es Kurzarbeit, dann mussten rund 300 Mitarbeiter gehen. Wie wird sich die Zahl der Mitarbeiter in Zukunft entwickeln?

Schwing hat weltweit fast 4000 Mitarbeiter, die meisten übrigens in Indien. Unsere Baumaschinenindustrie kann sehr zyklisch sein, und das hat dann auch langfristig Auswirkungen auf die Mitarbeiterzahl. Wir erwarten hier in Herne in der näheren Zukunft, abgesehen von der normalen Fluktuation, aber keine gravierenden Änderungen.

Schwing war mit seinen Betonpumpen Weltmarktführer. Wie wollen Sie zu alter Stärke zurückfinden?

Wir müssen uns nach wie vor hinter niemandem verstecken. Uns gibt es nun 80 Jahre und mit unserer Technik und unseren Produkten sind wir immer noch ganz weit vorne. Das bestätigen uns auch unsere weltweiten Kunden und nutzen unsere Produkte bei so wichtigen und imposanten Projekten wie dem Freedom-Tower in New York, und auch bei der dritten Bosporus-Brücke sind wir beteiligt.

Apropos Weltmarktführerschaft: Ihr Hauptkonkurrent Putzmeister ist wie Schwing von einem chinesischen Konzern übernommen worden. Spürt man etwas vom chinesischen Duell?

Die Konkurrenz zu Putzmeister war immer schon vorhanden, allerdings ist mit den Übernahmen keine neue Dimension entstanden. Wir schauen nur auf uns und wir sind ja nicht wie Putzmeister zu 100 Prozent in chinesischer Hand, sondern noch immer zu einem signifikanten Anteil ein Familienunternehmen.

„Wir treffen unsere Entscheidungen selbstständig in Herne“

Welchen Einfluss hat bei der aktuellen Entwicklung von Schwing eigentlich der chinesische Mehrheitsgesellschafter XCMG?

Ostermann: Die Zusammenarbeit gestaltet sich hoch professionell, schließlich handelt es sich bei XCMG um den größten Baumaschinenhersteller in China. Wir arbeiten eng zusammen und helfen auch unseren Partnern, erfolgreich zu sein. Ich kann mir viele Bereiche der Zusammenarbeit vorstellen, zum Beispiel beim Einkauf.

Inwiefern beeinflusst XCMG die Entscheidungen bei Schwing?

Wir fällen unsere Entscheidungen selbstständig in Crange. Das wollen beide Gesellschafter auch so. XCMG weiß ganz genau, was sie an uns haben, dort setzt man auf eine werthaltige Entwicklung von Schwing. Deshalb muss man auch nicht befürchten, dass Schwing filetiert und verkauft wird. Im Übrigen kenne ich keinen Fall, bei dem ein chinesischer Käufer ein deutsches Unternehmen zerschlagen hätte.

 
 

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