Schüler wollen Kriegerdenkmal umgestalten

Schülerinnen und Schüler des Geschichtsgrundkurses der Stufen 12 und 13 beim Besuch des Oberbürgermeisters. Sie haben sich Gedanken gemacht über eine zeitgemäße Umgestaltung des Kriegerdenkmals auf dem Friedhof an der Wiescherstraße.
Schülerinnen und Schüler des Geschichtsgrundkurses der Stufen 12 und 13 beim Besuch des Oberbürgermeisters. Sie haben sich Gedanken gemacht über eine zeitgemäße Umgestaltung des Kriegerdenkmals auf dem Friedhof an der Wiescherstraße.
Foto: WAZ FotoPool
Eine Hecke oder eine Platte sollen Distanz schaffen. Oberbürgermeister Schiereck greift die Kritik auf. Die Gedenkfeier wird auf den Waldfriedhof verlegt.

Herne.  „Unseren gefallenen Kameraden“ steht auf dem Steinsockel und auf der anderen Seite vier Zahlen: 1914 - 1918 und 1939 - 1945. Darauf breitet ein Adler seine bronzenen Schwingen aus. Wie auf dem Südfriedhof erinnern um die 15 Denkmäler in Herne und Wanne-Eickel an die Opfer der Weltkriege. Doch wer war Opfer, wer Täter? Man habe an dem Denkmal jahrelang „relativ unreflektiert“ Kränze niedergelegt, räumte gestern Hernes Oberbürgermeister Horst Schiereck gegenüber Oberstufenschülern beim Besuch im Otto-Hahn-Gymnasium ein. Jetzt will die Stadt der Anregung des Grundkurses Geschichte folgen und das Denkmal neu gestalten.

Soldaten werden heroisiert

Die Schülerinnen und Schüler hatten im letzten Jahr im November den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus im Kulturzentrum mitgestaltet. Bei der Vorbereitung war ihnen das Denkmal aufgefallen - entstanden während der NS-Zeit 1933. In der kritischen Auseinandersetzung mit Denkmal samt Adler-Symbolik entschieden die Schüler, so berichteten sie es gestern: „In einem demokratischen Staat kann man das heute nicht ohne Kommentar stehen lassen.“ Soldaten würden als Helden dargestellt, Juden und Andersdenkende vergessen. Deshalb soll das Kriegerdenkmal zum Mahnmal werden.

Zwei Alternativen stellten die Schüler dem Oberbürgermeister gestern vor. Vorschlag 1: Das Denkmal wird mit einer mannshohen Hecke umgeben, in die Schaufenster geschnitten sind - so entsteht Distanz. Tafeln stellen dazu den historischen Kontext dar. Der zweite Vorschlag bezieht das Blumenrondell mit ein. Eine Metallplatte behindert die Sicht auf das Denkmal. Bundesadler und ein Text beschwören Freiheit und Demokratie.

Oberbürgermeister Horst Schiereck zeigte sich beeindruckt von der Kritik der Schüler, die ihn seit dem letzten Jahr auf dem Laufenden gehalten hatten. „Wir werden auch andere Denkmäler prüfen lassen“, sagte er. Zusammen mit dem ehemaligen Stadtarchivar Manfred Hildebrandt, der vor drei Jahren einen Aufsatz über Hernes Denkmäler in der Zeitschrift „Emscherbrücher“ veröffentlicht hat, und Museumsdirektor Oliver Doetzer-Berweger hat Schiereck sich alle Denkmäler angesehen und festgestellt: „Es gibt kein klares Bekenntnis zur Schuld“.

Eine Konsequenz: Die jährliche Gedenkveranstaltung bekommt einen neuen Zusatz, nämlich „für die Opfer von Gewalt und Terror“. Außerdem soll sie vom Wiescher- auf den Wanne-Eickeler Waldfriedhof verlegt werden, „aus Respekt vor Ihrer Recherche“, wie der OB sagte. Lehrerin Ute Schlegel freute sich: „So eine Chance, mit Schülern konkret etwas zu verändern, habe ich noch nicht gehabt.“

 
 

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