Schüler wollen keine Rassisten sein

Martin Tochtrop
NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann (links in grün) mit Zehntklässlern der Gesamtschule Wanne-Eickel.
NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann (links in grün) mit Zehntklässlern der Gesamtschule Wanne-Eickel.
Foto: WAZ FotoPool
Die NRW-Ministerin für Schule und Weiterbildung, Sylvia Löhrmann, besuchte ein Projekt des Netzwerks für Demokratie und Courage an der Gesamtschule Wanne-Eickel.

Herne.  Froschgrüne Jacke, moosgrüne Hose und den passenden Schal dazu: Schul- und Weiterbildungsministerin Sylvia Löhrmann gehört den Grünen an, das ist auch optisch unverkennbar. Gestern stattete die 57-Jährige der Gesamtschule Wanne-Eickel einen dezenten Besuch ab, unauffällig, ohne roten Teppich. Die Ministerin schaute beim Projekttag des „Netzwerks für Demokratie und Courage“ (NDC) rein und ließ sich beeindrucken von einem Projekt, das sowohl von Lehrern als auch von Schülern mit höchstem Lob überschüttet wird.

Schulen ohne Rassismus, davon gibt es mittlerweile Hunderte. Schulen, die sich engagieren gegen die alltägliche Diskriminierung von Mitschülern und Lehrern, die ausländische Wurzeln haben. Zum ersten Mal aber nahm die Gesamtschule Wanne-Eickel an einem Projekttag des NDC teil. „Das ist für die Schule einfach zu organisieren, die Experten kommen von außerhalb, und das Ganze kostet kein Geld“, bilanzierte Lehrerin Mareike Onnebrink (28), deren zehnte Klasse teilnahm.

Die Referenten des Netzwerks NDC engagieren sich ehrenamtlich, wie Dania Lalhe, die während ihres Studiums zweimal monatlich von Köln aus in Schulen zieht, um Schüler für die Gefahr von menschenverachtendem und rechtem Gedankengut zu sensibilisieren. Die Landesregierung fördert das Projekt zwar, die meisten Helfer bekommen aber nur eine Aufwandsentschädigung. Dania Lalhe schaut sich mit Schülern einen Film an, diskutiert darüber, „ohne den erhobenen Zeigefinger“, wie sie sagt. Die Schüler positionierten sich in den Gesprächen fast immer selbst gegen Rassismus und Ausgrenzung.

Deutsch- und Philosophie-Lehrerin Hatice Aksoy meint, dass der Rassismus an der Gesamtschule Wanne-Eickel eher „unterschwellig“ sei, man auch nicht wisse, wie sich die Schüler außerhalb der Schule verhielten. Rund 50 Prozent der Schüler hätten hier ausländische Wurzeln.

Ausgrenzungen gebe es nicht nur zwischen Deutschstämmigen und Migranten, auch zwischen Kurden und Türken werde differenziert, „aber niemals mit Gewalt“, weiß Mareike Onnebrink.

Der tägliche Diskriminierung ist die tägliche Beleidigung von Mitschülern. „Mein Etui ist futsch, das hat bestimmt der Pole geklaut“, nennt Mareike Onnebrink ein Beispiel für die Verletzung von Gefühlen. Ministerin Löhrmann zeigte sich von dem Projekt beeindruckt, schließlich sei sie ja selbst einmal Lehrerin gewesen: „Wenn wir unseren Bildungs- und Erziehungsauftrag ernst nehmen, müssen wir Demokratieerziehung fördern und Schüler mit Courage – systematisch.“