Sanfte Unverschämtheiten eines Menschenfreundes

Foto: Haenisch / Funke Foto Services

Schrille Töne und der wuchtige Auftritt sind seine Sache nicht. Horst Evers kommt ganz entspannt daher, ist dabei hoch konzentriert und sehr komisch. Das Publikum bei Flottmanns fühlt sich mit ihm pudelwohl.

Denn der freundliche Herr im Scheinwerferlicht lässt seinen Gästen im ausverkauften Saal die Luft zum Atmen, er setzt sie keinem strapaziösen Sperrfeuer von Gags aus. Evers hat sich seine Bühnenrolle nach Maß auf den sanft gerundeten Leib geschneidert. Er ist Kumpeltyp und Menschenfreund, Erzähler und Kabarettist, der aus professioneller Sicht bedauert, dass Wirklichkeit und Lebensalltag so schlechte literarische Vorlagen abgeben: Es fehlen die Schlusspointen. Also muss einer wie Evers ‘ran, der auch als Buchautor erfolgreich ist, und in der Erzählung ergänzen, was das Leben schuldig bleibt: Struktur und ein gelungenes Ende. Diese Aufbauarbeit gelingt ihm überzeugend und mit satter Ironie, welche die Unschuld seines treuherzigen Augenaufschlags Lügen straft. Mit diesem Mienenspiel verrät der passionierte Bahnfahrer einen Grund, immer wieder in den Zug zu steigen: „Man kriegt viel mehr Fahrzeit als man bezahlt hat.“ Evers, Jahrgang 1967, hat nieder-sächsische Wurzeln und aktuell einen Wohnsitz in Berlin - beides prägt seine Themenpalette, die im Übrigen mehr vom Menschlichen als vom Politischen lebt.

Mit sanfter Unverschämtheit schlägt er dem ostwestfälischen Bemühen um Urbanität seinen Anspruch um die Ohren: „Wir sind in die Stadt gefahren, waren aber in Osnabrück.“ Ähnlich liebevoll verfährt Evers mit der Bundeshauptstadt, die größenwahnsinnig genug ist für eine Olympia-Bewerbung, aber keinen Flughafen hinbekommt. Evers heuchelt Verständnis, schließlich weiß jeder Bauherr: Pannen passieren. Und der Flughafen kann auch als Museum eröffnen.

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