Rockspektakulum: Episode 26

André Wielebski
Entspannte Festival-Atmosphäre: Mit Decken, Getränken und Plastikkeulen bewaffnet genossen die jungen Besucher den zweitägigen Musiktreff.
Entspannte Festival-Atmosphäre: Mit Decken, Getränken und Plastikkeulen bewaffnet genossen die jungen Besucher den zweitägigen Musiktreff.
Foto: Winfried Labus / FotoPool
Gerade feierte die Truppe das Vierteljahrhundert, nun stand schon der nächste kleine Geburtstag an: Bereits zum 26. Mal fand Freitag und Samstag das „Rockspektakulum“ auf dem Stennert unter der Obhut des Musikertreffs Stennert e.V. statt.

Herne.  Petrus hat anscheinend Lust auf Rockmusik. Anders sind die traumhaft sommerlichen Temperaturen nicht zu erklären. Menschen breiten ihre Decken auf dem Rasen vor der Bühne aus, und die Getränkeflaschen zirkulieren im Kreis. Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, präsentieren 17 Rockbands, die größtenteils aus Herne stammen, ihre Lieder. Neben der Hauptbühne befindet sich abseits eine kleine, gemütliche Ecke, genannt „Muschel“, bei der Künstler mit wenig technischen Aufwand die Zuschauer in den Pausen vergnügen. Musikalische Kleinode werden hier vorgestellt, die im Rahmen eines überschaubaren Publikums sehr gut funktionieren. Musikalischer Stillstand herrscht auf dem Stennert nie.

Die Herne/Essen-Combo „Why Amnesia?“ präsentiert auf der Bühne ihr Programm. Es sind Musiker getreu ihres Mottos: Let the good times rock! So ist es auch - die Truppe spielt melodischen Rock, der gut zum Sommerwetter passt. Hier mal ein Song aus ihrem Album, dort ein Adele-Cover. Die Musik führt immer wieder zu Applaus, auch wenn die Menschen nicht begeistert von ihren Decken hüpfen. Das geschieht hingegen bei der nächsten Band.

Schrei, wenn du kannst

Exit Link wird von der Band „Der Gorilla vonne Kirmes“, die den inoffiziellen Preis für den besten Namen problemlos mit nach Hause nehmen würde, auf unkonventionelle Weise angekündigt. „Irgendwo eine Moshpit Polonaise“ soll entstehen. Also ein Kreis, in dem die Rocker wild springen und tanzen können. Die älteren Herrschaften schauen verdutzt in die Menge. Als der erste Schrei des Sängers durch den Stennert schallt, hüpfen die Leute von ihren Decken. Entweder bewegen sie sich in Richtung Ausgang, oder das nächste Ziel ist der Moshpit vor der Bühne - eine Reaktion auf die Musik folgt in jedem Fall. Die vierköpfige Truppe spielt Metalcore - harter Rock, der zwischen Schreien und Gesang abwechselt. Nachdem die Überraschung über den deftigen Anfang abgeklungen ist, merken die Zuschauer, dass die Jungs gute Musik machen. Melodische, harte und ehrliche Rockmusik begeistern das Publikum - zurecht.

Das heiße Wetter mit Temperaturen über 30 Grad stört die Besucher wie Dominik Bak und Petra Werniecke nicht. „Wir sitzen ja im Schatten“, antwortet Festivalfan Petra Werniecke keck. Sie stimmen nicht nur beim Thema Sonne überein: Ihnen gefällt das Festival wie immer sehr gut. „Seit vier Stunden“, berichtet Werniecke, „sind wir schon hier“. Das kann der Herr überbieten: „Wir quasi seit gestern!“, sagt er mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Das Festival ist gut besucht mit hunderten von Besuchern und bunt gemischt. Hier der Punker, dort das Rentnerpärchen. Alle genießen ein rundum gelungenes Sommerfest mit guter Musik in angenehmer Atmosphäre.