Reden hilft beim Leben mit der Krankheit

130 000 Menschen müssen in Deutschland mit einem künstlichen Darmausgang zu leben lernen.
130 000 Menschen müssen in Deutschland mit einem künstlichen Darmausgang zu leben lernen.
Foto: WR
In der Selbsthilfegruppe für Menschen mit künstlichem Darmausgangkann offen über Alltagsprobleme gesprochen werden

Herne.  Der künstliche Darmausgang ist immer noch ein Tabuthema. Etwa 130 000 Betroffene müssen in Deutschland damit leben und lernen im Alltag zurechtzukommen. Doch sind sie nicht allein. Seit 1993 gibt es auch in Herne eine Selbsthilfegruppe für Stoma-Patienten.

Der Raum im Ferdinand-Dienst-Haus ist hell erleuchtet. An mehreren Tischen sitzen Frauen und Männer bei Kaffee und Kuchen und plaudern miteinander. Eins eint diese Menschen: Sie haben alle einen künstlichen Darmausgang, auch Stoma genannt.

Idee kam durch einen Zufall

Mechthild Lepper war 1993 Mitbegründerin der Selbsthilfegruppe. „Es gab damals nur eine Gruppe für Krebspatienten, als Stoma-Patientin war ich die Exotin unter 60 Frauen.“ Die Hernerin sagte, sie habe mit den vielen Vorträgen über verschiedene Krebskrankheiten nichts anfangen können. Durch einen Zufall kam sie auf die Idee, eine eigene Gruppe zu gründen. „Ich erfuhr, dass die Moritz-Apotheke eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Stoma einrichten möchte.“

Sie setzte sich mit den Betreibern der Apotheke in Wanne-Eickel in Verbindung. „Die Apothekerfamilie beschäftigte sich schon länger mit dem Thema Stoma und bot uns dort einen Sozialraum an, den wir kostenfrei nutzen konnten.“ Das war die Geburtsstunde der Herner Stoma-Selbsthilfe. 15 Jahre lang trafen sich dort regelmäßig etwa 30 Menschen mit künstlichem Darmausgang und tauschten sich aus. „Dann wurde uns ein Raum im Ferdinand Dienst-Haus angeboten“, erzählt Lepper. „Der erwies sich als praktisch, weil wir ihn ohne Treppen steigen zu müssen, erreichen können.“

Die Treffen der Selbsthilfegruppe in Herne werden genutzt, um den Betroffenen Tipps für den Alltag zu geben. „Die Krankheit ist hier ein Thema, das ist ja logisch“, sagt Gruppensprecherin Doris Owicki, die nach ihrer Darm-OP 1997 zur Selbsthilfegruppe stieß. „Wir machen aber auch Ausflüge oder gehen zusammen in ein Restaurant.“ Ab und zu werden auch Ärzte eingeladen, die Vorträge zu bestimmten medizinischen Themen halten. „Es muss nicht unbedingt um den künstlichen Darmausgang gehen, wir wollen uns hier umfassend medizinisch informieren lassen“, sagt Mechthild Lepper.

Das wichtigste Ziel der Selbsthilfegruppe sei aber, dass Betroffene ihre Scheu verlieren, über ihr Schicksal offen zu reden. „Vor allem Männer haben Probleme damit, das Thema Stoma anzusprechen.“ Diese Angst wolle man den Mitgliedern der Selbsthilfegruppe nehmen, so Lepper. Und das sei unter Gleichgesinnten eben viel leichter.

 
 

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