Postcrossing als ausgefallene Freizeitbeschäftigung in Herne

Die meisten Karten, die Svenja Fietz durchs Postcrossing erhält, bewahrt sie in einer großen Kiste auf. Mehr als 1000 Exemplare schickten ihr Postcrosser aus der ganzen Welt zu.
Die meisten Karten, die Svenja Fietz durchs Postcrossing erhält, bewahrt sie in einer großen Kiste auf. Mehr als 1000 Exemplare schickten ihr Postcrosser aus der ganzen Welt zu.
Foto: WAZ FotoPool
Svenja Fietz’ große Leidenschaft ist das Schreiben und Sammeln von Postkarten. Als sogenannte Postcrosserin verschickt sie seit zweieinhalb Jahren die handgeschriebenen Kurznachrichten nach einem Zufallsprinzip an fremde Menschen – und erhält Grüße aus aller Welt zurück.

Herne. In einer Kiste sammelt sie ihre Schätze: Die Postkarten stammen aus Neuseeland, dem karibischen Inselstaat Trinidad und Tobago, den USA, Finnland und vielen Ländern mehr. Man könnte meinen, Svenja Fietz (31) aus Herne hat sehr reisefreudige Freunde und Familienmitglieder. Die erste Ferienhälfte ist schließlich rum – und Postkarten, sofern nicht durch SMS ersetzt, haben Hochsaison. Doch die mehr als 1000 Exemplare in Fietz’ Karton haben ihr nicht Freunde geschickt, sondern Fremde.

Fietz ist Postcrosserin. Vor etwa zweieinhalb Jahren wurde sie auf das Internetportal www.postcrossing.com aufmerksam und meldete sich an. „Ich hab das auf dem Facebookprofil einer Bekannten aus den USA gesehen“, erinnert sie sich. „Da ich schon immer Postkarten gesammelt habe, musste ich einfach mitmachen.“

Postkarten in alle und aus aller Welt

Die erste Karte schickte sie nach China. Seither versendet sie unter dem Namen „Dragomira“ regelmäßig Postkarten um den Erdball – und erhält nach einem Zufallsprinzip Karten aus aller Welt zurück. 1032 Karten lagen schon in ihrem Briefkasten, 1068 hat sie geschrieben. Den weitesten Weg – 18.585 Kilometer – legte eine Karte nach Neuseeland zurück. Eine andere hätte Fietz persönlich einwerfen können: In nur sechs Kilometer Entfernung wohnte der Empfänger. All das verrät ihr Nutzerprofil.

Das Postcrossing-Prinzip ist einfach: Jede Karte, die Fietz verschickt, versieht sie mit einem Code. Gibt der Empfänger den Code auf der Postcrossing-Homepage ein, wird Fietz’ Adresse einem anderen registrierten Postcrosser zugeteilt.

Anfangs war es die Sammelleidenschaft, die die Faszination am Postcrossing ausmacht. „Heute ist es eher der Spaß am Schreiben“, sagt Fietz. „Es ist schön, das Handgeschriebene zu zelebrieren.“ Zudem könne sie ihre Englischkenntnisse ganz nebenbei vertiefen.

Spannender Blick in den Briefkasten

Ein Blick in den Briefkasten ist für die Postcrosserin immer spannend. Ansichtskarten sind dabei, Selbstgebasteltes, Fotografien und Zeichnungen. Die Rückseiten sind mal mit winzigen Buchstaben beschrieben, mal steht gedruckt nur ein knapper Gruß darauf. „Ich finde es schön, wenn man etwas über den Verfasser erfährt. Nicht das Motiv ist mir wichtig, sondern die Geschichte dahinter“, sagt sie.

So habe ihr ein Postcrosser erzählt, in seinem Wohnort sehe er häufig den Autor Stephen King und seine Frau beim Joggen. Ein anderes Mal habe sich herausgestellt, dass der Bruder einer Postcrosserin in einer Humppa-Band spielt, die Fietz gern mag. „Eine Finnin hat mir geschrieben, dass Herne auf finnisch Erbse bedeutet“, schmunzelt Fietz.

 
 

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