Poesie trifft Jazz in den Herner Flottmann-Hallen

Özge Cakirbey (vorne links) und Theresa Sperling - alias Chucky mit The - trugen beim Jazz Slam Texte über starke Frauen vor.
Özge Cakirbey (vorne links) und Theresa Sperling - alias Chucky mit The - trugen beim Jazz Slam Texte über starke Frauen vor.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Neues Format: Beim Jazz Slam in den Flottmann-Hallen haben sich Dichter duelliert - begleitet von der Improvisation einer Band.

Herne..  Poetry Slams, die moderne Form des Dichterwettstreits, finden regelmäßig statt. Die Regeln: Junge Lyriker tragen ihre selbst geschriebenen Texte vor, ohne Requisiten und mit Zeitlimit. Das Publikum entscheidet, welcher Text der beste war.

Auch die Flottmann-Hallen laden regelmäßig zu Poetry Slams ein, am Samstag zu einem innovativen Format, dem Jazz Slam. Die Regeln blieben gleich. Einzige Änderung: Vor dem Vortrag galt es, eine Jazzband zu instruieren, die entsprechend der gesprochenen Worte Melodien am Saxophon, Schlagzeug, Gitarre und Bass improvisierte. Die Duellanten: Björn Gögge, Rainer Holl und das Damen-Duo Chucky mit The.

Vor langsamer Hintergrundmusik der Band „Merde Carrera“ spricht Gögge einen Text über Bolzplatzlegenden und vergangene Freundschaften. Rainer Holl beschreibt den Musikern, sie sollen so etwas wie „betrunkene Hoffnung bei Sonnenaufgang“ spielen. Er dichtet, begleitet von entsprechender Musik, in „Wir haben nichts und wir haben alles“ über den Sinn und Unsinn des Lebens in der modernen Gesellschaft und davon, auf Bierdosen in den Sonnenuntergang zu reiten. Das Publikum zollt ihm – wie allen anderen – dafür Applaus, bevor es Chucky mit The lauscht.

Özge Cakirbey und Theresa Sperling beraten sich im Stillen mit der Band und tragen mit „Der Strich – Mutter du Tochter“ schließlich synchron und in Soli einen feministisch-wütenden bis lieblich-amüsanten und hoffnungsvollen Text über auferlegte Schönheitsideale vor. Moderator Jason Bartsch fasst die erste Runde des Wettstreits singend zusammen, bevor die Lyriker das Publikum auch in der Rückrunde mit ihren Texten zu improvisierter Musik begeistern. Chucky mit The trägt erneut einen Text über starke Frauen, „Kriegerinnen“, vor. Rainer Holl erzählt, untermalt von einem traurigen Blues, doch höchst amüsant, eine Geschichte über einen Jungen, seine Eltern und Pornos. Björn Gögge dichtet über Papierflieger, ein Sinnbild für Konformität und Individualismus: „Fliegen und fliegen lernen, denn jeder Papierflieger braucht am Ende doch den selben Wind.“ Das Publikum kürt Rainer Holl und Björn Gögge zu den Siegern des Herner Jazz Slams – und ist begeistert vom neuen Format.

 
 

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