Pläne für die Revierparks stoßen in Herne auf Ablehnung

Der Goldesel steht bereits im Gysenberg-Park. Rote Zahlen schreibt der Revierpark trotzdem.
Der Goldesel steht bereits im Gysenberg-Park. Rote Zahlen schreibt der Revierpark trotzdem.
Foto: Ralph Bodemer
Der Regionalverband Ruhr (RVR) erntete am Dienstag im Hauptausschuss für die Pläne zur Verschmelzung der Revierparks breite Ablehnung.

Herne..  Mit der Verschmelzung des Revierparks Gysenberg mit vier weiteren Revierparks will der Regionalverband Ruhr (RVR) den „Sinkflug“ der Freizeitgesellschaften stoppen (wir berichteten). In einer Sitzung des um Sport- und Finanzausschuss erweiterten Hauptausschusses warb RVR-Chefin Karola Geiß-Netthöfel am Dienstag im Herner Rathaus um Zustimmung für dieses Modell und stellte es praktisch als alternativlos dar. Das sah eine ganz große Koalition im Ausschuss allerdings anders.

Mit Ausnahme von Grünen-Ratsfrau Sabine von der Beck meldeten Redner aller Parteien – inklusive Grünen-Fraktions-Chef Thomas Reinke – starke Vorbehalte gegen die RVR-Pläne an.

„Die Zukunft der Revierparks ist nicht gesichert, weil wir nicht unendlich die Zuschüsse erhöhen können“, hatte Karola Geiß-Netthöfel zuvor betont. Die Einschätzung von SPD-Fraktions-Chef Udo Sobieski und anderen Ausschussmitgliedern, dass der Revierpark Gysenberg noch „relativ gut“ da stehe, ließ die RVR-Chefin nicht gelten. Herne sei ebenfalls von der dramatischen Entwicklung betroffen. Bei der Besucherbilanz sei Gysenberg aktuell sogar spitze - in negativer Hinsicht.

Von Ausschussmitgliedern geäußerte Zweifel konterte die RVR-Direktorin mit Zahlen: Von Januar bis Oktober 2015 habe es in Herne einen Besucherrückgang von 9,5 Prozent gegeben. Der Zuschussbedarf in dem jeweils zur Hälfte von der Stadt und dem RVR getragenen Revierpark Gysenberg liege pro Jahr bei rund einer Million Euro. 2014 habe man ein Minus von 613 000 Euro zusätzlich decken müssen, 2015 liege diese Summe bei 350 000 Euro. Im Falle einer Verschmelzung könne man durch Synergieeffekte jährlich in allen Parks insgesamt 810 000 Euro einsparen. Und: Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben, so die RVR-Ansage. 20 Prozent aller Arbeitsplätze müssten jedoch nach Essen verlagert werden.

Wie geht es weiter? Am 11. Dezember soll das Ruhr-Parlament ein Votum über das Verschmelzungsmodell abgeben. Im ersten Quartal 2016 sollen sich die Räte der beteiligten Städte erklären. Gemessen an der gestrigen Diskussion kann dies nur auf eine Ablehnung des RVR-Modells hinauslaufen. Die Frage aus der Politik, was es für das gesamte Verschmelzungsmodell bedeute, wenn Herne oder eine andere beteiligte Kommune ausschere, ließ der RVR unbeantwortet. Die Forderung nach einem Alleingang, sprich: einer kompletten Übernahme des Revierparks durch die Stadt - wie in Dortmund geschehen - wurde am Dienstag im Hauptausschuss (noch) nicht laut.

„Plattitüden und Luftnummern“

Erhebliche Zweifel bis strikte Ablehnung - so fielen die Reaktionen im Hauptausschuss aus. Von einem „funktional gut aufgestellten“ Revierpark Gysenberg sprach Udo Sobieski (SPD). Es sei schwer nachvollziehbar, dass die „Revitalisierung“ künftig von einem zentralen Geschäftsführer in Essen - ein solcher soll eingestellt werden - besser gesteuert werden könne. Auch Thomas Reinke (Grüne) hielt eine „zentrale Strategie“ für sehr problematisch.

Andreas Ixert (Linke) bezeichnete die Pläne gar als „Plattitüden und Luftnummern“. Er und andere Ausschussmitglieder vermissten inhaltliche Konzepte und Ideen zur Stärkung der Revierparks. Die wolle man gemeinsam mit dem neuen Geschäftsführer entwickeln, so die RVR-Chefin. Ein weiterer Vorbehalt: Herne verliere durch das neue Modell an Einfluss.

Ratsfrau Sabine von der Beck, die auch Fraktions-Chefin der Grünen im Ruhr-Parlament ist, warb dagegen für die RVR-Pläne. Sie empfahl, „genau hinzuschauen“. So profitiere der Revierpark zurzeit noch von der Schließung des Wananas. Das werde sich schon bald anders darstellen.

 

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