Pianist Martin Stadtfeld ist in Wanne heimisch geworden

Konzertpianist Martin Stadtfeld fühlt sich „mitten“ in Wanne ausgesprochen wohl. Das Ruhrgebiet als Wohnort ist für ihn auch in Zukunft „gesetzt“.
Konzertpianist Martin Stadtfeld fühlt sich „mitten“ in Wanne ausgesprochen wohl. Das Ruhrgebiet als Wohnort ist für ihn auch in Zukunft „gesetzt“.
Foto: WAZ FotoPool
Konzertpianist Martin Stadtfeld stammt eigentlich aus dem Westerwald und er gastiert in den großen Konzerthäusern rund um den Globus. Doch seit sechs Jahren ist Stadtfeld heimisch in Wanne. Dort fühlt er sich ausgesprochen wohl. Die Identifikation mit dem Ruhrgebiet ist bei ihm weit fortgeschritten.

Wanne.. „Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl.“ Es war einer der berühmtesten Ruhrgebiets-Menschen, der dieses Sprichwort prägte: Herbert Grönemeyer. Und es passt wohl zu kaum einem Ruhrgebiets-Einwohner besser als zu: Martin Stadtfeld.

Eigentlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass der 34-Jährige ausgerechnet mitten in Wanne wohnt - irgendwo zwischen Flora Marzina und St. Anna-Hospital -, reichlich gering. Geboren in Koblenz und aufgewachsen im Westerwald, muss das Ruhrgebiet nicht nur räumlich und gedanklich zunächst weit weg erscheinen. Hinzu kommt Stadtfelds Profession: Er gehört zu den renommiertesten Konzertpianisten - weltweit. Er hat für seine Bach-Interpretationen eine Reihe von Preisen erhalten, er spielt zusammen mit dem Leipziger Gewandhausorchester, der Dresdner Staatskapelle, er gastiert in Wien, Tokio, Amsterdam, Peking. Und dann lautet der Wohnort Wanne-Mitte? Ja - und Stadtfeld ist stolz darauf. Wanne ist für ihn zur Heimat geworden.

Selbstverständlich gibt es einen Grund, warum er nach Wanne-Eickel gezogen ist: Stadtfelds Schwiegervater stammt aus der Stadt. Seit 2008 wohnt Stadtfeld mit Ehefrau und Sohn „mittendrin“. Er schätzt die wunderbare Hausgemeinschaft im Mehrfamilienhaus, das lockere Schwätzchen im Hausflur.

Es ist nämlich keineswegs so, dass der Pianist Wanne nur als Basis für seine zahlreichen Reisen im In- und Ausland nutzt. Gerade nach der Geburt des Sohnes versucht er, etwa zwei Drittel des Jahres zu Hause zu verbringen. „Bei einer langen Asientour, bei der ich allein unterwegs bin, bekomme ich so viele Dinge bei meinem Sohn nicht mit“, sagt Stadtfeld. Deshalb ist der Fixpunkt Wanne - und Konzerte in Dortmund oder Essen für ihn echte Heimspiele.

Die Stadt kennt er inzwischen sehr gut. „Ich will doch wissen, wo und wie ich lebe. Das interessiert mich“, betont Stadtfeld. 2010 gab er für die Schüler der Königin-Luisen-Schule ein „Exklusivkonzert“, um ihnen klassische Musik näherzubringen. Heute mache es ihm sehr großen Spaß, mit seinem eineinhalbjährigen Sohn spazieren zu gehen und das Umfeld zu entdecken. So haben sich die beiden im Sommer den Aufbau der Cranger Kirmes angeschaut. In den nächsten Jahren dürfte der Rundgang über den Rummel Pflicht sein. Auch die eher grauen Seiten sind Stadtfeld keineswegs verborgen geblieben. „Es ist schade, dass die Hauptstraße so einen Niedergang erlebt hat“, schildert Stadtfeld seine Beobachtungen, um anzufügen: „Es ist zwar nicht alles schön hier, aber es hat alles seine Geschichte.“

Gedanken an einen anderen Wohnort verschwendet er nicht, das Gegenteil ist der Fall. „Meine Frau möchte langfristig hier leben. Da stehe ich voll hinter.“ Und sollte es irgendwann nicht mehr Wanne sein, so sei das Ruhrgebiet „gesetzt“. Stadtfeld sagt selbst: „Die Identifikation mit dem Ruhrgebiet ist ziemlich weit fortgeschritten.“

 
 

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