Pfeilschnell im Renngespann

Jimena Salloch
Begeisterter Motorradrennfahrer: Harry Barbutzki in seinem Renngespann.
Begeisterter Motorradrennfahrer: Harry Barbutzki in seinem Renngespann.
Foto: WAZ FotoPool
Seit Jahrzehnten fährt Harry Barbutzki aus Eickel erfolgreich in der Seitenwagenklasse, der Sidecar-Trophy, mit. Auch mit 63 Jahren dreht er bei nationalen und internationalen Wettkämpfen noch seine Runden. Der gelernte Schweißer hat selbst bei Tempo 280 keine Angst.

Herne.  Muffensausen ist diesem Mann fremd. „Wenn ich das hätte, dann könnte ich nicht fahren“, sagt Harry Barbutzki, Rennfahrer aus Leidenschaft. Angst kennt der 63-Jährige offensichtlich nicht – auch nicht bei 280 km/h auf der Rennstrecke. Noch immer dreht Harry Barbutzki erfolgreich seine Runden, bei nationalen wie internationalen Wettkämpfen. Und das in einer Motorsportart, wie sie skurriler und rasanter kaum sein könnte: Als Fahrer in der Seitenwagenklasse, der Sidecar-Trophy.

Die Pokale, sie stehen in den Schränken, daheim im hübschen Zechenhaus in Eickel. Fein säuberlich poliert und Zeitzeugen zahlreicher Siege, eingefahren in Deutschland, England, Frankreich oder Belgien. Viel kam der gebürtige Bochumer rum in den letzten 47 Jahren. Noch immer fährt er gemeinsam mit seinem Kollegen Alois Gornik ganz vorne mit. Nur allzu gerne erinnert er sich noch an die 1960er-Jahre. Die Zeiten seines ersten Motorrades, eine „Norton Commando 850“, für die er lange sparte. Eine Liebe, die bis heute hält.

Auf der B1 Vollgas mit den Jungs nach Dortmund

Noch immer steht sie in seiner Garage. „Damals konnte man noch mit den Jungs auf der B1 Vollgas bis nach Dortmund fahren.“ Wer zuerst da war, hatte das Rennen gewonnen. Doch so spannend das war, es langte dem gelernten Schweißer als Zeitvertreib nicht aus. Die Leidenschaft zu motorisierten Zweirädern und zur Geschwindigkeit wuchs. Sein damaliger Freund Georg Buchner schlug ihm vor: „Fahr´ doch mal mit einem Renngespann.“

Also ging es ab zum Nürburgring. „Ich hatte noch nie in einem solchen Motorrad gesessen und schaffte es trotzdem direkt auf die Pole Position“, erinnert er sich an sein erstes Profi-Rennen im Jahr 1970. Leider versagte das Fahrzeug in der 21. von insgesamt zweiundzwanzig Runden. Im Nachhinein sollte das für Harry Barbutzki mehr Glück als Pech sein.

Fleißig sparte er weiter. Drei Jahre später dann kaufte er ein BMW-Renngespann, mit dem er seine größten Erfolge erzielte. Aber auch dieses Fahrzeug wurde ihm mit der Zeit zu langsam und er begann, seine eigene Konstruktion zu entwickeln. Was entstand, ist gewissermaßen Geschichte.

Zur Jahrtausende juckte es wieder in den Fingern

Ein Renngespann mit einem Außenbordmotor und 120 Pferdestärken. Mit seiner Marke Eigenbau fuhr er schneller als alle Konkurrenten. Heute ist das König-Gespann im „Classic-Race Museum“ am Nürburgring zu bewundern. Schweren Herzens verkaufte er es ans Museum, als 1983 seine erste Tochter zur Welt kam. Zu gefährlich wurde ihm der Sport. Er begann, am Eigenheim zu werkeln. Doch einmal Rennfahrer – immer Rennfahrer.

Und so juckte es ihn zur Jahrtausendwende erneut in den Fingern wie Füßen. „Ich konnte ja nicht nur daheim bleiben und Blumen pflanzen.“ Nein, ein Mann wie Harry Barbutzki kann das nicht. Genau deshalb wollte er den Wagen vom Museum am Nürburgring zurückkaufen. „15 000 Mark habe ich damals bekommen, 35 000 Euro hätte ich nun zahlen müssen.“ Geld, das er nicht mal eben locker übrig hatte. Schließlich lassen sich in dieser Rennsportart keine Reichtümer verdienen.

Vor vier Jahren neues Seitengespann zugelegt

Also kam zunächst ein zweites Motorrad dazu, eine „Norton Manx“. Mit ihr fährt er bis heute Oldtimer-Rennen. „Ich muss noch viel nachholen“, sagt er und lacht. Aber er meint es ernst. Genau deshalb hat sich der heutige Rentner vor vier Jahren erneut ein Renngespann geholt. „Ich brauchte eine neue Herausforderung.“ Natürlich kam auch ein Seitenwagen wieder in die Garage.

Seine Frau Barbara begleitet ihn bei all seinen Wettkämpfen. Gemeinsam fahren sie mit dem Wohnmobil quer durch Deutschland. „Ich bin immer wieder stolz auf ihn, wenn er oben auf dem Treppchen steht und die deutsche Nationalhymne gespielt wird“, sagt sie. Ans Aufhören denkt dieser Mann noch lange nicht. Warum auch...?