Peter Zontkowski sendet zum 25. Mal „Time Out“ im Bürgerfunk

Autor und Moderator Peter Zontkowski und Tontechnikerin Elke Laufer in der Radiowerkstatt im Wanner VHS-Haus.
Autor und Moderator Peter Zontkowski und Tontechnikerin Elke Laufer in der Radiowerkstatt im Wanner VHS-Haus.
Foto: FUNKE Foto Services
An jedem dritten Sonntag im Monat sind seine Betrachtungen mit Musik auf UKW 90,8 zu hören. Der Eickeler ist Radiofan seit Kindertagen.

Herne..  An jedem dritten Sonntagabend im Monat nimmt Peter Zontkowski seine Hörer an die Hand. 54 Minuten hat der Bürgerfunker dann Zeit, mit ihnen umher zu streifen, bevor der „Tatort“ die Republik vor den Fernseher ruft. Durch den düsteren November oder die Kirmesgassen, vorbei am leeren Hertie-Haus oder an der Wanner Trinkerszene. Ein bisschen Heimat kommt immer vor, das muss so sein im Bürgerfunk. Der Rest ist Musik und da ist Zontkowski erst recht zu Hause. „Musik und Plauderei“ hat er mal seine Kombination genannt. Unter dem Titel „Time Out“ läuft sie am Sonntag das 25. Mal auf UKW 90,8.

Es ist eine Mixtur, wie sie der 61-Jährige zu Zeiten der großen Radio-Moderatoren John Peel und Alan Bangs beim englischen Army-Sender BFBS lieben gelernt hat: „Da habe ich oft nachts vor dem Radio gesessen, mit dem Recorder.“ Ein Sender, der ihn geprägt hat. Heute hört er WDR 5, mal auch WDR 4, „wenn mir nach alten Schlagern ist“.

Wie viele Zuhörer er selbst hat und wer sie sind, weiß Zontkowski nicht. „Ich stell’ mir immer vor, der Taxifahrer, der da unten steht und wartet, ist einer.“ Und ein paar Leute, „die ihren Musikhorizont erweitern wollen“, vermutet der Musikfreund, der einst im Bochumer „Appel“ aufgelegt hat. Mainstream ist nicht seine Sache, aber wenn es passt, spielt er die Beatles genauso wie die „La Paloma“-Version des Jazz-Klarinettisten Artie Shaw. Seine Musik „fängt in den 50er Jahren an und hört im vorletzten Jahr auf“, sagt er. „Das ist keine reine Oldie-Sendung“.

Welche Stücke der Moderator auswählt, hängt davon ab, was er zu sagen hat. Zum Beispiel über die Gesundheitswoche, die ihn zur 25. Sendung inspiriert hat. „Dann gehe ich am Regal entlang und guck’, was passt.“ Dort stehen geschätzte 700 bis 800 CDs. Titel wie „Fool for a Cigarette“ von Ry Cooder oder „Black Coffee in Bed“ von Squeeze hat er dabei wiederentdeckt und Songs über „Übergewicht, Alkohol Kräutertees und Bluthochdruck“.

Jede Sendung hat ein Thema. Oft schlägt er mit Alltagsbetrachtungen die Brücke zwischen den Stücken, auch die Jahreszeiten regen den früheren Baumkontrolleur immer wieder zu Gedanken an. Mit feiner Ironie kommentierte er sogar die Wahl des neuen Oberbürgermeisters: „The day you came over the Hill“.

Seit 2014 ist Peter Zontkowski Rentner. Ein Begriff der nicht recht passen will zu einem, der nicht nur Radio macht, sondern auch schreibt - gerade erst wieder hat er einen Text zum Literaturwettbewerb Ruhr eingereicht - und der regelmäßig auf der offenen Bühne der Flottmann-Kneipe Gitarre spielt und singt. Musik und Wort verbinden sich auch am 2. Mai in der Akademie Mont-Cenis, wo Peter Zontkowski seine Radiosendung mit anderen Mitteln fortsetzt. Titel: „Ein bisschen Blues ist immer“.

Hohe Hürden für Bürgerfunker

Die Bürgerfunksendungen werden seit 1991 in der Radiowerkstatt der Volkshochschule im Haus am Grünen Ring produziert und auf der Frequenz von Radio Herne ausgestrahlt. Nach einem Boom in den 90er Jahren brach Anfang des neuen Jahrtausends der Bürgerfunk weg, sagt Ulf Rommelfanger. Er ist einer der zwei von der Landesanstalt für Medien zertifizierten Medientrainer der VHS, Elke Laufer ist seine Kollegin. „In unseren besten Zeiten haben wir 13 bis 15 Sendungen im Monat produziert“, erinnert sich Rommelfanger. Dann änderten sich die Rahmenbedingungen mit dem Regierungswechsel in NRW und landesweit standen die Bürgerfunker vor hohen Hürden: Sie mussten nun ein Zertifikat erwerben.

Dazu bedarf es einer Gruppe von mindestens sechs Teilnehmern, die einen Kurs von drei Mal acht Stunden besuchen, in dem u.a. das Medienrecht eine Rolle spielt, aber auch die Technik und andere Themen. Ein Angebot, das nicht wahrgenommen wurde. Außerdem verschob sich die Sendezeit. „Früher begannen die Sendungen um 18 oder 19 Uhr“, sagt Rommelfanger. „Heute an Wochentagen um 21 Uhr und sonn- und feiertags um 19 Uhr.“ Das führte dazu, dass die Zahl der in der VHS-Radiowerkstatt entstandenen Bürgerfunksendungen drastisch abgenommen. Neben „Time Out“ werden dort nur noch die satirische Sendung „Panoptikum“ und „Yesterday’s Heroes“ aufgenommen.

 

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