Obdachloser campiert in Iglu-Zelt an Herner Autobahnauffahrt

Tagsüber im Zelt, nachts in der Stadt, bald geht es weiter nach Holland: Ein Mann campiert derzeit an einer Herner Autobahnauffahrt.
Tagsüber im Zelt, nachts in der Stadt, bald geht es weiter nach Holland: Ein Mann campiert derzeit an einer Herner Autobahnauffahrt.
Foto: Ralph Bodemer
Seit Jahren campiert ein Obdachloser immer wieder in Herne. Momentan steht sein Zelt an einer Autobahnauffahrt. Polizei und Ordnungsamt dulden das.

Herne.. Ein kleines grünes Iglu-Zelt steht auf einem zurzeit noch nicht belaubten Grünstreifen an einer Autobahnauffahrt. Es ist kalt und trotz Lärmschutzwand, die die Autobahn vom Gebüsch neben der Auffahrt abgrenzt, sehr laut. Vor dem in die Jahre gekommenen Zelt, etwas verborgen im Geäst der Büsche, die dort relativ wild wuchern, stehen drei bunte Einkaufstüten, aus festem Material, bedruckt mit bunten Frühlingsblumen; daneben eine leere Flasche billiges Bier.

Verschlafen und leicht benebelt streckt ein vielleicht 40-Jähriger den Kopf aus seiner Behausung. Lange Haare, Bart, kaum noch Zähne. Das sprechen fällt ihm schwer. Im Zelt lebt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, tagsüber. „Nachts kommen Ratten,“ sagt er – wohl angezogen vom Müll, den die Autofahrer fortwerfen. Dann geht Karl C. in die Stadt, sucht sich einen warmen, geschützteren Platz. Wenn es wärmer wird, möchte er nach Holland gehen, im Oktober kehrt er dann nach Herne zurück. Dieses Leben führt der Wohnungslose seit mehr als zehn Jahren. Früher sei er Spezialist für Kabelbau gewesen. Nach einer Vorstrafe wegen Körperverletzung fand er keine Arbeit mehr. In Herne halte er sich immer wieder auf, weil er hier aufgewachsen sei. Seine Brüder lebten in der Stadt und seine Mutter sei hier beerdigt. Außerdem bekomme er in Herne Geld „vom Sozialamt“.

Keine nennenswerten Probleme mit Obdachlosigkeit

Obdachlose haben nach Auskunft der Stadt Herne Anspruch auf den Regelsatz nach SGB 2(Erwerbsfähig) oder 12 (nicht mehr erwerbsfähig) – das sind jeweils 399 Euro. Der Sozialdienst katholischer Männer gibt das Geld meist in Tagessätzen aus, damit die Bedürftigen nicht von Stadt zu Stadt ziehen und sich neues Geld holen.

Der Mann, der gerade an der Auffahrt campiert, ist der Polizei seit Jahren bekannt. Er verhalte sich ruhig, tauche hier und da mit seinem Zelt auf, werde an den meisten Standorten geduldet. „Normalerweise ist das Zelten draußen verboten“, erklärt Polizeisprecher Volker Schütte. Um die Einhaltung solcher Regeln kümmere sich das Ordnungsamt. Ähnlich verhalte es sich mit Privatgeländen oder dem Zuständigkeitsbereich von Straßen NRW. Bis die Polizei dort einschreite, müsse eine Anzeige vorliegen.

Grundsätzlich gebe es in Herne aber keine nennenswerten Probleme mit Obdachlosigkeit, sagt Stadtsprecher Philipp Stark, Zahlen könne er nicht nennen. Die Stadt betreibt an der Buschkampstraße eine Notunterkunft. Dort können Wohnungslose übernachten und erhalten Beratung. Die Hauptaufgabe der Einrichtung sei es, Obdachlosigkeit zu vermeiden. Die Anlaufstelle bietet bei maximaler Belegung Platz für rund 200 Personen. „Derzeit sind dort rund 40 Menschen untergebracht“, so Stark. Die Einrichtung gehört zum Herner Netzwerk für wohnungslose und chronisch abhängigkeitskranke Menschen.

 
 

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