Nostalgie-Gefühle auf der Schiene

Welche ist schöner?  Andreas Halwer und Nils Gerhold vor Ihren alten und neuen Strassenbahnen.
Welche ist schöner? Andreas Halwer und Nils Gerhold vor Ihren alten und neuen Strassenbahnen.
Foto: MARTIN KERSTAN FOTOGRAFIE / FUNK
Unterwegs mit einer historischen Straßenbahn zwischen Bochum und Wanne-Eickel.Die Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft pflegt das gute Stück.

Herne..  „Nächster Halt: Bodelschwinghplatz. Der Ausstieg rechts, bitte“: Diese Ansage kommt nicht vom Band. Carsten Dembinski steht vorne im Straßenbahn-Oldtimer und kündigt klar und deutlich jede Haltestelle auf der Linie 306 zwischen Bochum-Grumme und Wanne-Eickel Hauptbahnhof an. Der 18-jährige Azubi sieht diese Aufgabe sehr ernst, die korrekte Information der Fahrgäste gehört schließlich zu einer Tram-Fahrt dazu.

Im hinteren Bereich steht Kurt Weber, zieht an der Signalschnur und öffnet an den Haltestellen die Schiebetüre. Während der Fahrt erzählt er Dönekes von früher, schließlich war der 74-jährige Rentner selbst einmal Schaffner und Fahrer bei der Bogestra. Wer zufällig in die kleine Bahn einsteigt, staunt erst einmal und zückt sogleich das Mobiltelefon, um das alte Schätzchen zu knipsen. Eine Frau kommt aus dem Staunen nicht mehr raus und freut sich über das „nostalgische Feeling“. Am Straßenrand schauen die Leute verwundert und interessiert, sobald sie den „Triebwagen 96“ ankommen sehen. Auch Trainspotter stehen an den Haltestellen und warten schon ungeduldig.

Konstruktion aus den Kriegsjahren

Bekannt ist das Fahrzeug auch als „Kriegs-Straßenbahnwagen“. 1948 wurden von dieser Gattung 15 Triebwagen angeschafft. Die Konstruktion basiert auf der Entwicklung eines Kriegs-Straßenbahnwagens von 1942/43. Bis ins Jahr 1976 leistete die kleine Straßenbahn treue Dienste für die Kunden der Bogestra. Anschließend wurde sie an die Bergischen Museumsbahnen (BMB) in Wuppertal-Kohlfurth verkauft. Im September 1995 kehrte der Wagen als Dauerleihgabe an die Bogestra zurück. Seitdem ist die Bahn wieder regelmäßig im Einsatz und wird von den Mitgliedern der verkehrshistorischen Arbeitsgemeinschaft (VhAG) gehegt und gepflegt.

Andreas Halwer sitzt vorne und erklärt, warum das Straßenbahnfahren auch ein gutes Krafttraining ist: „Mit der rechten Kurbel bremsen und der linken Kurbel Gas geben – davon bekommt man dicke Oberarme“. Als die Bahn in Wanne-Eickel ankommt, steigt ein Busfahrer dazu und dreht eine Runde damit. „Das ist noch echtes Handwerkszeug und man verlernt es nicht, wie Fahrradfahren“, erklärt Nils Gerhold. Der 24-jährige ist ebenfalls Vereinsmitglied und ergänzt lachend: „Die haben früher das Geld mit links und im Handumdrehen verdient.“ Nach einer halben Stunde Pause dreht Carsten Dembinski das Steckschild um und es geht zurück nach Bochum.

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