Nils und Till Beckmann aus Herne bei „Junges Licht“-Premiere

Bei der Premiere „Junges Licht“ in Essen: (v.li.) Till Beckmann, Adolf Winkelmann und  Nils Beckmann haben zusammen das Drehbuch geschrieben.
Bei der Premiere „Junges Licht“ in Essen: (v.li.) Till Beckmann, Adolf Winkelmann und Nils Beckmann haben zusammen das Drehbuch geschrieben.
Foto: Friedhelm Wessel
Welturaufführung in der Essener Lichtburg. Am 12. Mai läuft die Geschichte über eine Kindheit in den 60er-Jahren auch in Herne an.

Herne..  Lina Beckmann fuhr mit Charly Hübner und Filmsohn Oscar Brose im Borgwart vor und Regisseur Adolf Winkelmann winkte aus dem offenen Sportwagen. Irgendwann schritten dann auch Till und Nils Beckmann - ungewohnt im dunklen Anzug - über den roten Teppich vor der „Lichtburg“ in Essen, zu Fuß und in Begleitung ihrer Schwester Maja Beckmann.

Mit über 1200 Zuschauern strömten sie in das Traditionskino, wo ein Film Premiere feierte, der am 12. Mai bundesweit startet: „Junges Licht“, nach dem gleichnamigen Roman von Ralf Rothmann, für den die in Wanne-Eickel aufgewachsenen Brüder und Theater-Kohlenpott-Schauspieler zusammen mit Adolf Winkelmann das Drehbuch geschrieben haben.

Winkelmann holte sie dann auch nach der Vorführung, noch ganz außer Atem („Ich bin etwas neben der Kappe“), als erste vor den roten Vorhang, um noch einmal die Geschichte zu erzählen, wie ihn die Beckmanns mit einem handgeschriebenen Brief für ihr Projekt gewonnen haben. „Ich wär da selbst nicht drauf gekommen“, gab der Regisseur zu, der vor allem durch seine Filme „Die Abfahrer“ (1978) und „Jede Menge Kohle“ (1981) Kultstatus erworben hat.

Nils und Till Beckmann sind große Verehrer von Ralf Rothmann, dessen Texte sie auch in ihren szenischen Lesungen als „Spielkinder verwenden. Rothmann, ein Oberhausener in Berlin, war selbst nicht zur Premiere gekommen, dafür aber reichlich Prominenz von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bis BVB-Trainer Thomas Tuchel sowie alle Hauptdarsteller.

So auch Lina Beckmann, die beklemmend die Mutter Liesel Collien spielt, die selbst psychisch angeknackst ist und in kalter Wut ihren Sohn mit dem Holzlöffel verprügelt. Ihn spielt der heute 14-jährige Oscar Brose aus Essen mit anrührender Naivität: ein Junge, der im Bergarbeitermilieu der 60er Jahre aufwächst, das alles andere als idyllisch ist. In einem heißen Sommer erlebt er Einsamkeit und Liebeskummer, er wird bedrängt und sieht Dinge, die er nicht sehen sollte. Dritter starker Hauptdarsteller ist Charly Hübner als Vater der Familie Collien, ein aufrechter Arbeiter, der gleichwohl nicht allen Verlockungen widersteht.

Die Einrichtung der Wohnung ist dem Geist der 60er Jahre bis ins Detail nachempfunden. Bei bei den eindrucksvoll rauchenden Schloten half, wie Winkelmann berichtete, ein Spezialist für „Computer Generated Images“ nach.

Die Herner Filmwelt zeigt „Junges Licht“ zum Bundesstart ab 12. Mai. In weiteren Rollen: Peter Lohmeyer, Nina Petri, Ludger Pistor, Stephan Kampwirth und Caroline Peters. 122 Minuten, ab 12 Jahre.

„Ein ungewöhnlicher Film für uns“, sagt Kino-Chef Markus Köther. „Er passt eigentlich nicht in unser Portfolio, hat aber Lokalkolorit.“ Deshalb habe er sich um ihn bemüht.

 
 

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