Neues Wananas in Herne verdrängt Boxzentrum

Tabea Beissert
Foto: Michael Korte
Weil Freizeitbad Wananas in Herne nach dem Großbrand etwas versetzt neu errichtet wird, braucht der Verein Boxring Schwarz-Weiß Unser Fritz 1984 ein neues Boxzentrum. Eine Lösung ist in Sicht, unklar ist aber noch die Zwischenlösung.

Herne.  Seit 1986 ist der Boxring SW Unser Fritz in seinem Boxzentrum in unmittelbarer Nachbarschaft des niedergebrannten Wananas zu Hause. Im Zuge des Neubaus des Freizeitbades muss der Boxring weichen. Für die Mitglieder und den Vorstand des Vereins kein leichter Schritt: „Das Gebäude hier ist mit seinem besonderen Flair schon zur Institution geworden“, bedauert Joachim Gerdesmann, Vorsitzender des Boxrings, den anstehenden Auszug. Zu dem besonderen Flair gehören nicht nur der Schweißgeruch und die für einen Boxverein typische schummrige Beleuchtung, sondern auch etwa Wandmalereien im Eingangsbereich: Zwei kleine Jungs mit Boxhandschuhen blicken dort von der Wand auf den Betrachter hinab.

Noch kein Auszugstermin

Wann genau das Boxzentrum geräumt werden muss, vermag Gerdesmann noch nicht zu sagen: „Viel haben wir noch nicht von der Stadt gehört“, sagt er. Einen konkreten Auszugstermin gibt es also noch nicht, Gerdesmann rechnet aber mit einem Umzug im nächsten Jahr. „Wir brauchen natürlich auch genügend Vorlaufzeit, alleine schon, um schwere Maschinen und Geräte transportieren zu können“, erklärt Gerdesmann weiter. Fest steht aber wohl, wo der Verein angesiedelt werden soll. Der Vorschlag kam von der Stadt. „Die Schwimmhalle der Claudiusschule soll umgebaut werden, denn der Schwimmunterricht der Schule wird ins neu errichtete Wananas verlagert“, so Gerdesmann. Wo der Boxverein in der Zwischenzeit, also während des Umbaus der Schwimmhalle, trainieren kann, sei jedoch noch unklar.

Nicht kommerziell ausgerichtet

Auch wenn der Boxverein von der Stadt vor vollendete Tatsachen gestellt worden sei, bleibt Gerdesmann optimistisch: „Veränderungen bringen das System immer erst einmal durcheinander. Mit der Zeit arrangiert man sich, und so wird dann eine neue Ära eingeleitet.“

Bis es so weit ist, wird im Boxzentrum Am Freibad 30 aber noch tatkräftig trainiert: „Miriam, die 20 Meter schaffst du noch“, wird eine der jungen Boxerinnen beim Training angefeuert. Dabei wird nicht nur geboxt, sondern vor allem auch Kraft und Ausdauer werden trainiert, etwa durch Liegestützen oder Laufen. Psychische, geistige und körperliche Faktoren werden beim Boxen geschult. „Boxen ist eine sehr elitäre, aber auch faire Sportart“, sagt Gerdesmann.So gebe es keine Fouls, wie etwa beim Fußball. Wohl sei es aber ein psychologisches Spiel, wenn es darum gehe, den Gegner zu täuschen und hereinzulegen.

Gerdesmann legt großen Wert darauf, dass sein Verein nicht kommerziell ausgerichtet ist. So arbeiteten alle Trainer ehrenamtlich, und es gebe auch keine Profiboxer. „Sobald es um Geld geht, wird der Mensch in den Hintergrund gedrängt“, kritisiert der Vorsitzende. Vielmehr sieht er sich in einer sozialen Verantwortung. „Unser erstes Anliegen ist es, die Menschen von der Straße und vom Computer wegzuholen“, stellt er klar.