Neue Runde im Streit um die Flora Marzina in Herne

Im Senioren-Wohnpark Flora Marzina gärt es: Betriebsrat und Betreiber liegen über Kreuz.
Im Senioren-Wohnpark Flora Marzina gärt es: Betriebsrat und Betreiber liegen über Kreuz.
Foto: Ralph Bodemer
Neue Runde im Streit um den Senioren-Wohnpark Flora Marzina in Herne: Der Betriebsrat erhebt neue Vorwürfe, der Betreiber kontert.

Herne.  Im Streit zwischen dem Betriebsrat und dem Betreiber des Senioren-Wohnparks Flora Marzina legt die Mitarbeitervertretung nach. Sie berichtet von Angst und schlechter Stimmung unter den Mitarbeitern. Die Belegschaft sei überlastet, ja längst an ihren Grenzen angekommen, und vom Betreiber fühle sie sich im Stich gelassen.

Wie berichtet, ist das Zerwürfnis zwischen Verdi und dem Betriebsrat auf der einen sowie dem Betreiber MK-Kliniken auf der anderen Seite eskaliert. Auslöser war die Einführung eines elektronischen Dienstplans, den Gewerkschaft und Mitarbeitervertretung ohne Korrekturen nicht akzeptieren wollten. In der Folge gab es Abmahnungen für mehrere Betriebsratsmitglieder sowie Kündigungen für Betriebsratschef Jörg Krüger und seinen Stellvertreter Jurij Schmidt. Nach einem gescheiterten Gütetermin vor Gericht beschäftigt sich das Arbeitsgericht im April und Mai mit den Kündigungen.

Betriebsratschef Krüger verteidigt nun das Nein zu dem elektronischen Dienstplan. Er sei „manipulierbar bis zum Geht-nicht-mehr“, jeder „Hans und Franz“ könne ihn nicht nur einsehen, sondern ändern. Deshalb seien an anderen MK-Standorten bereits Überstunden „verschwunden“. Bevor der Betriebsrat zustimme, täten Korrekturen an der Technik Not.

Grund für die schlechte Stimmung unter den rund 150 Bewohnern und rund 120 Mitarbeitern sei der knappe Personalschlüssel. „Die Chefetage will eine Pflege am Fließband aufbauen“, sagt Betriebsrats-Vize Schmidt. Deshalb fehle Personal, das sorge für eine Überlastung der Mitarbeiter, das wiederum für einen hohen Krankheitsstand. „Wir wollen eine Pflege mit Herz“, betont Schmidt. Die aber sei in Gefahr. Die MK-Kliniken, so heißen die Marseille-Kliniken jetzt, setzten Praktikanten und Pflegeschüler nach ihrem Schulbesuch ein, um Lücken zu füllen, Leiharbeiter seien zu spät geschickt worden, so der Vorwurf aus dem Betriebsrat. „Das Haus muss wirtschaftlich geführt werden“, so Schmidt, „aber nicht auf Kosten von Bewohnern und Mitarbeitern.“ Er fügt an: „Wir wollen nur eines: vernünftig arbeiten.“

Betreiber weist Vorwürfe zurück

Der Betreiber weist die Vorwürfe des Betriebsrats zurück. Etwa die in Sachen elektronischer Dienstplan: Um Manipulationen, die grundsätzlich bei allen IT-Systemen möglich seien, auszuschließen, gebe es ein Organisationssystem, das die anweisungsgenaue Nutzung des Zeiterfassungssystems regele, sagt Sprecher Uwe Wolf. Dieses System laufe seit mehr als sieben Jahren unbeanstandet. Dass mit diesem System freie Tage „verschwunden“ seien, sei „eine reine Falschbehauptung“.

Der Krankenstand in der Flora Marzina sei ist im Moment in der Tat „recht hoch“, und weitere Krankheitsfälle ergäben einen noch höheren Krankenstand und damit weitere Krankheitsfälle. Allein: Durch die langjährige Blockade der elektronischen Arbeitszeiterfassung werde es erschwert, bei Krankheit zügig Ersatz herbeizubringen, so Wolf zur WAZ weiter. Um anzufügen: Die Personalvorgaben der Pflegekassen würden peinlichst genau eingehalten. Was das Stopfen von Lücken angehe: „Seit Anfang letzten Jahres beschäftigen wir nur einen einzigen Praktikanten.“

Dass die Stimmung im Hause gereizt sein soll, kommentiert der MK-Sprecher so: „Wenn Personen im Betriebsrat sinnvolle und übliche betriebliche Regelungen blockieren und unsinnige Vorwürfe erheben, wie Ihnen gegenüber geschehen, hebt das die Stimmung nicht.“ Im Übrigen: Für das Pflegeheim seien seit zwei Jahren vorliegende Architektenpläne mit einer Investitionssumme von 2,7 Millionen Euro nicht zur Ausführung gekommen, was im Wesentlichen an den mangelnden Grundlagenvereinbarungen mit dem Betriebsrat liege.

 
 

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