Nachdenkliches Stück um „Einsteins Verrat“ im Herner Kulturzentrum

Freunden sich an: der Vagabund, gespielt von Volker Brandt, und das Genie Albert Einstein (Matthias Freihof). Das Schlossparktheater Berlin gastierte am Montag mit „Einsteins Verrat“ im Herner Kulturzentrum.
Freunden sich an: der Vagabund, gespielt von Volker Brandt, und das Genie Albert Einstein (Matthias Freihof). Das Schlossparktheater Berlin gastierte am Montag mit „Einsteins Verrat“ im Herner Kulturzentrum.
Foto: MARTIN KERSTAN FOTOGRAFIE / WAZ
„Einsteins Verrat“ von Eric-Emmanuel Schmitt führte das Schlossparktheater Berlin im Herner Kulturzentrum auf. Matthias Freihof spielte das von Selbstzweifeln zerrissene Genie Albert Einstein, das in einem Vagabunden (Volker Brandt) zuweilen einen ebenbürtigen Gesprächspartner findet.

Herne..  Die Welt steht kurz vor dem zweiten Krieg. Albert Einstein ist 1933 gerade in die Vereinigten Staaten von Amerika emigriert. Der weltberühmte Wissenschaftler ist Pazifist und plädiert offen für mehr Solidarität mit Juden. „Friede soll mehr sein als die Zeit zwischen zwei Kriegen“, sagt er zu einem Vagabunden. Der kann mit Einstein nur wenig anfangen. Was will dieser Kauz mit den ungekämmten Haaren von ihm? Die beiden kommen ins Gespräch, freunden sich an.

Sieben Szenen aus 20 Jahren

Das Schauspiel „Einsteins Verrat“ hinterfragt anhand der zwischenmenschlichen Begegnung dieser beiden offenbar grundverschiedenen Männer den Mythos Einstein. In sieben insgesamt 20 Jahre umfassenden Szenen stellt Autor Eric-Emmanuel Schmitt dar, wie Einstein sein Leben lang versucht, sein Scheitern zu verstehen. Das Stück, am Montagabend im Kulturzentrum vom Schlossparktheater Berlin aufgeführt, wirkt zuweilen wie eine nette Biografie.

Trotz Physiknobelpreises und großen Ruhms zweifelt Einstein (Matthias Freihof) an sich. Seine pazifistische Weltsicht findet nur wenige Anhänger. In einem verzweifelten Versuch, die Menschheit vor sich selbst zu retten, schreibt er einen Brief an Präsident Roosevelt und rät, zur Abschreckung eine Atombombe zu bauen, bevor es die Deutschen unter Hitler tun. Das Schreiben geht als der „Atombombenbrief“ in die Geschichte ein. Er fühlt sich als Selbstverräter, ist er doch eigentlich Kriegsverweigerer. Der Verrat doppelt sich, als der Vagabund (Volker Brandt) gezwungenermaßen Informationen über seinen Freund an das FBI weitergibt.

Die Vorwürfe des Ausnahmewissenschaftlers gegen sich selbst steigen ins Unermessliche, als die Amerikaner die Bombe gegen Japan verwenden. „Amerika hat den Krieg gewonnen und die Menschheit den Frieden verloren“, bedauert Einstein. Geige spielend steht der erschütterte Wissenschaftler auf einem grünen Berg vor leuchtend blauer Leinwand, dem Hauptbühnenelement. Es erinnert an die Erde aus Vogelperspektive ebenso wie an einen Hügel am See. Die Menschen wirken klein, wenn sie da so stehen. Das blaue Licht suggeriert unendliche Tiefe. Einstein philosophiert. Ein berühmtes Zitat seiner selbst folgt dem anderen. Seine offensichtliche Verzweiflung und die unendliche Freundschaft zum Vagabund rühren das Publikum. „Wir sollen nicht an den Menschen verzweifeln. Wir sind doch selber welche“, lauten seine optimistischen Schlussworte.

 
 

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