Musiker suchen Song für Herne

Katie Freudenschuss freut sich schon auf das Treffen mit Kranführer Marcel Römer. In 18 Metern Höhe will sie dem Herner Himmel ganz nah sein und Ideen für ihren Song sammeln.
Katie Freudenschuss freut sich schon auf das Treffen mit Kranführer Marcel Römer. In 18 Metern Höhe will sie dem Herner Himmel ganz nah sein und Ideen für ihren Song sammeln.
Foto: Ralph Bodemer
  • Drei Künstler sind in Herne für das WDR-Format „Sounds like Heimat“ unterwegs
  • Dabei treffen sie viele Menschen an gewöhnlichen und ungewöhnlichen Orten
  • Am Ende wollen sie die Heimat in Töne fassen

Herne..  Heimat ist für die meisten Menschen ein wichtiger Ort. Doch wie tickt Herne und wie klingt es? Dieser Frage gehen zurzeit drei Künstler im Auftrag des WDR-Fernsehens für die Sendung „Sounds like Heimat“ nach. Zwei Tage haben sie Zeit, die Stadt und die Leute kennenzulernen und einen Song zu schreiben, der in den Flottmann-Hallen präsentiert werden soll.

„Sagt man eigentlich noch Revier? Und sagt ihr hier Büdchen oder Trinkhalle?“ Björn Heuser, Liedermacher aus Köln, plaudert mit Musikern des Pop-Rock-Ensembles der Jugendkunstschule in den Revierton-Studios über seine Song-Ideen. Bislang haben Natalia, Laura, Jendrik und Silvia noch keine Fremdkörper im Text gefunden. „Mich interessiert, wie die junge Generation die Stadt wahrnimmt“, erklärt Björn Heuser. „Wenn die in der Stadt bleiben wollen, ist das immer ein gutes Zeichen.“

Mond ließ ihn nicht schlafen

Der Mond von Wanne-Eickel habe ihn nicht schlafen lassen. „Ich habe gestern viele Eindrücke gesammelt und heute Nacht den Großteil geschrieben.“ Er war in Fußgängerzonen unterwegs und hat sogar sein künftiges Stammbüdchen gefunden. „Ich bin da so herzlich aufgenommen worden, deshalb geht mein Song auch eher in die romantische Richtung.“ Heavy Metal passe nicht zu seinen Erfahrungen. Es sei schwierig, in zwei Tagen den Lokalkolorit einzufangen. „Zumal ich ja jetzt auch noch auf Hochdeutsch singen muss und nicht auf Kölsch“, sagt er lachend. Eine doppelte Herausforderung also. „Ich mag das Ruhrgebiet. Die Leute sind sehr ehrlich, und auch wenn sie es nicht hören wollen, außen hart und innen weich.“

Diesen Eindruck kann auch Katie Freudenschuss bestätigen. Die Singer/Songwriterin kommt aus Hamburg und kennt offene Menschen aus ihrer Heimat. „Aber hier ist das noch anders“, sagt sie. „Die Leute lassen die einleitenden Höflichkeitssätze weg und kommen direkt zur Sache.“ Die Sängerin hat bereits eine Kleingartenanlage und einen Taubenzüchter besucht und war im Fun-Park in Wanne Minigolf spielen. Jetzt geht es auf den Portalkran am Containerhafen, wo sie sich mit Kranführer Marcel Römer in 18 Metern Höhe einen besseren Überblick verschaffen will. „Der Arbeitstitel lautet bislang ,Der Himmel über Herne’“, verrät Katie Freudenschuss. Mit Marcel Römer plaudert sie über das Arbeitertum und den Wandel der Industriekultur – weg von den Zechen. Aber auch die Fehde zwischen Wanne und Herne dürfe nicht fehlen. Vom Kranführer erfährt die Sängerin, dass ein Wanner nie ein Herner sein wird. Ein Thema, dass auch Björn Heuser begegnet ist; er sieht es eher mit einem Augenzwinkern. Katie Freudenschuss ist indes mit ihrem Text etwas weitergekommen und singt auf 27 Metern Höhe, dem Himmel ganz nahe, schon mal ihren Refrain an.

Viel grüner als gedacht

Der Dritte im Bunde, Stefan Krähe, konnte bei seiner Ankunft in Herne ein persönliches Vorurteil abbauen: Die Stadt ist viel grüner als der Brandenburger dachte. Er hat sich mit der Band Rage getroffen und mit einem Installateur eine Gasleitung repariert – Krähe ist gelernter Installateur. In seinen Gesprächen mit den Hernern, darunter ehemalige Bergleute, haben sich die zwei zentralen Themen für seinen Song immer wieder herauskristallisiert: Heimat und ehrliche Haut.

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