Musikalische Reise zum Zarenhof im Kulturzentrum Herne

Alte Musik auf historischen Instrumenten präsentierte das Orchester Pratum Integrum am Freitag im Kulturzentrum.
Alte Musik auf historischen Instrumenten präsentierte das Orchester Pratum Integrum am Freitag im Kulturzentrum.
Foto: Fischer
Das Orchester Pratum Integrum stellte am Freitagabend im Kulturzentrum im Rahmen der Tage Alter Musik zusammen mit Sopranistin Anna Gorbachyova und Olga Martynowa am Hammerflügel Werke russischer Komponisten des ausgehenden 18. Jahrhunderts vor.

Herne..  Die Reise durch die Klanglandschaften Osteuropas bei den Tagen Alter Musik führte am Freitagabend im Kulturzentrum an den russischen Zarenhof in St. Petersburg, zur Zeit der Herrscher Katharina II, Paul I und Alexander I. Unter dem Motto „Galanteries barbares“ stellte das Orchester Pratum Integrum unter Leitung von Pavel Serbin zusammen mit Sopranistin Anna Gorbachyova und Olga Martynowa am Hammerflügel Werke russischer Komponisten des ausgehenden 18. Jahrhunderts vor.

Zum Auftakt interpretierten die Gäste aus Moskau eine für Zar Alexander I geschriebene Krönungssymphonie eines anonymen Komponisten aus dem Jahr 1802, die stilistisch Einflüsse der Meister der Wiener Klassik – Haydn, Mozart und Beethoven – aufweist, in Harmonien und Orchesterklangfarben aber auch erste Gehversuche in Richtung Frühromantik unternimmt.

Unter dem stilvollen und doch leidenschaftlichen Dirigat von Pavel Serbin gestaltet das 2003 gegründete Orchester Pratum Integrum, das sich auf die Aufführung alter Musik auf historischen Instrumenten spezialisiert hat, Spannungsmomente und Entwicklungsprozesse in fesselndem Kontrast von kraftvollen und subtilen Passagen.

Spannungsvolles Spiel der Streicher

Bewusste Einfachheit und kammermusikalische Feinheit charakterisieren den zweiten Satz, fedrige Eleganz versprüht der schnelle Schlusssatz. Die Ouvertüre zur Opéra comique „Le Faucon“ von Dmitry Bortnjansky (1751-1825) lässt in ihrem klaren, kontrastreichen Aufbau und vor allem durch den im spannungsvollen Spiel der Streicher hörbaren emotionalen Ausdrucksreichtum Ähnlichkeiten mit dem Stil des belgischen Komponisten André Ernest Modeste Grétry erkennen.

Nach der mit etwas zu starkem Vibrato gesungenen Arie der Antigone aus Bortnjanskys Oper „Creonte“ gestaltet Anna Gorbachyova mit klarem, dunkel getöntem Sopran die Arie der Sanchette aus seiner Opéra comique „Le Fils rival“, die in ihren einfachen Strukturen und lautmalerischen Effekten auf die Frühromantik verweist. Die pompöse Arie der Aretea aus „Alcide“, die sich an Bravourarien Mozarts orientiert, singt sie in fesselndem Vortrag mit mühelosen Koloraturen.

Russische Schule noch nicht erkennbar

Jewstigney Ipatjewitsch Fomins (1761-1800) Orfei-Ouvertüre ist gekennzeichnet durch geschmeidige Melodien und dramatische Entwicklungen, die die spannungsgeladenen Streicher des Orchesters Pratum Integrum überzeugend vortragen. Johann Wilhelm Häßlers (1747-1822) Grand concert G-Dur interpretiert das Orchester in unaufdringlicher Präsenz; voll kammermusikalischer Intimität, aber ohne individuelle Note.

Alle diese Kompositionen fügen sich kosmopolitisch in die führenden europäischen Kompositionsstile ihrer Zeit ein, eine originale „russische Schule“ ist aber noch nicht erkennbar.

 

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