Müntefering diskutiert mit Herner Schülern über Europa

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Michelle Müntefering (r.) diskutierte mit Schülerinnen und Schülern des Pestalozzi-Gymnasiums.
Die SPD-Bundestagsabgeordnete Michelle Müntefering (r.) diskutierte mit Schülerinnen und Schülern des Pestalozzi-Gymnasiums.
Foto: Ralph Bodemer
Die SPD-Bundestagsabgeordnete Michelle Müntefering war zu Gast am Pestalozzi-Gymnasium. Sie sprach mit Schülern über Europa und Flüchtlinge.

Herne..  „Politiker schwärmen aus und werben für Europa“ – so umschreibt die SPD-Bundestagsabgeordnete Michelle Müntefering am Montagmorgen vor Oberstufenschülern des Pestalozzi-Gymnasiums die Bedeutung des am Donnerstag anstehenden „Europa-Tags“. Der Austausch mit rund 40 Schülern aus Französisch- und Sowi-Kursen der Stufen 10 und 11 entwickelt sich aber sehr schnell zu einer Diskussion über die Flüchtlingssituation.

Nach einer kurzen Einführung und einem Plädoyer Münteferings für das „große Friedensprojekt Europa“ greifen Schüler zunächst vor allem das Thema Flüchtlinge auf – mit Fragen, in denen zum Teil Skepsis, aber auch Ablehnung gegenüber Deutschlands offener Haltung in der Flüchtlingspolitik rauszuhören ist.

Die 35-jährige Sozialdemokratin verteidigt den (anfänglichen) Merkel-Kurs und verweist auf humanitäre Aspekte und die deutsche Vergangenheit. Und sie kritisiert andere europäische Staaten, die sich aus unterschiedlichen Gründen der Solidarität verweigerten.

Auf Proteste von Asylbewerbern gegen schlechte Lebensbedingungen in Containern und die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht spricht ein Schüler den Gast aus der Politik an. Hier sei der Rechtsstaat gefragt, sagt Müntefering. Es gebe unbestreitbar Probleme. Doch auch die große Mehrzahl der Flüchtlinge distanziere sich von Vorfällen wie in Köln. Sie warnte gleichzeitig vor Verallgemeinerungen. Es gebe „viel Desinformationen“. In den bisweilen „asozialen Netzwerken“ würden auch Geschichten gestreut, an denen nichts dran sei. Die Politikerin empfiehlt den Schülern, auch mal „eine gute Zeitung“ zu lesen. „Es gibt viele Grautöne, es ist nicht alles schwarz und weiß.“

Unzufriedenheit und Irritationen

Den zweiten Schwerpunkt der Diskussion bildet das Thema Integration – von Flüchtlingen, aber auch von seit Jahren hier lebenden Migranten. Es gebe auch in Herne Gegenden, in denen Türken fast unter sich seien, sagt ein Schüler. „Die Grenzen zwischen den Kulturen ist zu starr.“ Sprache sei ganz wichtig, sagt die Politikerin. Die Gesellschaft dürfe bei der Integration von Flüchtlingen nicht die Fehler wiederholen, die einst bei der ersten Generation der Gastarbeiter gemacht worden seien.

Nach knapp 40 Minuten – auf Müntefering wartet der nächste Termin – endet eine Diskussion, die keinen so richtig zufriedenstellt und auch Irritationen auslöst. Bei den Medien ob der offenbar alles andere als optimal vorbereiteten Schulveranstaltung. Bei Michelle Müntefering, die sich verwundert zeigt über die aus einigen Fragen herausklingende Ablehnung der deutschen Flüchtlingspolitik. Und bei Schülern, die bisweilen mit dem „Polit-Sprech“ der Abgeordneten wenig anfangen können.

Viel Betrieb am Pestalozzi

Nicht nur Michelle Müntefering besucht in diesen Tagen das Pestalozzi-Gymnasium. Ebenfalls am Montag kam Holger Wennrich (Stadtmarketing) zu der Schule am Harpener Weg, um über die Unterstützerkampagne zu diskutieren.

Der Wochenanfang stand und steht aber auch ganz im Zeichen der Fluchtproblematik. Anlässlich des Friedenstages am 3. Mai berichtet ein Syrer über die Situation in seiner Heimat.

Am 3. Mai finden zudem für Schüler der Stufen 5 bis 9 Kurse zu Themen wie „Interviews aus der Fremde“, „Östliche Kulturen und ihre Unterschiede“ oder „Identität. Wer bin ich?“ statt. Zum Abschluss findet ein internationales Büffet in der Aula statt.

Michelle Müntefering hat zudem mit Schülern vereinbart, in einem Jahr ans Pestalozzi-Gymnasiums zurückzukehren. Sie will dann über die Erfahrungen mit der Willkommensklasse für Flüchtlinge sprechen, die in Kürze an der Schule eingerichtet werden soll.

 
 

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