Mitarbeiter kritisieren EvK-Bilanz

EvK in Herne Evangelisches Krankenhaus in Herne am 06.09.2007 Eingangsbereich. Foto:Wolfgang Quickels
EvK in Herne Evangelisches Krankenhaus in Herne am 06.09.2007 Eingangsbereich. Foto:Wolfgang Quickels
Foto: WAZ
Die evangelische Krankenhausgemeinschaft Herne-Castrop-Rauxel hat vor wenigen Tagen eine positive Bilanz für das Geschäftsjahr 2011 gezogen. Doch von der Mitarbeitervertretung kommt nun Kritik.

Herne..  Gestiegener Umsatz, ein Zuwachs bei Patienten und bei Mitarbeitern, die Evangelische Krankenhausgemeinschaft Herne-Castrop-Rauxel (EvK) hat ihre Bilanz für 2011 in rosigen Farben geschildert. Die Mitarbeitervertretung versieht den Geschäftsbericht allerdings mit einem deutlichen Grauschleier.

„Wir vermissen, dass die Leistungen der Mitarbeiter ausreichend gewürdigt werden“, kritisiert Mitarbeitervertreter Stefan Konrad im Gespräch mit der WAZ. In der Tat hatte EvK-Geschäftsführer Heinz-Werner Bitter gesagt, dass das gute Ergebnis „vor allem dem Vertrauen unserer Patienten zu verdanken“ gewesen sei.

„Menschen schaffen Vertrauen“

Konrad weist dagegen darauf hin, dass die Arbeit der Mitarbeiter durch eine hohe Belastung, Verdichtung und Flexibilität gekennzeichnet gewesen sei. „Ohne engagierte Mitarbeitende, die durch Überstunden, bereitwilliges Einspringen, Arbeitsverdichtung und in vielen Fällen in unsicheren, sprich befristeten Arbeitsverhältnissen ihr Bestes geben, wäre dieses Ergebnis nicht möglich gewesen“, heißt es im „Durchblick“, der Info-Zeitschrift der EVK-Mitarbeitervertretung (MAV). Und weiter: „Schöne Gebäude, neue OPs und Kohorten von Zertifikaten an den Wänden erzeugen kein Vertrauen. Es sind die Menschen im Krankenhaus, die durch ihre Arbeit dieses Vertrauen erst schaffen. Für Konrad ist die hohe Arbeitsbelastung ein Indiz dafür, dass es im EvK nicht ausreichend Personal gibt.

40 Prozent weniger Gehalt

Harsche Kritik üben die Mitarbeitervertreter an der Ausgliederung von rund 200 Kollegen in neu gegründete Tochtergesellschaften. So würden neu eingestellte Mitarbeiter nicht mehr nach dem gültigen Tarif bezahlt und erhielten laut Konrad bis zu 40 Prozent weniger Gehalt als Kollegen.

Konrad: „Diese Ausgliederung ist nicht nur eines kirchlichen Unternehmens unwürdig, sondern es verstößt auch gegen kirchliche Gesetzgebung.“ Bei der letzten Synode der evangelischen Kirche im November 2011 in Magdeburg sei klar entschieden worden, dass eine Ausgliederung von Belegschaften mit dem kirchlichen Gedanken nicht vereinbar sei. Doch wenn das EvK durch Ausgliederung Lohnkosten spare, widerspreche das kirchlicher Verhaltensweise, so Konrad.

Defizite bei Führungsverhalten

Im „Durchblick“ nennt die MAV weitere Kritikpunkte. So würden Assistentinnen durch Fachpflegekräfte ersetzt, deren Kompetenz sie nicht haben könnten, weil ihnen die dreijährige Ausbildung fehle. 2008 sei als Ziel ausgegeben worden, die Pflege auf den Stationen zu 100 Prozent mit examiniertem Personal durchzuführen, das eine dreijährige Ausbildung habe. Darüber hinaus brächten die Patienten dem EvK - und damit dem Personal - großes Vertrauen entgegen, doch „in Hinblick auf die Mitarbeitenden hat die letzte Mitarbeiterbefragung gezeigt, dass gerade im Bereich Wertschätzung und Führungsverhalten Defizite auffällig waren.“

 
 

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