Mietwagen-Unternehmer aus Herne ist sauer auf die Stadt

Ist sauer auf die Stadt: Taxi- und Mietwagenunternehmen Thomas Höldrich.
Ist sauer auf die Stadt: Taxi- und Mietwagenunternehmen Thomas Höldrich.
Foto: Ralph Bodemer
  • Taxifahrer dürfen Anwohner der Cranger Kirmes nach Haus fahren, Mietwagen-Fahrer nicht
  • Stadt greift an den Kontrollpunkten stärker durch als in den vergangenen Jahren
  • Mietwagen-Unternehmen kritisiert Regelung und ruft das Gericht an

Der Herner Thomas Höldrich hat sich bei den Organisatoren der Cranger Kirmes beschwert, weil seine Mietwagen-Fahrer an den Absperrungen abgewiesen werden, Taxi-Fahrer dagegen nicht. „Die Stadt verbietet uns, unseren Job zu machen“, sagt der Chef des Taxi- und Mietwagenunternehmens Höldrich.

Bei der 581. Cranger Kirmes erlebte Höldrich eine Überraschung: Mitarbeiter des Ordnungsdienstes ließen seine Mietwagen-Flotte nicht mehr durch. Kunden mussten aussteigen und zu Fuß weitergehen, andere konnten er und seine Fahrer nicht vor der Haustür abholen. Für Höldrich nicht nur ein Ärgernis, sondern auch ein finanzieller Schaden: „Mir fehlen während der Kirmes 500 Kunden. Die werden auch danach noch stinksauer sein und sich ein anderes Unternehmen suchen.“

Wir fragten im zuständigen Kirmesbüro nach. Das Durchfahrverbot für Mietwagen gebe es seit Jahren, sagt Mitarbeiter Tibo Zywietz. „Es wird nur in diesem Jahr richtig durchgezogen.“

Während der Kirmestage vom 5. bis zum 14. August sei es nur Anwohnern erlaubt, den abgesperrten Bereich zu durchfahren. Sitzen sie in Taxis, dürfen sie ebenfalls passieren. In der Vergangenheit seien laut Zywietz vor allem Studenten und Schüler an den Absperrungen zum Einsatz gekommen. In diesem Jahr würden Mitarbeiter des kommunalen Ordnungsdienstes die Zufahrten bewachen – und keine Ausnahme mehr machen.

Schutz der Kirmes-Gäste

Die Verbannung der Mietwagen vom Kirmesgelände begründet das Büro so: Zum einen sei das Verbot zugunsten der Verkehrssicherheit gefallen. Zum Schutze der Besucher sollte die Zahl der Autos auf dem Gelände auf ein Minimum reduziert werden.

Der zweite Grund soll ebenfalls die Kirmesgäste schützen. „Wir wollen mit dem Verbot der Abzocke Einhalt gebieten“, sagt Zywietz. Es habe immer mal wieder Ärger mit den Mietwagen gegeben. „Vor zwei Jahren etwa musste ein Pärchen statt 50 Euro in einem Taxi mit Taxameter 120 Euro zahlen.“ Die Mietwagen sähen aus wie Taxis, die Unterscheidung für Kunden sei aber schwierig. „Ich finde die Regelung gut so. Bisher blieben Beschwerden über Abzocken aus“, sagt Zywietz, der in den vergangenen Tagen oft mit Höldrich telefoniert habe.

Der Frust bei Höldrich sitzt tief. Denn mit seinen Wagen darf er auch nicht die Taxistände an der Ecke Dorstener Straße/Heerstraße oder an der Ecke Dorstener Straße/Heinitzstraße anfahren. Alle zwei Minuten klingele im Augenblick das Telefon. Die Kunden verstünden nicht, warum er sie nicht abholen komme. Stammgäste, die seit Jahren für Arzttermine auf das Unternehmen vertrauten, müsse er verprellen.

Höldrich kann das Verbot nicht verstehen: „Dem Kunden wird die freie Wahl des Beförderungsmittels genommen.“ Die Ordnungsdienste hätten ihn, seine Kunden und seinen Wagen an den Absperrungen fotografiert. Ob da noch etwas auf ihn zukomme, wisse er nicht. Er selbst hat bereits rechtliche Schritte eingeleitet: Der Wanne-Eickeler habe Klage beim Verwaltungsgericht eingelegt.

Warten auf eine Konzession

Mietwagen wie die von Höldrich sind oft genauso ausgestattet wie Taxis. Sie verfügen über einen Wegstreckenzähler und Kontaktsitze. Durch Letztere springt automatisch der Zähler an. Berechnet wird am Ende die Fahrtstrecke.

Eine Abzocke könne es dadurch nicht geben, meint Höldrichs Frau Birgit, die für die Buchführung zuständig ist. Für die Firma hingegen seien Mietwagen teurer: 19 Prozent Steuern müssten Mietwagenunternehmen zahlen, für eine Fahrt mit dem Taxi, das als öffentliches Verkehrsmittel gilt, fielen nur sieben Prozent an.

Die Höldrichs haben insgesamt vier Mietwagen und ein Taxi. Dass die Mietwagen fast genauso aussehen (es fehlt das Taxischild auf dem Dach) und über dieselbe Ausstattung verfügen, hat einen einfachen Grund: Die Höldrichs warten auf Taxi-Konzessionen. Diese werden von der Stadt vergeben. „Unternehmen haben Mietwagen nicht, weil sie damit mehr Geld verdienen“, sagt Birgit Höldrich. Seit sieben Jahren warteten sie auf eine weitere Taxi-Konzession. In dieser Zeit seien sie allerdings auf der Liste der Wartenden nur von Platz sieben auf Platz sechs gewandert.

 

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