Michael Torkowski bestand Premiere als Chef des Kirmeszuges

Viel Kreativität investieren jedes Jahr die Teilnehmer des Festzuges. Unser Bild zeigt den Wagen des Jugendtreffs „Am Freibad“.
Viel Kreativität investieren jedes Jahr die Teilnehmer des Festzuges. Unser Bild zeigt den Wagen des Jugendtreffs „Am Freibad“.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Michael Torkowski leitete am Samstag zum ersten Mal den Kirmesumzug als Chef
  • Probleme gab es für ihn beim Ablauf nicht
  • Zuschauer und Teilnehmer zeigten viel Herzblut und Kreativität

Es war für Michael Torkowski zwar bei weitem nicht der erste Cranger Kirmeszug, an dem er als Mitarbeiter des städtischen Fachbereichs Öffentliche Ordnung mitwirkte, aber es war für ihn der erste als verantwortlicher Zugleiter. WAZ-Redakteurin Gabriele Heimeier sprach mit ihm über die Premiere.

Wie ist es am Samstag aus Ihrer Sicht gelaufen?

Torkowski: Ich bin sehr zufrieden, hatte aber eigentlich auch nicht wirklich mit Problemen gerechnet. 90 Prozent der Teilnehmer machen das ja schon seit Jahren und kennen die Abläufe ganz genau. Ich selbst bin auch schon seit vielen Jahren beim Zug dabei. Bislang war ich aber fast immer an der Zugspitze, jetzt habe ich den Zug zur Gänze mitbekommen.

Seit einigen Jahren fahren die Wagen nicht mehr bis zum Cranger Tor, sondern biegen an der Heidstraße ab. Darüber hat es anfangs viel Unmut gegeben.

Das hat sich mittlerweile gelegt, ich habe keine negativen Äußerungen mehr gehört. Wir haben das ja unter Sicherheitsaspekten so gemacht. In der Enge der Kirmes war es nicht mehr möglich, auch noch mit den Wagen dort durchzufahren.

Beim Stichwort „Sicherheitsaspekte“ denkt man im Augenblick ja leider eher an terroristische Anschläge. Hat es – wie auf dem Platz selbst – auch beim Umzug verstärkte Vorkehrungen gegeben?

Wir können beim Umzug keine Taschen und Rucksäcke kontrollieren und waren mit dem normalen Personalbestand vertreten. Zusätzlich gibt es ja auch noch die eigenen Ordner der Gruppen, die die Augen offen halten.

Obwohl vor einigen Jahren festgelegt worden ist, dass die Wagen mit ihren Anlagen die Umgebung zumindest bei der Aufstellung nicht mit mehr als 80 Dezibel beschallen sollen, waren einige doch so laut, dass es weh tat.

Wir laufen zwar nicht mit Messgeräten herum, aber ich habe auch festgestellt, dass einige wirklich unangenehm laut waren. Da müssen wir die Betreffenden noch mal gezielt ansprechen. Vermutlich merken die Beteiligten das selbst gar nicht, weil sie auf den Wagen hinter den Boxen stehen und auch noch Stöpsel in den Ohren haben. Aber die Zuschauer bekommen die volle Dröhnung ab.

Bei manchen Gruppen und Wagen war am Samstag schlecht zu erkennen, wer sie eigentlich sind, wen sie vertreten.

Es haben eigentlich alle Karten, die sie sichtbar anbringen oder aufstellen sollen, aus denen das hervorgeht. Aber die kippen auch schon mal um oder ähnliches. Das lässt sich kaum vermeiden.

In früheren Jahren ließen Wagen von Firmen sehr zu wünschen übrig. Das hat jetzt abgenommen. Die meisten haben sich Mühe gegeben, die Wagen gestaltet und auch die Mitfahrenden entsprechend mit Shirts oder Kostümen ausgestattet. Hat es da von Seiten der Stadt Gespräche gegeben?

Nein, das nicht. Möglicherweise braucht es einfach ein bisschen Zeit, bis sich herumspricht, dass man seinen Auftritt schöner gestalten sollte. Inzwischen haben viele da auch richtigen Ehrgeiz entwickelt. Einen Anforderungskatalog an das Aussehen haben wir aber nicht. Wer sich anmeldet, kann eigentlich auch mitmachen.

Der Zug war ganz schön lang. War er nicht ein bisschen zu lang?

Der Zug ist fast immer gleich lang. Wir haben eine fast konstante Zahl von rund 4000 Teilnehmern, die die vier Kilometer lange Strecke von Eickel bis Crange im Schnitt mit einem Tempo von zwei Stundenkilometern bewältigen. Schlecht ist es, wenn Lücken von 200 oder 300 Metern entstehen. Deshalb lassen wir an bestimmten Punkten anhalten, damit alle Gruppen wieder aufschließen können. In diesem Jahr haben alle sehr diszipliniert und gut aufgeschlossen. Aber mit einer Dauer von drei Stunden Zugzeit sind wir jetzt wirklich an der Grenze. Das müssen alle ja auch durchhalten können, nicht nur die Zuschauer. Auch für die Teilnehmer selbst ist das anstrengend.

Wie viele Zuschauer waren am vergangenen Samstag da?

Es sind immer so um 100 000 Zuschauer, das ist eine ziemlich konstante Zahl. Ich habe für dieses Jahr nichts Gegenteiliges gehört. Die Begeisterung für den Kirmeszug ist auf Seiten der Zuschauer ebenso ungebrochen wie auf Seiten der Teilnehmer. Es ist wirklich toll, wie viel Herzblut und Kreativität da investiert wird. Das ist richtig ansteckend.

Planen Sie Veränderungen, zum Beispiel im Ablauf des Zuges?

Zurzeit keine größeren. Was ich mir noch mal ansehen werde, ist der große Block des Stadtsportbundes, der von den insgesamt zehn Gruppen die Gruppen drei bis sechs stellt. Mal sehen, ob man das vielleicht noch mal etwas anders mischt und zum Beispiel Musikgruppen mit einbaut. Es ballt sich sonst immer etwas in den anderen Gruppen.

Ab wann nehmen Sie Anmeldungen für den Kirmeszug 2017 an?

Ab sofort. Das ist ein kontinuierliches Geschäft, das läuft das ganze Jahr über. Im Januar werde ich auf jeden Fall alle jetzigen Teilnehmer anschreiben, und dann werden wir sehen.

Zur Person

Michael Torkowksi stammt zwar nicht aus Wanne-Eickel, aber aus Herne. Vom Kirmesumzug-Fieber lässt auch er sich jedes Jahr wieder anstecken.

Seit 1988 arbeitet der 56-Jährige im Fachbereich Öffentliche Ordnung und ist seitdem auch beim Umzug dabei.

Er hat die Nachfolge des langjährigen Zugleiters Karl-Wilhelm Schulte-Halm angetreten, der in Pension gegangen ist.

Wichtig ist es Michael Torkowski, bei aller Begeisterung für die Kirmes und den Umzug einen sachlichen und objektiven Blick auf die Dinge zu bewahren.