Mehr Platz für Hühner

Legehennen in einem Großbetrieb: Laut Gesetz steht ihnen seit Jahresbeginn überall in der EU mehr Platz zu – aber nur ein paar Zentimeter.                             Foto: dapd
Legehennen in einem Großbetrieb: Laut Gesetz steht ihnen seit Jahresbeginn überall in der EU mehr Platz zu – aber nur ein paar Zentimeter. Foto: dapd
Foto: ddp images/dapd/Joerg Koch

Herne.. Das Ganze klingt nach einem wichtigen Schritt für den Tierschutz. Die klassischen Legebatterien für Hühner sind in Deutschland schon seit Anfang 2010 und seit Jahresbeginn sogar in der gesamten EU verboten. Doch Tier- und Verbraucherschützer kritisieren den Beschluss als unnütz.

Denn die Hühner litten weiter, und auch wer darauf achtet, nur Eier aus Bio- oder Freilandhaltung zu kaufen, könne sich nicht sicher sein, wirklich nur artgerechte Tierhaltung zu unterstützen.

„Das ist Augenwischerei, damit alle zufrieden sind“, schimpft Ditti Boese-Kaegler von der Herner Tierschutzjugend. Die Neuerung schreibt vor, dass in der gesamten EU Hühner statt bislang 550 Quadratzentimeter nun mindestens 750 (Deutschland: 800) Quadratzentimeter Platz haben. Anders ausgedrückt: Statt auf einem DIN-A4-Blatt kauern sie jetzt auf anderthalb DIN-A4-Blättern. Boese-Kaegler kritisiert: „Wenn man dann noch bedenkt, dass die Tiere für die Produktivität gemästet werden und sie einen ganz anderen Körperbau haben als normale Hühner, wird klar, dass der Platz immer noch nicht ausreicht.“ Auch Ingo Döring von der Herner Verbraucherzentrale gibt zu bedenken, dass 800 Quadratzentimeter „nicht viel“ seien. „Die Leute sollten sich überlegen, auf Bio-Produkte umzusteigen.“

Doch dieser Umstieg ist gar nicht leicht. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch warnt, dass es bei Nudeln oder Keksen keine Wahlfreiheit gebe: „Noch immer stammt der Großteil der von der Industrie verarbeiteten Eier aus Käfighaltung.“ Trotzdem, mahnt Tierschützerin Ditti Boese-Kaegler, gebe es für bewusste Kunden im Supermarkt keine Alternative zu Bio-Eiern oder zumindest solchen aus Freilandhaltung. „In der Bodenhaltung geht es den Hühnern kaum besser als im Käfig. Da leben dann 100 000 Hennen auf wenigen Quadratmetern zusammen.“

Die Herner Tierschutzjugend hat sich schon oft mit dem Thema befasst, hat Betriebe besichtigt, mit Landwirten diskutiert und sich Gedanken zu Alternativen gemacht. Die Bauern, glauben die jungen Idealisten, bräuchten einen Anreiz, aus der Käfighaltung auszusteigen. Landwirte, die sich entschieden, die Tiere draußen zu halten statt in einer Batterie, sollten staatlich subventioniert werden. „Man muss den Verdienstausfall abfangen. Die Bauern müssen ja auch an ihre Existenz denken“, so Ditti Boese-Kaegler. Die jetzige Regelung, den Hühnern etwas mehr Platz einzuräumen, sei „eigentlich lächerlich“.

 
 

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