Mehr als Schließdienst

Foto: WAT FotoPool

Herne. Die WAZ begleitete einen Revierfahrer im Sicherheitsdienst auf seiner nächtlichen Tour.

Seine Tour führt ihn kreuz und quer durchs nördliche Ruhrgebiet. Herne, Recklinghausen, Marl, Herten – durchschnittlich 230 Kilometer legt er in einer Nacht zurück. Immer ist er darauf bedacht, Wege zu variieren. „ Immer die selbe Route zu fahren, das geht nicht“, betont er. Zu groß sei die Gefahr, beobachtet zu werden.

Marius Heinrich (31) ist Revierfahrer für den Herner Sicherheitsdienstleister R&G Security. Neben einigen Kurzzeitobjekten wie beispielsweise Geldautomaten auf der Cranger Kirmes stehen auf seiner Liste neun feste Objekte, die er überwachen, prüfen oder abschließen muss. „Das hört sich nicht viel an“, sagt er, „aber mal bin ich nach zehn Minuten fertig, an manchen Objekten brauche ich anderthalb Stunden. Und manchmal muss ich zu einem Objekt zweimal pro Nacht kommen.“

Die Tour, die die WAZ begleitet, startet an einem leerstehenden, von einem Bauzaun umgebenen Gebäude auf Herner Stadtgebiet. Heinrich läuft einmal die Front ab, rüttelt an den Türen und überprüft die Fenster auf mögliche Einbruchsspuren. Warum das Haus bewacht werden muss, erschließt sich dem Unwissenden nicht auf den ersten Blick. „Man glaubt gar nicht, was die Leute alles klauen“, schüttelt der Sicherheitsmann den Kopf. Einen Einbruch an dem Objekt habe es schon gegeben. „Heizkörper, Leitungen aus den Wänden – da wurde alles mitgenommen.“ Nach seiner Stippvisite hält er sein Handy an einen versteckt angebrachten Sensor. „Damit der Kunde überprüfen kann, dass wir wirklich da waren“, erklärt er.

Zurück ins Auto und weiter geht’s. In einem Herner Museum schaut er nach, ob sich Besucher haben einschließen lassen. Anschließend müsste er verschiedene Türen abschließen. „Heute habe ich leichtes Spiel“, freut er sich, „mein Kollege hat mir einiges abgenommen.“ In einem anderen Gebäude überprüft er auf zwei Etagen, ob alle Fenster geschlossen sind. Defekte Fenster und ähnliche Auffälligkeiten protokolliert er. „Damit haben wir unsere Pflicht getan, für den Rest ist der Kunde selbst verantwortlich“, so Heinrich.

In Herne war’s das – vorerst jedenfalls. Über die Autobahn geht’s gen Norden. Mit seinem Dienstwagen kommt Heinrich am nächsten Objekt allerdings nicht weit. Er tauscht seinen Pkw mit einem gummibereiften Geländewagen. Große Pfützen, unwegsames Gelände – „und es kann auch schon mal sein, dass man einem großen Baustellenfahrzeug ausweichen muss“, so Heinrich. Das Objekt: eine Grünanlage mit Halde. Weist der aufgestellte Bauzaun Lücken auf? Sind noch alle im Boden eingelassenen Metalltafeln da, wo sie hingehören? Hat jemand einen Grill angeschmissen? Oder fährt gar jemand mit einem Motorroller auf der Halde herum?

Mit dem normalen Pkw geht die Tour anschließend weiter. Patrouillen und Schließdienste stehen auf dem Plan. „Spannend wird es eigentlich erst, wenn ein Alarm eingeht“, so Heinrich. Dass es in seinem Beruf auch mal gefährlich werden kann, ist ihm bewusst. Ein Alarm sei schon eine kleine Herausforderung. „Man weiß nie, was einen vor Ort erwartet“, so der Sicherheitsmann. Bis auf CS-Gas und eine Maglite-Taschenlampe ist er unbewaffnet. „Unnötiger Gefahr setzen wir uns nicht aus. Im Zweifelsfall überlassen wir die Dinge der Polizei.“

 
 

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