Letzte Videothek in Herne bietet mehr als „nur“ Filme

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Herne. In Herne gibt es nur noch eine Verleih-Videothek. In Zeiten, in denen aktuelle Spielfilme illegal im Internet verfügbar sind, muss sie mehr bieten als nur Filme, um zu überleben. Ein Besuch.

Geht man durch die Tür der Videothek „World of Video“, steht man direkt vor den DVD-Regalen mit den Kinderfilmen. An der gegenüberliegenden Wand findet man Komödien. Vermutet man hinter den Kinderfilm-Regalmetern die Genres Science-Fiction, Horror, Thriller oder Erotik, hat man sich getäuscht. Sie stehen weiter hinten im Laden. Spielfilme machen nur einen Teil des Videothek-Sortiments aus. Ebenfalls eine Menge Platz nehmen Spiele für den PC sowie für Konsolen wie Playstation 2 und 3, Wii oder XBox 360 in Anspruch.

Etwa 10 000 Titel führe die Herner Videothek insgesamt, schätzt die Franchise-Nehmerin der Herner Filiale Julia Rappenberg. Bei allein etwa 1200 davon handle es sich um Spiele der beiden neuesten Videospiel-Systeme Playstation 3 und XBox 360.

Bundesweit sinkt die Zahl der Videotheken

Um am Markt bestehen zu können, reicht es nicht mehr aus, sich auf den Verleih von Filmen zu beschränken. In Zeiten, in denen aktuelle Spielfilme illegal im Internet verfügbar sind, bevor sie in die Kinos kommen, wird der Markt für Videotheken härter. Bundesweit sank die Zahl der Videotheken. Waren es im Jahr 2008 noch 2920, zählte der Interessenverband des Video- und Medienfachhandels Deutschland (IVD) 2010 nur noch 2456 Videotheken in Deutschland. Auch in Herne ließ sich der Trend beobachten. Christian Grote, Filialleiter der Bochumer „Atlantis“-Videothek an der Herner Stadtgrenze, bestätigt: „Mittlerweile sieht es in Herne düster aus. Vor einem halben Jahr schloss unsere Herner Filiale an der Pöppinghauser Straße.“ „MegaMax“ an der Hauptstraße, das zu „Atlantis“ gehörte, gebe es bereits seit zwei Jahren nicht mehr.

Rappenberg hat keine Angst, dass ihrer Videothek Ähnliches passiert. „Man hat schon gemerkt, dass viele Kunden zu uns ‘rübergekommen sind, als die anderen Videotheken geschlossen haben. Es gibt ja keine anderen Anlaufstellen hier“, sagt sie. Zu ihr kämen sogar Kunden aus den umliegenden Städten. „Wir haben einfach einen guten Standort, so nah an der Autobahn“, vermutet sie. 16 000 Kunden seien derzeit bei ihr registriert. „Das heißt nicht, dass die alle tatsächlich was ausleihen“, schränkt sie ein.

Immer topaktuell

Um Kunden zu locken – und zu halten – verfolgt sie verschiedene Strategien. „Wir sind immer topaktuell“, betont sie. Die neuesten Verleihtitel halte sie in großer Zahl bereit. Das gilt sowohl für Filme als auch für Spiele. Außerdem verleiht „World of Video“ Spielekonsolen und Zubehör wie spezielle Controller oder Kamera-Systeme, bei denen man die Spielfiguren auf dem Bildschirm mit der Bewegung des eigenen Körpers steuern muss. Seit zweieinhalb Jahren können Kunden Spielfilme auf Blu-ray-Discs, den Nachfolgern der DVDs, ausleihen. „Seit einigen Monaten haben wir sogar 3D-Blu-rays“, so Rappenberg.

Neben dem Verleih setzt „World of Video“ auf Verkauf: Spiele und Filme – ob neu oder gebraucht – stehen bereit. Und immer wieder gebe es Aktionen, mit der die Videothek die Kunden an sich binden will. „Man kann bei uns Bonuspunkte sammeln, wir haben einen Gutscheinkalender mit einem Aktionsgutschein je Monat, und ADAC-Mitglieder erhalten von Mittwoch auf Donnerstag zwei Filme zum Preis für einen“, nennt Rappenberg einige Beispiele.

Nur bei einer Frage muss Julia Rappenberg passen: „Videos führen wir gar nicht mehr“, schüttelt sie den Kopf, „auch wenn tatsächlich ganz selten noch Leute nach VHS-Kassetten fragen.“

 
 

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